Klare Strategie

Europa-Chef von Stellantis betont: In sechs Jahren nur noch Elektroautos

In spätestens sechs Jahren will Stellantis in Europa nur noch E-Autos verkaufen. Die aktuell hohen Preise dürften bis dahin sinken, glaubt Europa-Chef Uwe Hochgeschurtz.

Der Auto-Konzern Stellantis setzt auf preisgünstige Elektroautos. Europa-Chef Uwe Hochgeschurtz sieht großes Kostensenkungspotenzial und scheut dabei auch nicht vor der Zusammenarbeit mit einem chinesischen Hersteller zurück. Kritik übt er allerdings an der Bundesregierung.

Der neue WhatsApp-Kanal von 24auto.de ist da!

Aktuelle News, nützliche Tipps & Tricks sowie kuriose Geschichten aus dem Netz rund um das Thema Auto gibt’s auf unserem Whatsapp-Kanal: Hier geht’s direkt zu Automania.

Ab 2030 sollen in Europa alle 14 Stellantis-Marken auf Elektroantrieb umgestellt sein

Die Verbrenner-Deadlines im Konzern bleiben gültig, betont der Stellantis-Manager, der zuvor unter anderem CEO von Opel war. Das gelte sowohl für den Plan, Opel ab 2028 in Europa zur reinen E-Automarke zu machen als auch für das Ziel, bis 2030 auch die letzte der 14 Marken in Europa komplett auf E-Antrieb umzustellen. Bedenken wegen der aktuell hohen Anschaffungspreise für Batterie-Autos hat er nicht: „Ich glaube, viele unterschätzen das Weiterentwicklungspotenzial, vor allem bei der Batterietechnik“, so Hochgeschurtz. Neue Zellchemien und Fertigungstechniken machten langfristig auch mehr Modelle unterhalb von 20.000 Euro vorstellbar. Mit dem ab 23.300 Euro erhältlichen Kleinwagen Citroën e-C3 liegt der Konzern zudem beim Rennen um den ersten echten Volks-Stromer für den Massenmarkt gut im Rennen.

Zusammenarbeit mit chinesischem Hersteller Leapmotor soll preiswertes E-Auto ermöglichen

Zudem hat Stellantis durch die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor ein Ass im Ärmel, wenn es um kostengünstige E-Mobile gibt. Ein gemeinsames Joint-Venture hat mit dem Kleinstwagen T03 ein preiswertes E-Auto in der Schublade, das auch nach Europa kommen soll. „Die Markteinführung wäre kurzfristig möglich, um unseren Händlern eine weitere Elektro-Alternative anbieten zu können.“ Stellantis würde so auch der von vielen anderen Autoherstellern mit Sorge erwarteten China-Offensive in Europa etwas entgegenzusetzen haben. Medienberichten zufolge denkt der Konzern über eine Produktion des Fahrzeugs im Stellantis-Werk in Polen nach. Hochgeschurtz bezeichnete dies als Spekulationen und wollte diese nicht kommentieren.

Der Stellantis-Europa-Chef Uwe Hochgeschurtz will in sechs Jahren in Europa nur noch Elektroautos verkaufen.

Hochgeschurtz kritisiert „überstürztes Ende des Umweltbonus“

Generell sieht der Stellantis-Europachef seinen Konzern für eine elektrische Zukunft gut aufgestellt. Die 14 Marken stellen ein breites Modellangebot von Kleinwagen bis zu Transportern, von günstigen Stadtautos bis zu exklusiven Sportwagen zur Verfügung. „Neben Batterie-Fahrzeugen bekommen Sie sogar Brennstoffzellen-Fahrzeuge bei uns“, so Hochgeschurtz. Preis und Auswahl stimmen aus seiner Sicht, auch die Reichweite sei in den meisten Fällen kein Problem – vor allem angesichts der immer besseren öffentlichen Ladeinfrastruktur. Die aktuelle Nachfrage- und Image-Delle der Elektromobilität in Deutschland hält er für hausgemacht: „Das überstürzte Ende des Umweltbonus war aus meiner Sicht kein gutes politisches Zeichen“, kritisiert er die Bundesregierung. Dabei geht es nicht allein um die finanziellen Aspekte, „der Käufer braucht auch das Vertrauen, dass er mit der beträchtlichen Investition in ein E-Auto das Richtige tut.“ Wenn der Staat unbeabsichtigt den Eindruck vermittelt, sich aus der Technik zurückzuziehen, kommen beim Verbraucher Zweifel auf.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter.

Generell wünscht sich Hochgeschurtz von der Politik Stabilität bei Entscheidungen und verlässliche Rahmenbedingungen. Ein Zick-Zack-Kurs – etwa bei einer erneuten Diskussion des Verbrenner-Verbots für 2035 – würde nur Investitionen der Autohersteller erschweren. Tatsächlich ist die aktuell wieder aufflammende Diskussion um die Zukunft des E-Autos vor allem ein deutsches Phänomen. Auch der Rückgang bei den E-Auto-Neuzulassungen ist eine nationale Besonderheit, in den anderen großen Märkten Europas gab es auch im Februar weiterhin zweistellige Zuwachsraten.

Top 10 Neuzulassungen: Die beliebtesten Elektroautos der Deutschen im Jahr 2023

Fahraufnahme eines Mini SE
Platz 10 – Mini Cooper E/SE: 13.953 Neuzulassungen im Jahr 2023 reichten Mini für den Einzug in die Stromer-Top-10. Der Cooper E/SE sicherte sich im Jahres-Ranking den zehnten Platz. © Mini
Ein BMW iX1
Platz 9 – BMW iX1: Die vollelektrische Version des BMW X1 wurde im vergangenen Jahr 14.694-mal neu zugelassen. Damit landet der iX1 auf dem neunten Rang im Jahres-Ranking 2023. © BMW
Ein Tesla Model 3
Platz 8 – Tesla Model 3: Der US-Hersteller Tesla sicherte sich mit seinem Model 3 den achten Platz im Ranking. Laut KBA kam der Stromer 2023 in Deutschland auf 15.865 Neuzulassungen. © Imagebroker/Imago
Fahraufnahme eines Cupra Born
Platz 7 – Cupra Born: Einst ein Seat-Ableger, inzwischen eine eigene Marke: Der vollelektrische Cupra Born wurde im vergangenen Jahr laut KBA 17.464-mal neu zugelassen – und landete damit auf Rang 7. © Cupra
Fahraufnahme eines Audi Q4 e-tron
Platz 6 – Audi Q4 e-tron: Laut KBA kam der Audi Q4 e-tron im Jahr 2023 auf 18.061 Neuzulassungen. Damit erreichte der Ingolstädter den sechsten Platz im Ranking. © Audi
Ein VW ID.3
Platz 5 – VW ID.3: Noch vor den zum Konzern gehörenden Marken konnte sich ein „eigenes“ VW-Produkt platzieren: Mit 22.270 Neuzulassungen im Jahr 2023 sicherte sich der VW ID.3 den fünften Rang. © VW
Fahraufnahme eines Fiat 500e
Platz 4 – Fiat 500e: Laut KBA wurde der Elektroflitzer Fiat 500e im Jahr 2023 in Deutschland 22.608-mal neu zugelassen – das reicht für den vierten Platz. © Fiat
Ein Skoda Enyaq
Platz 3 – Škoda Enyaq: Auch auf dem dritten Platz findet sich eine Marke aus dem VW-Reich: 23.498-mal wurde das E-SUV Škoda Enyaq im vergangenen Jahr neu zugelassen. © Škoda
Ein VW ID.4
Platz 2 – VW ID.4/ID.5: Für die erfolgsverwöhnten Wolfsburger reichte es nur für den Vize-Titel des Jahres 2023. 36.353 Neuzulassungen der E-Modelle ID.4 (Foto) und ID.5 zählte das KBA im vergangenen Jahr. © VW
Ein Tesla Model Y auf einer Messe
Platz 1 – Tesla Model Y: Eine Titelverteidigung ist nie einfach – doch Tesla hat es geschafft. Wie schon im Jahr 2022 konnte sich das Model Y auch im Jahr 2023 den Spitzenplatz bei den Neuzulassungen (45.818) in Deutschland sichern.  © Pond5 Images/Imago

Großkunden-Deals mit Flottendienstleister und Mietwagenanbieter

Für Planungssicherheit sorgten bei Stellantis zuletzt zwei Vereinbarungen mit Großkunden. So sicherte sich der Leasing- und Flottendienstleister Ayvens Zugriff auf 500.000 Stellantis-Fahrzeuge bis 2026. Zuvor hatte es bereits einen ähnlichen Deal mit dem Mietwagenanbieter Sixt über 250.000 Autos gegeben. Darunter sollen jeweils auch E-Mobile sein, ein konkreter Mix stehe aber noch nicht fest, so Hochgeschurtz. Für ihn bedeutet die Dreiviertelmillion garantierter Verkäufe aber nicht nur kurzfristigen Absatz und Gewinn, sondern auch eine Investition in die Zukunft. „Letztlich sind jede Miete und jedes Abo auch eine Probefahrt für die Produkte unserer Marken.“ (Holger Holzer/SP-X)

Rubriklistenbild: © Stellantis

Kommentare