- VonThomas Petersschließen
Vier Jahrzehnte im Arbeitsleben und dann der ersehnte Ruhestand. Während die Babyboomer sich darauf freuen, sind die Jüngeren beunruhigt. Ihre Rente ist unsicher.
München – „Das derzeitige Rentensystem, das wir in Deutschland haben, könnte uns in den Abgrund führen“, sagt Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier in der ZDF-Dokumentation Die Wahrheit über unsere Rente. Nach Ansicht von drei Wirtschaftsweisen werden es zukünftige Generationen demnach schwer haben, eine ausreichende Rente zu bekommen.
Demografische Entwicklung gefährdet Rente der Gen Z
Eines der größten Probleme für die jüngeren Generationen liegt laut ZDF-Doku in den demografischen Entwicklungen in Deutschland. Während in den 1950er Jahren noch sechs Arbeitnehmer auf einen Rentner kamen, zahlen heute nur noch zwei Arbeitnehmer die Rente für einen Menschen. Hinzu kommt, dass die geburtenstarken Jahrgänge der 60er und 70er Jahre, die sogenannte Babyboomer Generation, in den nächsten Jahren in Rente gehen werden. Gleichzeitig ist die heutige Kindergeneration aber nur zwei Drittel so groß, wie die Babyboomer.
Ein weiterer Grund für die angespannte Rentensituation liegt daran, dass Menschen im Schnitt länger leben. Laut der ZDF-Doku sind Menschen heute acht Jahre länger in Rente als noch vor 20 Jahren. „Wir werden in Zukunft nicht mehr genügend Beitragszahler haben“, sagt Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen in der Dokumentation.
Rente mit 70 ist in der Politik und Gesellschaft umstritten
Gen Z (Jahrgang 1997 bis 2012) und den Millennials (1981 bis 1996) ist das Problem dabei durchaus bekannt. Laut dem Demographie Netzwerk geht knapp die Hälfte der Personen zwischen 18 und 39 Jahren davon aus, dass sie wahrscheinlich keine gesetzliche Rente bekommen werden. Rund zwei Drittel sorgen sich derweil um Altersarmut.
In der Politik werden verschiedene Lösungsansätze des Problems diskutiert, darunter eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70. Einer Civey-Umfrage im Auftrag des Demographie Netzwerks zeigt aber, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht länger als bis zum 62. Lebensjahr arbeiten möchte. Körperliche Belastung und Stress sind dabei die Hauptgründe. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist deshalb umstritten.
Ältere würden sich mit langsam steigender Rente zufriedengeben
Im Rahmen der Dokumentation führte das ZDF eine repräsentative Umfrage durch, bei der über 60-Jährige Lösungen für das Rentenproblem der jüngeren Generation vorschlagen konnten. Demnach sagten 17 Prozent der Älteren, dass die Jüngeren länger arbeiten sollen. 18 Prozent waren für höhere Beiträge. 43 Prozent der Älteren würden sich hingegen mit langsam steigenden Renten zufriedengeben.
Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) kann im Hinblick auf Arbeitsmotivation empirisch nicht belegt werden, dass Gen Z und Co. nicht weniger arbeiten wollen als Babyboomer. Die Bedeutung der Arbeit steigt demnach in allen Generationen bis zum 40. Lebensjahr an und sinkt danach wieder allmählich.
Jüngere Generationen investieren immer mehr in Anlagen
Auch bei verkürzten Arbeitszeiten sind die Unterschiede zwischen den Altersklassen laut WSI nicht groß. Rund 80 Prozent der Beschäftigten aller Altersklassen sind für eine Verkürzung der Arbeitszeit und für die Einführung von Modellen wie der Vier-Tage-Woche.
Um sich für die Zukunft zu sichern, setzen junge Menschen laut Demographie Netzwerk zunehmend auf Kapitalanlagen und börsengehandelte Fonds. Die meisten Anleger sind demnach aber Männer. Frauen fühlen sich hingegen schlechter über die Möglichkeiten der Altersvorsorge informiert. Angesichts hoher Kosten für den Lebensunterhalt haben junge Menschen oft nicht genug Geld, um konventionell für das Alter zu sparen. (tph)
Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago
