Erkältung statt Erholung: Darum werden viele im Urlaub plötzlich krank
VonStella Henrich
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Viele Menschen werden im Urlaub krank. Lauern in der Fremde etwa Viren, die es hierzulande nicht gibt? Der Grund ist viel simpler und hat mit der Umgebung selten was zu tun.
München ‒ Vor Monaten wurde der Strandurlaub schon gebucht und die Vorfreude auf die lang ersehnte Auszeit am Meer steigt. Am Ferienort angekommen, führt der erste Weg vieler Urlauber schnurstracks zum Pool oder Strand, um sich vor den Reisestrapazen der Anreise zu erholen.
Diensthandy aus, die Füße hoch – nach langer Zeit wieder zur Ruhe kommen und entspannt die Sonne, das Meer und die Ferne genießen. Zwar soll Verreisen gut für das eigene Wohlbefinden sein, doch viele Menschen werden ausgerechnet im Urlaub krank.
Krank im Urlaub: Jüngere Menschen erwischt es häufiger
Mit dem ersten Husten und Schnäuzen im Urlaub ist es mit der Entspannung schnell dahin. Viele liegen im Urlaubsparadies im Krankenbett anstatt am Strand. 81 Prozent von rund 2.000 Teilnehmer einer aktuellen Umfrage im Auftrag der HanseMerkur Versicherung berichten von Krankheiten oder Verletzungen auf Reisen.
Überraschend dabei: Insbesondere jüngere Urlauber fangen sich wohl eine Erkältung oder Magen-Darm-Erkrankungen ein. Auch über einen Sonnenstich klagen einige. 85,4 Prozent der 18-24-Jährigen und 85,1 Prozent der 25- bis 34-Jährigen wurden demnach im Urlaub schon einmal krank. In der Gruppe der 55- bis 65-Jährigen waren es zwar weniger, aber immerhin noch 74,3 Prozent der Befragten. Zu den häufigsten Erkrankungen während des Urlaubs gehörten laut der Umfrage eine Erkältung oder Grippe.
Ranking der Krankheiten auf Reisen:
Erkrankung
Anteil in Prozent
Erkältung/Grippe
51,3
Magen-Darm-Erkrankung
46,2
Hautprobleme wie Ausschläge
37,1
Sonnenstich
33,9
kleinen Sportverletzungen
24,2
Quelle: Marktforschungs-Unternehmen Appino GmbH im Auftrag der HanseMerkur Versicherung, Umfrage vom 15. und 16. Mai 2023 mit 2000 Befragten
Plötzlich krank auf Reisen: Erkältung und Grippe plagen die meisten Urlauber
Neben Erkrankungen können aber auch Verletzungen den Urlaub trüben: Ein Teil zog sich laut Umfrage-Ergebnis zum Beispiel beim Beach-Volleyball kleinere Blessuren (Fuß umgeknickt oder Verstauchungen) zu. 12,8 Prozent gaben an, sich sogar Knochenbrüche, Platzwunden, Sehnenrisse, Verrenkungen und Muskelfaserrisse während der Urlaubszeit zugezogen zu haben.
Jeder Zehnte (10,7 Prozent) wurde bei Verkehrsunfällen verletzt. Bei einigen endete der Urlaub sogar im Krankenhaus: 17,4 Prozent mussten ambulant, 12,1 Prozent stationär behandelt werden. Zum Arzt mussten schon einmal 30,2 Prozent der 2000 Befragten während ihrer „vermeintlich schönsten Zeit des Jahres“, dem Urlaub. Wiederum 13 Prozent ließen sich nicht behandeln, bei 42,6 Prozent reichte die Reiseapotheke aus.
Erkältung statt Erholung: Freizeitkrankheit im Urlaub nicht ungewöhnlich – „Jede Bakterie springt einen förmlich an“
Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass viele Menschen während ihres Urlaubs krank werden? Das Phänomen wird im Fachjargon „Leisure Sickness“ (deutsch: Freizeitkrankheit) genannt und ist laut Arbeitspsychologen keine Seltenheit. Schuld daran ist oftmals Stress. Er wirkt sich auf das Immunsystem aus. Der Grund: Durch chronischen Stress bleibt das Stresshormon Kortisol dauerhaft erhöht und schwächt so die Immunabwehr.
Kortisol ist ein lebenswichtiges Hormon. Die Werte im Blut folgen einem natürlichen Tagesrhythmus und liegen daher zu unterschiedlichen Zeitpunkten tagsüber und nachts in wechselnden Konzentrationen vor. Quelle: Apotheken-Umschau
Zwar reagiert das menschliche Abwehrsystem auch bei Stress auf eine Infektion, oftmals bleiben die Symptome wie Schnupfen, Kopf- oder Halsschmerzen aber zunächst aus. Die Immunreaktion ist verzögert. Krankheitsanzeichen treten erst dann auf, wenn der Kortisolspiegel sinkt, der Stress also abnimmt. Das ist leider oftmals genau dann der Fall, wenn man zur Erholung ansetzt; also im Urlaub. „Jede Bakterie springt einen förmlich an“, sagt die Arbeitspsychologin Dr. Anja Gerlmaier von der Universität Duisburg-Essen gegenüber der Süddeutschen Zeitung.
Krankenbett statt Strand: Zwei Tipps, um im Urlaub dem Risiko vorzubeugen
Ein Patentrezept, wie man sich am besten schützen kann, gebe es nicht. Die jeweilige Tätigkeit einer Person spielt auch eine Rolle. Oft sei es hilfreich, das Gegenteil von dem zu tun, was man im Arbeitsalltag gewöhnt sei, empfiehlt Gerlmaier. Heißt konkret: Mitarbeiter, die tagsüber beispielsweise viel geistig arbeiten, könnten abends Fahrradfahren. Personen, die dagegen viel am Band stehen, können sich nach der Schicht bei einem guten Buch entspannen. Auch die Münchner zieht es am Wochenende immer wieder mit dem Rad raus ins Grüne.
Im Krankheitsfall: Zehn Dinge, die Sie über die Krankschreibung wissen müssen
Um Erholung während des Urlaubs zu finden, sind laut Studien elf Tage perfekt. Diplom-Psychologin Franca Cerutti sieht laut Bild-Zeitung die Kombination aus Entschleunigung, neuen Erfahrungen und mehr Zeit für Selbstreflexion als Garanten, um das Stresshormon Kortisol abzubauen. Die Expertin hat zudem zwei Tipps parat, wie Beschäftigte das Risiko einer „Freizeitkrankheit“ minimieren können: Sich in den letzten Tagen vor dem Urlaub nicht abmühen und die To-dos auch mal auf Kollegen übertragen. Und sich in Gelassenheit üben; das heißt, kleine Hindernisse im Urlaub, wie Flugverspätungen oder Stau auf den Straßen, einfach wegschmunzeln.