Bald deutlich billiger?

Experte über Unions-Konzept, das Führerschein billiger machen soll – „Völliger Unsinn“

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Rund 1000 Euro weniger für den Führerschein klingen verlockend. Fraglich aber, ob die Pläne der Opposition auch realistisch sind. Der Fahrlehrerverband sieht da schwarz.

München – Hohe Kosten sind der Preis für die Unabhängigkeit: Zwischen 3500 und 4500 Euro müssten Fahrschüler für den Führerschein zahlen. In München ist er so teuer, wie in keiner anderen Stadt. Wer den „Lappen“ besitzen will, muss vor allem erst einmal eins haben: Geld. Nun soll der Führerschein billiger werden – geht es nach dem Willen von Verkehrspolitikern der Union (CDU/CSU).

Der Plan umfasst eine digitalere und modernere Fahrausbildung. Bei Robert Klein, Vorstand des Interessenverbandes deutscher Fahrlehrer (IDFL), stoßen die Maßnahmen auf Kritik. Das verdeutlichte er gegenüber IPPEN.MEDIA.

„Ich sage, das ist völliger Unsinn“: IDFL sieht billigeren Führerschein nicht kommen

„Mit unseren Maßnahmen wird der Führerschein um bis zu 25 Prozent günstiger“, sagte CDU-Verkehrspolitiker Florian Müller der Rheinischen Post am Dienstag (27. Februar). Rund 1000 Euro sollen Fahrschüler somit sparen. Bei IPPEN.MEDIA hielt Klein dagegen: „Ich sage, das ist völliger Unsinn. Wenn ich sowas machen würde als Politiker, dann gucke ich, ob das überhaupt realisierbar ist: Wo können wir es denn überhaupt einsparen?“

Der Führerschein kostet viel Geld. (Symbolbild)

Die Pläne der Union im Überblick – Fahrsimulatoren, digitaler Theorieunterricht und mehr

In einem Konzeptpapier, das der Rheinischen Post und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, schlägt die Arbeitsgruppe Verkehr der Unionsfraktion folgende Punkte vor:

  • Fahrsimulatoren sollen bei der Ausbildung häufiger eingesetzt werden. Somit könnten Fahrschüler die Zahl der praktischen Fahrstunden reduzieren und Fahrschulen den Fuhrpark.
  • Bei Bedarf könnten mehr Prüfer eingesetzt werden. Beispielsweise von Bundeswehr oder Landespolizeien.
  • Der Theorieunterricht soll teilweise online erfolgen.
  • Die Weiterbildung der Fahrlehrer zu Prüfern soll erleichtert und von einer Ingenieurausbildung entkoppelt werden.

Fahrsimulatoren für einen billigeren Führerschein? – Verband erwartet eher Preiserhöhung

IDFL-Vorstand Klein erklärt, dass ein Einsatz von Fahrsimulatoren die Kosten für den Führerschein nicht senken würden. Ein Fahrsimulator koste 20.000 Euro. Dabei bleibe es jedoch nicht. „Dann brauchen Sie ein jährliches Update, Sie brauchen eine Wartung und Sie brauchen jemand, der dieses Teil den Schülern erklärt und der dabeisitzt“, führt er aus.

„Deswegen wird der Führerschein nicht billiger. Ich gehe eher davon aus, dass er dann noch teurer wird.“

Robert Klein im Gespräch mit IPPEN.MEDIA

Fahrsimulatoren könnten richtigen Fahrunterricht im Auto nicht ersetzen

Außerdem stellt er die Verkehrssicherheit beim Einsatz möglicher verpflichtender Fahrsimulatoren infrage. „Das stellt nicht die Realität dar“, warnt er. „Das kann niemals das bringen, was eine reale Fahrstunde bringen kann. Da haben Sie so einen Filmausschnitt – und damit soll man lernen? Ich halte ganz wenig davon“, führt er im Gespräch mit IPPEN.MEDIA aus.

Ein Fahrsimulator in einer Fahrschule. Ein paar werden in Deutschland schon eingesetzt.

Als Ergänzung für Schüler, die Angst vor dem Fahren hätten, könnte man den Simulator durchaus einsetzen, räumt Klein ein – „da haben wir gar kein Problem“. Schließlich gebe es bereits Fahrschulen in Deutschland, die mit dem Gerät arbeiten würden – jedoch wenige. „Hätte sich das Produkt bewährt, dann wären alle Fahrschulen aufgesprungen“, führt er skeptisch aus.

IDFL pocht auf Präsenzunterricht – E-Learning-Bausteine als Ergänzung in Ordnung

In Bezug auf den Online-Unterricht hegt er ebenfalls Zweifel. „Der IDFL möchte den Präsenzunterricht erhalten“, erklärt er. Schon während der Corona-Pandemie war digitaler Unterricht diskutiert worden. Mit E-Learning-Bausteinen als zusätzliche, unverbindliche Informationsquelle habe der Verband allgemein keine Probleme. Allerdings hob Klein die Vorteile von Präsenzunterricht hervor: Persönlich vor Ort baue man zu den Fahrlehrern erste Kontakte sowie Vertrauen auf.

Nicht zuletzt würden durch reinen Online-Unterricht ebenfalls weitere Kosten entstehen. Eine Komponente stelle das benötigte Equipment dar, eine andere die pädagogische Überwachung, denn diese koste „ja auch wieder Geld“, so Klein.

Mangel an Fahrlehrern – IDFL macht Gegenvorschlag zu Unions-Konzept

Einer Erleichterung der Weiterbildung der Fahrlehrer zu Prüfern sowie einer Entkopplung von einer Ingenieursausbildung steht er positiv gegenüber. „Wichtig ist, dass sie eine vernünftige Ausbildung haben.“ Diese müsse auch die Gefühlswelt der Fahrschüler berücksichtigen, so Klein bei IPPEN.MEDIA.

Hinsichtlich des Personalproblems bei Fahrprüfern nennt Klein einen Gegenvorschlag: „Die einzige Möglichkeit ist unseres Erachtens, dass man die Prüfzeiten wieder flexibel gestaltet.“ Er nannte einen Zeitraum von 30 bis 55 Minuten. Fahrprüfer seien innerhalb dieser Zeit aufgrund ihrer Fachkompetenz durchaus in der Lage zu entscheiden, ob ein Fahrschüler am Straßenverkehr teilnehmen könne. Das Ergebnis seien laut Klein mindestens zwei Prüfungen am Tag mehr.

Fahrschülerausbildungsordnung soll erneuert werden

Nicht erst seit dem Bekanntwerden der vorgeschlagenen Maßnahmen der Union übt Klein Kritik an Fahrsimulatoren und Online-Unterricht. Auch auf die Pläne des Bundesverkehrsministeriums (BMDV) blickte er genau. Die Fahrschülerausbildungsordnung soll erneuert werden. Neben Fahrsimulatoren und Online-Theorieunterricht spielen hier selbstständiges Theorielernen wie auch sogenannten Lernstandskontrollen eine Rolle.

Die Pressesprecherin des Bundesverkehrsministeriums schreibt auf Anfrage von IPPEN.MEDIA: „Wie im Koalitionsvertrag verankert, plant das BMDV zum Beispiel mehr digitale Elemente des Führerscheinunterrichts zu ermöglichen. Dafür finden bereits Gespräche mit den für die Umsetzung zuständigen Ländern statt. Ziel ist es, bis voraussichtlich Ende 2024 einen Entwurf für die Novellierung der Fahrschülerausbildungsordnung vorzulegen.“ Fest stehe, dass Fahrschulen nicht dazu verpflichtet würden, Fahrsimulatoren einzusetzen, heißt es weiter.

Auch die Pläne des Verkehrsministeriums kritisiert der IDFL

Für die Fahrschulausbildung seien ein selbstständiges Lernen der Fahrschüler und Lernstandskontrollen bereits vorgeschrieben, so das BMDV weiter. Es sei vorgesehen, diese Instrumente zu stärken. Unbestritten sei, dass beide Maßnahmen positive Auswirkungen auf den Lernerfolg der Fahrschüler habe.

Rätselhafte Verkehrszeichen: Zehn Schilder, deren Bedeutung nicht jedem klar ist

Ein Carsharing-Parkplatz-Verkehrsschild
Vier Personen stehen um ein halbiertes Auto – dieses Schild gibt vielen Verkehrsteilnehmern Rätsel auf. Betrachtet man das Fahrzeug allerdings als „geteilt“, wird die Sache schon deutlich klarer: Dieses Zeichen weist nämlich auf einen Carsharing-Parkplatz hin. © Stefan Sauer/dpa
Verkehrszeichen für autonomes Fahren
Es gibt Verkehrszeichen, die wirken wie aus einer anderen Welt – und in diesem Fall ist es tatsächlich auch so: Dieses schwarz-weiße Schild ist nämlich für die digitale Welt bestimmt – für den menschlichen Fahrer ist es bedeutungslos. Das Schild, das vor allem in Südbayern zu finden ist, ermöglicht es autonomen Fahrzeugen im Testbetrieb, exakt ihren Standort zu bestimmen.  © Future Image/Imago
Verkehrsschild Fahrradstraße
In einer Fahrradstraße dürfen grundsätzlich nur Fahrräder und E-Scooter fahren. Allerdings gibt es Ausnahmen, auf die durch Zusatzschilder hingewiesen wird. In diesem Beispiel sind (Klein-)Krafträder, Mofas sowie mehrspurige Kraftfahrzeuge – also auch Lkw – zugelassen. Es gilt jedoch eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h – und auf Radfahrer muss besondere Rücksicht genommen werden. © Gottfried Czepluch/Imago
Verkehrszeichen Radschnellweg
Ein grünes Schild mit einem weißen Fahrrad kennzeichnet sogenannte Radschnellwege – unabhängig von der Beschaffenheit der Straße. Auch bei sandigen Straßen beispielsweise, soll dadurch kenntlich gemacht werden, dass es sich um einen Radschnellweg handelt. © Panthermedia/Imago
Schild Sackgasse Durchgang für Radfahrer und Fußgänger
Das Sackgassen-Schild dürften die meisten Verkehrsteilnehmer kennen – doch es gibt auch eine besondere Variante, die nicht so oft zu sehen ist. Für Kraftfahrzeuge ist in diesem Fall Schluss – doch für Fußgänger und Radler gibt es in dieser Sackgasse einen Durchgang. © Christian Ohde/Imago
Verkehrsschild Spielstrasse
Verwechslungsgefahr! Wenn man Autofahrer fragt, welches Verkehrsschild an einer Spielstraße zu sehen ist, dürfte man wohl von nahezu jedem die gleiche Antwort bekommen: Ein blau-weißes Rechteck, auf dem ein Erwachsener und ein Kind abgebildet sind, die Fußball spielen – dazu ein sich näherndes Auto. Doch das ist falsch: Dieses Schild weist auf einen verkehrsberuhigten Bereich hin. Hier sind Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Trotz des Gebots der gegenseitigen Rücksichtnahme müssen Autos und Radfahrer besonders vorsichtig fahren und notfalls auch anhalten. Zudem ist nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Gerichten zufolge sind das zwischen 5 und 15 km/h. © Michael Gstettenbauer/Imago
Verkehrsschild Spielstrasse
Und hier ist das „echte“ Spielstraßen-Schild: Es besteht aus einem Verbotsschild für Fahrzeuge aller Art, darunter ist ein Zusatzschild mit einem Fußball spielenden Kind angebracht. „Hier dürfen weder motorisierte Fahrzeuge noch Fahrradfahrer fahren und parken. Die Spielstraße ist allein für spielende Kinder und Fußgänger gedacht“, erklärt der ADAC auf seiner Homepage. © Carsten Koall/dpa
Grünpfeil an roter Ampel
Der Grünpfeil (nicht: Grüner Pfeil) an Ampeln erlaubt allen Fahrzeugen das Abbiegen nach rechts trotz roten Lichtzeichens. Allerdings nur, wenn diese zuvor an der Haltelinie angehalten haben und wenn eine Behinderung oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, insbesondere des Fußgänger- und Fahrzeugverkehrs der freigegebenen Verkehrsrichtung, ausgeschlossen ist. © Martin Müller/Imago
Verkehrsschild grüner Pfeil für Radfahrer
Vom Grünpfeil-Schild gibt es auch noch eine spezielle Variante: In diesem Fall ist es nur Radfahrern erlaubt, bei Rotlicht rechts abzubiegen. Natürlich nur unter den Voraussetzungen, die auch für den „normalen“ Grünpfeil gelten. © Rüdiger Wölk/Imago
Verkehrsschild Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen
Das Verkehrszeichen für das „normale“ Überholverbot dürfte allen Autofahrern bekannt sein. Dieses Schild ist eine Abwandlung davon. Es schreibt explizit ein Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen vor. Das bedeutet in Straßenabschnitten, die mit diesem Verkehrszeichen ausgeschildert sind, dürfen mehrspurige Fahrzeuge (Autos, LKWs) keine Motorräder oder Fahrräder überholen. © Michael Gstettenbauer/Imago

Klein kritisiert in Bezug auf Lernstandskontrollen, dass Fahrschüler den Führerschein freiwillig machen würden – und somit aus eigener beziehungsweise intrinsischer Motivation heraus. In einem Schreiben vom Februar 2024 an das BMDV, das IPPEN.MEDIA vorliegt, heißt es: „Fahrschulen können und dürfen sich nicht in die Pflicht nehmen lassen, ihre Kunden extrinsisch zu motivieren, indem sie fortlaufend überprüfen, ob sich diese die für die theoretische Fahrerlaubnisprüfung relevanten Inhalte jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt angeeignet haben, indem sie deren Lernstand lückenlos dokumentieren.“

Indes sorgte zum Thema Führerschein auch die umstrittene EU-Reform für Aufsehen. Ein viel diskutierter Aspekt fand keine Mehrheit.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago/Monika Skolimowska/dpa

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