VonMichelle Breyschließen
Rund 1000 Euro weniger für den Führerschein klingen verlockend. Fraglich aber, ob die Pläne der Opposition auch realistisch sind. Der Fahrlehrerverband sieht da schwarz.
München – Hohe Kosten sind der Preis für die Unabhängigkeit: Zwischen 3500 und 4500 Euro müssten Fahrschüler für den Führerschein zahlen. In München ist er so teuer, wie in keiner anderen Stadt. Wer den „Lappen“ besitzen will, muss vor allem erst einmal eins haben: Geld. Nun soll der Führerschein billiger werden – geht es nach dem Willen von Verkehrspolitikern der Union (CDU/CSU).
Der Plan umfasst eine digitalere und modernere Fahrausbildung. Bei Robert Klein, Vorstand des Interessenverbandes deutscher Fahrlehrer (IDFL), stoßen die Maßnahmen auf Kritik. Das verdeutlichte er gegenüber IPPEN.MEDIA.
„Ich sage, das ist völliger Unsinn“: IDFL sieht billigeren Führerschein nicht kommen
„Mit unseren Maßnahmen wird der Führerschein um bis zu 25 Prozent günstiger“, sagte CDU-Verkehrspolitiker Florian Müller der Rheinischen Post am Dienstag (27. Februar). Rund 1000 Euro sollen Fahrschüler somit sparen. Bei IPPEN.MEDIA hielt Klein dagegen: „Ich sage, das ist völliger Unsinn. Wenn ich sowas machen würde als Politiker, dann gucke ich, ob das überhaupt realisierbar ist: Wo können wir es denn überhaupt einsparen?“
Die Pläne der Union im Überblick – Fahrsimulatoren, digitaler Theorieunterricht und mehr
In einem Konzeptpapier, das der Rheinischen Post und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, schlägt die Arbeitsgruppe Verkehr der Unionsfraktion folgende Punkte vor:
- Fahrsimulatoren sollen bei der Ausbildung häufiger eingesetzt werden. Somit könnten Fahrschüler die Zahl der praktischen Fahrstunden reduzieren und Fahrschulen den Fuhrpark.
- Bei Bedarf könnten mehr Prüfer eingesetzt werden. Beispielsweise von Bundeswehr oder Landespolizeien.
- Der Theorieunterricht soll teilweise online erfolgen.
- Die Weiterbildung der Fahrlehrer zu Prüfern soll erleichtert und von einer Ingenieurausbildung entkoppelt werden.
Fahrsimulatoren für einen billigeren Führerschein? – Verband erwartet eher Preiserhöhung
IDFL-Vorstand Klein erklärt, dass ein Einsatz von Fahrsimulatoren die Kosten für den Führerschein nicht senken würden. Ein Fahrsimulator koste 20.000 Euro. Dabei bleibe es jedoch nicht. „Dann brauchen Sie ein jährliches Update, Sie brauchen eine Wartung und Sie brauchen jemand, der dieses Teil den Schülern erklärt und der dabeisitzt“, führt er aus.
„Deswegen wird der Führerschein nicht billiger. Ich gehe eher davon aus, dass er dann noch teurer wird.“
Fahrsimulatoren könnten richtigen Fahrunterricht im Auto nicht ersetzen
Außerdem stellt er die Verkehrssicherheit beim Einsatz möglicher verpflichtender Fahrsimulatoren infrage. „Das stellt nicht die Realität dar“, warnt er. „Das kann niemals das bringen, was eine reale Fahrstunde bringen kann. Da haben Sie so einen Filmausschnitt – und damit soll man lernen? Ich halte ganz wenig davon“, führt er im Gespräch mit IPPEN.MEDIA aus.
Als Ergänzung für Schüler, die Angst vor dem Fahren hätten, könnte man den Simulator durchaus einsetzen, räumt Klein ein – „da haben wir gar kein Problem“. Schließlich gebe es bereits Fahrschulen in Deutschland, die mit dem Gerät arbeiten würden – jedoch wenige. „Hätte sich das Produkt bewährt, dann wären alle Fahrschulen aufgesprungen“, führt er skeptisch aus.
IDFL pocht auf Präsenzunterricht – E-Learning-Bausteine als Ergänzung in Ordnung
In Bezug auf den Online-Unterricht hegt er ebenfalls Zweifel. „Der IDFL möchte den Präsenzunterricht erhalten“, erklärt er. Schon während der Corona-Pandemie war digitaler Unterricht diskutiert worden. Mit E-Learning-Bausteinen als zusätzliche, unverbindliche Informationsquelle habe der Verband allgemein keine Probleme. Allerdings hob Klein die Vorteile von Präsenzunterricht hervor: Persönlich vor Ort baue man zu den Fahrlehrern erste Kontakte sowie Vertrauen auf.
Nicht zuletzt würden durch reinen Online-Unterricht ebenfalls weitere Kosten entstehen. Eine Komponente stelle das benötigte Equipment dar, eine andere die pädagogische Überwachung, denn diese koste „ja auch wieder Geld“, so Klein.
Mangel an Fahrlehrern – IDFL macht Gegenvorschlag zu Unions-Konzept
Einer Erleichterung der Weiterbildung der Fahrlehrer zu Prüfern sowie einer Entkopplung von einer Ingenieursausbildung steht er positiv gegenüber. „Wichtig ist, dass sie eine vernünftige Ausbildung haben.“ Diese müsse auch die Gefühlswelt der Fahrschüler berücksichtigen, so Klein bei IPPEN.MEDIA.
Hinsichtlich des Personalproblems bei Fahrprüfern nennt Klein einen Gegenvorschlag: „Die einzige Möglichkeit ist unseres Erachtens, dass man die Prüfzeiten wieder flexibel gestaltet.“ Er nannte einen Zeitraum von 30 bis 55 Minuten. Fahrprüfer seien innerhalb dieser Zeit aufgrund ihrer Fachkompetenz durchaus in der Lage zu entscheiden, ob ein Fahrschüler am Straßenverkehr teilnehmen könne. Das Ergebnis seien laut Klein mindestens zwei Prüfungen am Tag mehr.
Fahrschülerausbildungsordnung soll erneuert werden
Nicht erst seit dem Bekanntwerden der vorgeschlagenen Maßnahmen der Union übt Klein Kritik an Fahrsimulatoren und Online-Unterricht. Auch auf die Pläne des Bundesverkehrsministeriums (BMDV) blickte er genau. Die Fahrschülerausbildungsordnung soll erneuert werden. Neben Fahrsimulatoren und Online-Theorieunterricht spielen hier selbstständiges Theorielernen wie auch sogenannten Lernstandskontrollen eine Rolle.
Die Pressesprecherin des Bundesverkehrsministeriums schreibt auf Anfrage von IPPEN.MEDIA: „Wie im Koalitionsvertrag verankert, plant das BMDV zum Beispiel mehr digitale Elemente des Führerscheinunterrichts zu ermöglichen. Dafür finden bereits Gespräche mit den für die Umsetzung zuständigen Ländern statt. Ziel ist es, bis voraussichtlich Ende 2024 einen Entwurf für die Novellierung der Fahrschülerausbildungsordnung vorzulegen.“ Fest stehe, dass Fahrschulen nicht dazu verpflichtet würden, Fahrsimulatoren einzusetzen, heißt es weiter.
Auch die Pläne des Verkehrsministeriums kritisiert der IDFL
Für die Fahrschulausbildung seien ein selbstständiges Lernen der Fahrschüler und Lernstandskontrollen bereits vorgeschrieben, so das BMDV weiter. Es sei vorgesehen, diese Instrumente zu stärken. Unbestritten sei, dass beide Maßnahmen positive Auswirkungen auf den Lernerfolg der Fahrschüler habe.
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Klein kritisiert in Bezug auf Lernstandskontrollen, dass Fahrschüler den Führerschein freiwillig machen würden – und somit aus eigener beziehungsweise intrinsischer Motivation heraus. In einem Schreiben vom Februar 2024 an das BMDV, das IPPEN.MEDIA vorliegt, heißt es: „Fahrschulen können und dürfen sich nicht in die Pflicht nehmen lassen, ihre Kunden extrinsisch zu motivieren, indem sie fortlaufend überprüfen, ob sich diese die für die theoretische Fahrerlaubnisprüfung relevanten Inhalte jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt angeeignet haben, indem sie deren Lernstand lückenlos dokumentieren.“
Indes sorgte zum Thema Führerschein auch die umstrittene EU-Reform für Aufsehen. Ein viel diskutierter Aspekt fand keine Mehrheit.
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