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Wärmepumpen sind laute und teure Stromfresser? Experte klärt über die 10 größten Irrtümer auf

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Sie eignet sich nicht für Mehrfamilienhäuser, ist laut und macht nur im Neubau Sinn. Über die Wärmepumpe kursieren viele Vorurteile. Ein Experte klärt über die größten Irrtümer auf.

München – Wärmepumpen boomen – sie gelten als beste Alternative zu Heizungssystemen, die auf fossilen Brennstoffen basieren und tragen zur Unabhängigkeit von Heizöl und Erdgas, dessen Großhandelspreise derzeit im Sinkflug sind, bei. Dennoch gibt es wohl kaum eine Heizungsart, über die so viele Vorurteile kursieren wie über Wärmepumpen. Dabei sind die Systeme weder so laut, noch so anfällig oder teuer, wie häufig angenommen wird. Wir sprachen mit einem Experten.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck (Grüne), will ein generelles Verbot von Öl- und Gasheizungen ab 2024 durchsetzen. Inzwischen sind auch bestehende Anlagen im Visier des Vizekanzlers. Nicht zuletzt deswegen werden Wärmepumpen als Heizoption zunehmend beliebter. Dennoch halten sich immer noch hartnäckige Irrtümer über die energieeffizienten Heizsysteme. Wir sprachen mit Clemens Dankwerth vom Department Heating and Cooling Technologies  (Abteilung Wärme- und Kältetechnik) des Fraunhofer Institutes ISE in Freiburg.

Wärmepumpen sind nur für Neubauten geeignet

Es wird oft behauptet, dass Wärmepumpen nur für gut gedämmte Neubauten geeignet sind. Das stimmt nicht. „Am besten funktionieren Wärmepumpen zwar bei niedrigen Vorlauftemperaturen“, erklärt Clemens Dankwerth. Damit sind sie ideal zum maßgeschneiderten Einbau in Neubauten und inzwischen in mehr als der Hälfte aller neuen Wohnhäuser eingesetzt.

Dennoch können Wärmepumpen auch in alten Bestandsgebäuden sehr gut installiert werden, beispielsweise im Zuge einer Renovierung oder beim Austausch der alten Öl- oder Gasheizung. „Untersuchungen des Fraunhofer ISE haben gezeigt, dass sie sogar in eher schlecht isolierten Altbauten eine gute Energieeffizienz erreichen. Erst ab einer Vorlauftemperatur von über 50 Grad wird es ineffizient“, so Dankwerth. In den Studien wurden durchschnittliche Jahresarbeitszahlen von 3,1 für Luft-Wasser-Wärmepumpen erzielt. Das bedeutet, dass mit jeder Kilowattstunde Strom 3,1 Kilowattstunden Wärme abgegeben wurde.

Sie eignet sich nicht für Mehrfamilienhäuser, ist laut und macht nur im Neubau Sinn. Über die Wärmepumpe kursieren viele Vorurteile. (Symbolbild)

Wärmepumpen sind laut

Luft-Wasser-Wärmepumpen nutzen Ventilatoren, um Luft anzusaugen und auszublasen, was Strömungsgeräusche erzeugt. Der Kompressor kann auch ein hörbares Brummen abgeben, das durch die Vibration der Wärmepumpe entsteht. Allerdings sind moderne Wärmepumpen sehr leise und haben eine Schallleistung von unter 30 dB. Das bedeutet, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes flüsterleise sind. Zum Vergleich: 30 dB entsprechen der Lautstärke von Flüstern, 40 dB der Lautstärke von Kühlschränken.

„Aber Akustik ist auch immer eine subjektive Wahrnehmung“, so der Klimatechnik-Experte Dankwerth. „Darum ist es sinnvoll, an bestimmten Stellhebeln eine Geräuschentwicklung zusätzlich zu vermeiden – etwa durch eine ausreichende Entfernung zu Mauern und zum Nachbarn, mit Schwingungsdämpfern und Schallschutzhauben“.

Wärmepumpen sind teuer

„Obwohl Wärmepumpen auf den ersten Blick in der Anschaffung teurer erscheinen, lohnt sich ihre Investition auf lange Sicht“, sagt Clemens Dankwerth. Nicht nur werden Wärmepumpen durch staatliche Fördermittel unterstützt, die einen Teil des Unterschieds bei den Investitionskosten ausgleichen. Weitere gute Nachricht für Verbraucher: „Im Vergleich zu anderen Heizungsanlagen haben Wärmepumpen auch die bei weitem am niedrigsten Betriebskosten.“ Bei einem durchschnittlich großen Einfamilienhaus können – natürlich abhängig von der Entwicklung der Gas- und Strompreise – innerhalb von 10 Jahren zwischen 6.000 und 12.000 Euro an laufenden Kosten eingespart werden.  

Wärmepumpen sind Stromfresser

Es stimmt, dass eine Wärmepumpe Strom benötigt, um zu funktionieren. Allerdings ist der tatsächliche Stromverbrauch viel geringer als oft angenommen. Moderne und effiziente Wärmepumpen benötigen nur noch etwa 20 Prozent des Stroms im Vergleich zur erzeugten Wärmeleistung. Mit anderen Worten: Um 100 Prozent Wärme zu erzeugen, benötigt eine Wärmepumpe nur einen Bruchteil des Stroms. „Die Wärmepumpe ist in der Energiebilanz praktisch nicht zu schlagen“, bilanziert Felix Doucet vom Competence Center für Erneuerbare Energien und EnergieEffizienz der HAW in Hamburg. Auch seine Studie, die das Heizen mit Wärmepumpe und Wasserstoff verglich, kam zu einem klaren Ergebnis.

Wer eine eigene Photovoltaik-Anlage hat, kann die Wärmepumpe sogar mit hauseigenem Öko-Strom betreiben.

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Wärmepumpen eignen sich nicht für Mehrfamilienhäuser

Es ist ein Irrglaube, dass Wärmepumpen nur in Ein- oder Zweifamilienhäusern eingesetzt werden können. Obwohl sie häufig in diesen Bauten verwendet werden, decken das in Deutschland nur 59 Prozent der gesamten Wohnfläche ab. Um eine tatsächliche CO₂-Neutralität zu erreichen, müssen auch die anderen 41 Prozent der Wohnfläche in Mehrfamilienhäusern ökologisch beheizt werden, „die viel größere Energiemengen zum Heizen benötigen als Einzelhäuser“, weiß Clemens Dankwerth.

Das internationale Forschungsprojekt LowEx Bestand, an dem der Wissenschaftler beteiligt war, hat darum verschiedene Lösungen erarbeitet, wie Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern sinnvoll genutzt werden können. Möglich sind beispielsweise zentralisierte Wärmepumpen-Systeme für das gesamte Gebäude, eine Kombination aus zentraler und dezentraler Versorgen, Wärmepumpen für eine Wohneinheit oder für mehrere Wohneinheiten, sowie Wärmepumpen für einzelne Wohnungen oder sogar einzelne Räume.

Mit diesen zehn Tipps könnt ihr ganz einfach Gas einsparen

Heizung
Tipp 1: Das Heizthermostat richtig einstellen: Empfohlen werden im Wohnzimmer: 20 bis 22 °C, im Schlafzimmer: 15 bis 18 °C, in der Küche: 16 bis 18 °C, im Badezimmer: 22 bis 24 °C und im Flur: 15 bis 16 °C.  © Marcus Brandt/dpa/Symbolbild
Mythen um die Nachtruhe
Tipp 2: Wider Erwartens kann Gas gespart werden, indem man nachts die Heizung NICHT ausschaltet. Denn es wird viel mehr Gas verbraucht, wenn morgens das ganze Zimmer wieder aufgeheizt werden muss, statt die Heizung auf niedriger Stufe anzulassen.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration
Katze auf einer Heizung
Tipp 3: Heizkörper freihalten: Sei es ein Vorhang, ein Möbelstück oder auch nur der Vierbeiner: Am effektivsten funktioniert die Heizung, wenn sie freisteht. Dann muss der Fellfreund vielleicht auch mal weichen. © Pixabay
Die Sonne scheint durch den Vorhang
Tipp 4: Die Kraft der Sonne nutzen! Wenn die Sonne scheint, heißt es: Kommando Vorhänge auf. Lasst die Sonne rein und nutzt ihre Wärme für das heimische Wohnzimmer. © Pixabay
Schule
Tipp 5: Das Lüften ist entscheidend: mehrmals am Tag fünf bis zehn Minuten Stoßlüften, währenddessen die Heizung ausschalten und erst wieder einschalten, wenn die Fenster zu sind. Auf keinen Fall den ganzen Tag lang Fenster kippen. © Christoph Schmidt/dpa/Archivbild/Symbolbild
Türklinke einer weißen Zimmertür
Tipp 6: Wer Zimmertüren geschlossen hält, verhindert, dass die Wärme aus dem Zimmer entweicht. So können Zimmer gezielt warmgehalten werden, wenn es auch wirklich benötigt wird.  © Pixabay
Dusche
Tipp 7: Viele Haushalte sind bei der Wasseraufbereitung auf Gas angewiesen. Warmwasser kann gespart werden, indem ihr von Badewanne auf die Dusche umsteigt.  © Philipp von Ditfurth/dpa
Eine Frau wäscht sich die Hände
Tipp 8: Beim Händewaschen immer auf kalt stellen: Warmes Wasser sorgt nämlich auch für einen höheren Gasverbrauch. © Pixabay
Eine Heizung wird entlüftet
Tipp 9: Heizung regelmäßig entlüften: Wenn Luft im Heizwasser ist, sinkt die Wärmeleistung. Wenn ihr Gluckern aus der Richtung eures Heizkörpers hört, wird es wieder Zeit, sie zu entlüften. © Pixabay
Gasherd
Tipp 10: Wer mit Gas kocht, sollte beim Kochen immer den Deckel auf den Topf legen, damit wenig Wärme entweicht.  © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Wärmepumpen bringen bei Minusgraden nur als Hybridheizung genug Wärme 

Moderne Wärmepumpen sind in der Lage, alleine ein Haus mit ausreichend Wärme zu versorgen, bestimmte Modelle selbst bei niedrigen Außentemperaturen bis zu minus 29 Grad. Aber natürlich können Wärmepumpen auch in Hybridkombination eingesetzt werden, um in besonders kalten Zeiten zusätzliche Unterstützung zu erhalten. „Eine gängige Methode ist die Kombination von Wärmepumpen mit Heizstäben, die nur zu Spitzenlasten zum Einsatz kommen“, erklärt Dankwerth. „Für die vielleicht 50 Stunden im Jahr bei minus 15 Grad Außentemperatur wird dann der Heizstab zugeschaltet.“

Wärmepumpen funktionieren nur mit Fußbodenheizung

Es ist ein hartnäckiger Irrtum, dass Wärmepumpen sich nur für Gebäude mit Fußbodenheizung eignen. „Tatsächlich sind Wärmepumpen sowohl mit Fußbodenheizungen als auch mit nahezu jedem Radiator kompatibel, wobei eine große Oberfläche von Vorteil ist“, weiß Clemens Dankwerth. „Eine Ausnahme sind massive Heizkörper, die Vorlauftemperaturen von 60 oder 70 Grad brauchen“. Praktisch jedes Haus kann also mit einer Wärmepumpe ausgestattet oder bei einer Sanierung umgerüstet werden.

Wärmepumpen brauchen viel Platz

Statt viel Platz zu benötigen, sind Wärmepumpen im Gegenteil eine platzsparende Lösung. Im Gegensatz zu einem Öl-Brenner oder einer Gas-Therme können sie eben auch außerhalb der Wohnung installiert werden. Bei der Auswahl der Größe der Wärmepumpe werden unter anderem der bisherige Öl- oder Gasverbrauch berücksichtigt, da anhand dieser Werte die effektiv benötigte Heizenergie ermittelt werden kann.

Wärmepumpen können nur heizen

Wärmepumpen sind echte Multitalente. Neben der Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser können sie auch dazu genutzt werden, den Raum auf eine energieeffiziente Art und Weise zu kühlen – entweder aktiv oder passiv. Hierbei wird der Wärmepumpenkreislauf umgekehrt, wie beim Kühlschrank. Experte Dankwerth rät: „Für die Kühlung sollte darauf geachtet werden, dass der Taupunkt nicht unterschritten wird, damit sich keine Feuchtigkeit an Böden oder Heizkörpern niederschlägt. Eine Vorlauftemperatur von mindestens 20 Grad stellt das aber sicher“.

Wärmepumpen haben eine kurze Lebensdauer

Eine Wärmepumpe besteht aus vielen verschiedenen Komponenten, von denen einige eine höhere und andere eine niedrigere Lebenserwartung haben. Ein empfindlicher Teil ist der Kompressor, von dem behauptet wird, er müsse bereits nach 10 Jahren ausgetauscht werden. Tatsächlich jedoch kann ein Kompressor bei regelmäßiger Wartung etwa 50.000 Betriebsstunden halten, was einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren entspricht.

Es gibt jedoch Unterschiede zwischen Wärmepumpen die den Großteil der Energie zum Heizen aus der Umweltluft – ziehen, und Erd-Wärmepumpen. „Verdichterhersteller gehen inzwischen von einer Lebensdauer von etwa 20 Jahren aus“, so Dankwerth, „dabei halten die Erdwärmegeräte länger, weil sie mit konstanten Temperaturen im Erdreich von um 10 Grad weniger beansprucht werden als Luftwärmepumpen“.

Rubriklistenbild: © Robert Poorten/imago

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