Ungewöhnliches Phänomen

Warm, wärmer, Winter 2023 – kippt Warmwasserblase unser Wetter?

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Das Wetter spielt schon seit einiger Zeit verrückt. Nun beobachten Forscher seit einem Jahr eine Anomalie auf dem Atlantik. Woher sie kommt und was sie für den Winter in Deutschland bedeutet:

Schon seit einigen Jahren ist das Wetter spürbar unbeständig. Global gesehen wird wettertechnisch ein Rekord nach dem anderen aufgestellt und wenn das Jahr 2023 weiterhin so bleibt, könnte es das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Forscher beobachten nun seit genau einem Jahr eine Warmwasserblase auf dem Atlantik. SÜDWEST24 erklärt, woher dieses Phänomen kommt und welche Auswirkungen es auf das Wetter im Winter in Deutschland haben wird.

Warmwasserblase auf dem Atlantik verblüfft die Experten

Die Klimaveränderung lässt sich mit einem Lichtschalter vergleichen. Ein stetiger Druck wird ausgeübt, bis schließlich eine entscheidende Veränderung eintritt. Diese entscheidenden Augenblicke werden als „Kippmomente“ bezeichnet. Sie sind im Kontext des Klimawandels nicht rückgängig zu machen. Sie bestehen aus Ereignissen wie dem Abschmelzen von Gletschern und dem Aussterben von Arten.

Die Warmwasserblase auf dem Atlantik, die vor einem Jahr festgestellt wurde, gilt als eine besondere Temperaturabweichung und verblüfft Experten. Genaue Gründe dafür sind noch unklar, aber sie betonen die Notwendigkeit weiterer Forschung. Die Spätsommer-Idylle, die derzeit im Oktober herrscht, ist ebenfalls unnatürlich für das Klima in Deutschland. Sie spiegelt genau die steigenden Temperaturen wider, die weltweit aufkommen.

Warmwasserblase steht mit abschwächendem Golfstrom in Zusammenhang

Forscher spekulieren, dass diese Temperaturanomalien mit einem sich abschwächenden Golfstrom in Zusammenhang stehen. Die typische Westwetterlage, die viele kennen, scheint verschwunden zu sein, stattdessen dominieren meridionale Wetterlagen. Das bedeutet, dass das Strömungsmuster nicht zonal von West nach Ost, sondern von Nord nach Süd und von Süd nach Nord verläuft. Dieses Phänomen beobachten Forscher seit 2010 häufiger. Tatsächlich war in den letzten 63 Monaten die sonst typische Westwetterlage für Deutschland eher selten.

Ebenfalls können Hochdrucksysteme für diese meridionalen Wettermuster mitverantwortlich sein. Dabei werden zwei Formen dieser Hochdrucksysteme unterschieden. Die erste bildet sich auf dem Atlantik nach Norden aus und blockiert die atlantische Frontalzone. Die zweite baut sich über Mitteleuropa auf und dehnt sich nach Norden aus. Auch hier wird die atlantische Frontalzone blockiert. Beide führen zu wärmerem und trockenerem Wetter.

Golfstrom steht kurz vor Kollaps und sorgt für Anomalie

Der Golfstrom ist eine Ursache für die veränderten Grundströme beim Wetter. Studien zeigten bereits 2021, dass der Golfstrom schwächer wird. Jedoch wird diesen Sommer an der Golfstrom-Studie Kritik laut, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Wenn man die Daten analysiert, scheint der Golfstrom kurz vor einem Kollaps zu stehen. Der Golfstrom hat sich in den letzten 40 Jahren verlangsamt und beeinflusst das Wetter und Klima in Mitteleuropa enorm.

Die Klimaveränderung hat Einfluss auf den Golfstrom. Mit dem stärkeren Abschmelzen der Polkappen fließt mehr Süßwasser in den Ozean, das führt dazu, dass sich das Salzwasser als „schwere Wassermasse“ nicht verdünnt und nicht mehr nach unten absinken kann. Von Süden folgen jedoch immer weiter warme Wassermassen und können nicht mehr abgebaut werden. Dies führt zu einer Ansammlung warmer Wassermassen, was wiederum Wetteranomalien verursacht.

Dank Warmwasserblase: So wird das Wetter im Winter in Deutschland

Diese Wetteranomalien haben direkte Auswirkungen auf das Klima in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei können zwei Theorien aufgestellt werden, inwiefern sich die Anomalie auf das Klima auswirkt. Erstens könnten stationäre Tiefdrucksysteme entstehen, zweitens könnte das Zirkulationsmuster gestört werden. Es gibt verschiedene Grade von gestörten Zirkulationsmustern, die sich alle auf das Wetter in Mitteleuropa auswirken.

Pauschal kann noch nicht gesagt werden, wie das Wetter im Winter in Deutschland ausfallen wird. Die Temperaturanomalie auf dem Nordatlantik ist ungewöhnlich und man wird sehen, was aus der Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik werden wird. Diese Warmwasserblase ist zwar neu, war jedoch bereits im letzten Winter vorhanden und der war bekanntlich zu warm. Auch der 100-jährige Kalender gibt einen spannenden Blick auf die Wetterprognosen des Jahres. Ein warmer bis zu warmer Winter ist deutlich wahrscheinlicher als ein normaler oder zu kalter Winter. Durch die meridionale Grundströmung wird es aber auch kältere Nord-Süd-Phasen geben. (rah)

Dieser Artikel wurde mit maschineller Unterstützung bearbeitet und vor der Veröffentlichung von der Redakteurin Sarah Isele sorgfältig geprüft.

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