VonJulia Cuprakowaschließen
Die Preise für Trinkwasser kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Die Menschen in Baden-Württemberg müssen sich weiter auf steigende Wasserpreise einstellen.
Die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich nicht nur in extremeren Wetterereignissen und steigenden Temperaturen, sondern auch in einem Bereich des täglichen Lebens, der oft als selbstverständlich angesehen wird: der Trinkwasserversorgung und den damit verbundenen Kosten. Denn: Durch den Klimawandel müssen sich die Menschen auf steigende Wasserpreise einstellen.
Der Grund: Die Wasserversorger müssten in die Infrastruktur investieren, etwa in neue Brunnen und die Sanierung der Leitungsnetze, sagte ein Sprecher der Landeswasserversorgung, eines kommunalen Zweckverbands in Stuttgart, der rund drei Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. Wasserverluste im Leitungsnetz müssten vermieden werden. Hinzu kämen hohe Energiepreise und zum Teil deutlich gestiegene Personalkosten, die die Unternehmen an ihre Kunden weitergäben.
Trinkwasserpreise in Baden-Württemberg sollen steigen – hohe Energie- und Personalkosten als Grund
Insbesondere im Landkreis Heilbronn gibt es in letzter Zeit immer wieder Probleme mit Trinkwasserleitungen. In Erlenbach-Binswangen ist es bereits mehrfach zu Leckagen in der Wasserleitung gekommen. Laut echo24.de ist die Hauptleitung der Bodensee-Wasserversorgung betroffen. Das Leck trete immer an einer anderen Stelle auf. Die „Heilbronner Stimme“ die Hintergründe rund um das Leck in der Hauptleitung der Wasserversorgung. Der Bürgermeister von Erlenbach denkt über eine Erneuerung der Wasserleitungen nach.
Da die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg in der Regel in kommunaler Hand sei, gehe es bei Instandsetzungs- und Reparaturarbeiten meist nur um die Weitergabe der Kosten, erklärte der Sprecher der Landeswasserversorgung. So dürfe die Landeswasserversorgung als kommunaler Zweckverband keine Gewinne erwirtschaften. Ihr gehören den Angaben zufolge 106 Städte, Gemeinden und Zweckverbände an.
Die hohen Energiepreise treffen nicht nur die Wirtschaft in Deutschland hart. Auch die Bodensee-Wasserversorgung hat angekündigt, dass die durchschnittliche Umlage von 2022 auf 2023 um über 23 Prozent steigen wird, vor allem wegen höherer Ausgaben für Energiebeschaffung und Personal. Hinzu komme ein Sanierungsprogramm. Über die Entwicklung im kommenden Jahr soll die Verbandsversammlung an diesem Dienstag (14. November) entscheiden. Im Versorgungsgebiet leben rund vier Millionen Menschen.
Regionale Unterschiede in Trinkwasserversorgung durch Klimawandel
Wegen des Klimawandels sterben in Baden-Württemberg nicht nur extrem viele Insekten. Sondern: „Die Auswirkungen des Klimawandels erfordern einen erheblichen Aus- und Umbau der Wasserinfrastruktur“, hatte der Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Martin Weyand, im September erklärt.
Dies betreffe Talsperren und Wasserwerke, die Erweiterung von Schutzgebieten und ganz besonders den Ausbau von Verbund- und Fernleitungen. „Um die flächendeckende Trinkwasserversorgung auch in Zukunft zu sichern, brauchen wir dringend mehr solcher überregionalen Infrastrukturen zum Mengenausgleich“.
Trinkwasserpreise im Vergleich – Baden-Württemberger müssen tiefer in die Tasche greifen
Ein Kubikmeter Trinkwasser – das sind 1000 Liter – kostete in Baden-Württemberg zuletzt durchschnittlich 2,44 Euro, wie das Statistische Landesamt im Oktober mitteilte (Stichtag: 1. Januar 2023). Das waren 11 Cent mehr als ein Jahr zuvor. In 40 Prozent der Kommunen sei das Trinkwasser teurer geworden, erklärten die Experten. Die Gebühren unterscheiden sich von Kommune zu Kommune. Die Spanne reicht in diesem Jahr von 0,32 bis 5,35 Euro pro Kubikmeter.
Auch im bundesweiten Vergleich müssen die Menschen in Baden-Württemberg tief in die Tasche greifen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Preis pro Kubikmeter Trinkwasser im Jahr 2022 im Südwesten bei 2,33 Euro, im Bundesdurchschnitt dagegen nur bei 1,83 Euro. Nur in Bremen war das Wasser mit 2,44 Euro je 1000 Liter teurer. In Niedersachsen waren es nur 1,43 Euro.
Interessant sind beim Blick auf die Daten der Stuttgarter Behörde auch Langzeitvergleiche: So lag der Kubikmeterpreis 1979 bei sage und schreibe 64 Cent. Heute ist er also fast viermal so hoch.
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