VonAndreas Beezschließen
Viele Verbraucher essen unbewusst zu viel Salz. Das erhöht den Blutdruck. Spezialisten wie Herz-Professor Heribert Schunkert warnen vor versteckten Salzfallen.
Immer mehr Verbraucher kaufen gesundheitsbewusst ein. In der Praxis heißt das: Sie schauen sich erst einmal die Nährwertangaben auf der Verpackung an, bevor das Produkt in ihrem Wagen oder Korb landet. Wie viele Kalorien stecken drin, wie hoch sind der Fett- und Zuckeranteil? Aber mal Hand aufs Herz: Haben Sie sich im Supermarkt schon mal Gedanken über den Salzgehalt eines bestimmten Lebensmittels gemacht? Oder beim Bäcker? In der Metzgerei? Nein? Besser wär’s aber! Denn zu viel Salz kann krank machen – und im schlimmsten Fall sogar das Leben kosten. Davor warnen Kardiologen und Gefäßspezialisten.
So berechnen Sie den Salzgehalt von Lebensmitteln
Beim Einkaufen im Supermarkt tun sich Verbraucher oft schwer, den Salzgehalt eines Lebensmittels zu erkennen. Der Grund: Während auf den meisten Verpackungen beispielsweise Angaben über Kalorien, Fett und Kohlenhydrate leicht zu finden sind, sucht man den Begriff Salz in der aufgedruckten Tabelle mit den Nährwertinformationen häufig vergeblich. Stattdessen ist ein Natriumwert verzeichnet. Natrium ist ein Bestandteil von Kochsalz. Um den Salzgehalt zu berechnen, müssen Sie den angegebenen Natriumwert in Gramm mit dem Faktor 2,54 multiplizieren. Beinhaltet ein Lebensmittel also beispielsweise 2 Gramm Natrium, stecken darin 5,08 Gramm Kochsalz. Als Faustregel gilt: Bereits ab 0,59 Gramm Natrium bzw. 1,5 Gramm Kochsalz pro 100 Gramm liegt die Salzmenge eines Lebensmittels im roten Bereich.
Herz-Professor Heribert Schunkert: Durch zu viel Salz drohen Bluthochdruck und schwere Gefäßschäden
„Wir Deutschen ernähren uns viel zu salzhaltig“, weiß Professor Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Es drohen Bluthochdruck und schwere Gefäßschäden bis hin zu Herzinfarkten und Schlaganfällen.“
Studien zeigen: Selbst geringe Blutdrucksenkungen haben einen großen Effekt für die Gesundheit
Warum ist zu viel Salz eigentlich so gefährlich? Es lässt häufig den Blutdruck ansteigen – ein Problem, das vor allem Menschen mit ohnehin schon hohen Werten zu schaffen macht. Eine verminderte Salzzufuhr kann den Blutdruck um durchschnittlich vier zu zwei mm Hg senken. Ein Beispiel: Wer früher einen Blutdruck von 140/90 hatte, der kann seinen Wert durch eine Salzreduzierung runter auf 136/88 drücken. Klingt nach einer kleinen Veränderung, kann aber einen großen Effekt haben: : Groß angelegte Studien zeigen nämlich, dass selbst bei einer geringen Blutdrucksenkung um zwei mm Hg (so nennt man die medizinische Messeinheit) das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um sieben bis zehn Prozent reduziert wird.
Schon zwei Schinkenbrötchen können das tägliche Salzlimit pulverisieren
Wie aber lassen sich die versteckten Salzfallen enttarnen? Vergleichsweise große Mengen stecken in Fertiggerichten, Fast Food, aber auch in Wurst, Käse und vor allem in Backwaren. Nach europäischen Herz-Leitlinien sollte man höchstens fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag verzehren. Oft übersteigt aber bereits ein Fertiggericht, ein Burger-Menü oder eine Mahlzeit in der Kantine die empfohlene Tagesdosis. Auch zwei Schinkenbrötchen können ausreichen, um das Salzlimit zu pulverisieren. Statistiker haben errechnet, dass wir 27 bis 28 Prozent unserer Salzzufuhr über Brot und Brötchen decken. Fleisch und Wurst steuern weitere 15 bis 21 Prozent bei, Käse elf Prozent.

