Gewerkschaft attackiert Pläne

Was die neue Grundsicherung der CDU für Bürgergeld-Empfänger bedeutet

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Die Bundestagswahl 2025 ist beendet, eine Regierungsneubildung steht an. Mit der CDU könnten sich insbesondere beim Bürgergeld signifikante Änderungen ergeben.

Kassel – Die Bundestagswahl 2025 ist vorbei, CDU/CSU sind Wahlsieger. Auf Empfängerinnen und Empfänger von Bürgergeld könnten deshalb viele Veränderungen zukommen. Denn die Union um ihren Kanzlerkandidaten Friedrich Merz hat dem Bürgergeld schon lange vor der Wahl den Kampf angesagt und drastische Veränderungen angekündigt. Auch auf die Rente könnten mit CDU in der Regierung Veränderungen zukommen.

„Falsche Anreize“: CDU will „Neue Grundsicherung“ statt Bürgergeld

Mit dem Wahlausgang ist es äußerst wahrscheinlich, dass CDU/CSU mit Merz den neuen Bundeskanzler und somit Nachfolger von Olaf Scholz stellen. Das Fazit zum Bürgergeld der CDU fällt hart aus. Im Wahlprogramm heißt es: „Das Bürgergeld schadet der Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Es setzt nicht nur falsche Anreize, sondern gefährdet auch die Basis unseres Wohlstandes.“

Die CDU um Friedrich Merz hat angekündigt, das Bürgergeld durch die sogenannte „Neue Grundsicherung“ zu ersetzen.

Deshalb soll das Bürgergeld laut CDU schon bald Geschichte sein. Stattdessen setzt die Partei auf die sogenannte „Neue Grundsicherung“. Die Partei begründet die Entscheidung damit, dass der Grundsatz „Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der es nicht tut“ beim Bürgergeld häufig untergraben werden würde.

Was bedeutet die Ankündigung für das Bürgergeld? Auf der einen Seite will die CDU neue Arbeitsanreize bieten wie eine Anpassung der „Hinzuverdienstgrenze“ oder berufsbegleitenden Spracherwerb. Das Bürgergeld würde dazu beitragen, dass die Motivation zur Arbeit sinkt.

Deshalb plant die Partei, Fehlverhalten von derzeitigen Bürgergeld-Empfängerinnen und Bürgergeld-Empfängern „konsequent“ zu sanktionieren. Treffen dürften die Maßnahmen insbesondere die sogenannten Totalverweigerinnen und Totalverweigerer, die Merz und seiner Partei ein Dorn im Auge sind. Die geplanten Maßnahmen zielen somit insbesondere auf die Sanktionsregelungen des SGB II.

Jubel und Entsetzen: Promis und Politiker reagieren auf Bundestagswahl

Friedrich Merz Bundestagswahl
Der Sieger der Bundestagswahl 2025 ist die Union. Das wiederum bedeutet, dass der nächste Bundeskanzler wohl auf den Namen Friedrich Merz hören wird. Zahlreiche Prominente und Politiker reagierten - ganz unterschiedlich - auf den Sieg des CDU-Chefs. © Christoph Reichwein/dpa
Hollywood-Star Ralf Moeller
Hollywood-Star Ralf Moeller gehörte zu den ersten Gratulanten von Merz. Der Schauspieler bekannt aus Filmen wie Gladiator gab dem CDU-Chef auch direkt ein paar Ratschläge mit auf den Weg. © Christian Charisius/dpa
FPÖ-Chef Herbert Kickl und Viktor Orban
Keine Glückwünsche an Friedrich Merz, dafür warme Worte für die AfD, kamen nach der Bundestagswahl aus Österreich und Ungarn. FPÖ-Chef Herbert Kickl (m.) sprach von einem „riesigen Loch“, das nun in der „Brandmauer der Einheitsparteien“ klaffe. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán (r.) wendete sich direkt an Alice Weidel und gratulierte der AfD-Spitzenkandidatin zur Verdopplung ihrer Stimmenanteile. © Tobias Steinmaurer/dpa
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.  © Michael Kappeler
US-Präsident Donald Trump
Auch aus den USA trudelten Glückwünsche an Friedrich Merz ein. „Es sieht so aus, als hätte die konservative Partei in Deutschland die mit Spannung erwartete Wahl gewonnen“, schrieb Donald Trump nach der Bundestagswahl auf Truth Social. Es sei „ein großartiger Tag für Deutschland und die Vereinigten Staaten“, so der US-Präsident © John McDonnell/dpc
Elon Musk vor der Wahl für die AfD
Im Gegensatz dazu hatte sich Trumps Verbündeter Elon Musk vor der Wahl für die AfD ausgesprochen. Der Multimilliardär war sogar per Videoschalte beim Parteitag der Rechtspopulisten dabei. Nach der Wahl kommentierte Musk das gute Ergebnis der AfD bei Jung- und Erstwählern auf X mit den Worten: „Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit.“ © Hendrik Schmidt/dpa
Micky Beisenherz bei Maischberger
Micky Beisenherz hat in einer ersten Reaktion auf die Bundestagswahl das Bündnis Sahra Wagenknecht thematisiert. „BSW. Bundestag. Schön wär’s“, schrieb der Fernsehmoderator auf X, kurz nachdem die ersten Prognosen eingegangen waren, die das BSW unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde zeigten. © IMAGO/Thomas Bartilla
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.  © Moritz Maier
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf?
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf? © Moritz Maier
Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken
Und tatsächlich: Kaum laufen die ersten Prognosen zur Bundestagswahl ein, reagieren Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken (Die Linke) mit ausgelassenem Jubel. © Carsten Koall/dpa
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.  © Sophia Sichtermann
Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl
Aus Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl 2025. Außenminister Sergej Lawrow, hier mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock, blieb ebenso stumm wie Staatschef Wladimir Putin. Einzig Regierungssprecher Dimitri Peskow gab ein knappes Statement ab: „Jedes Mal [wenn es eine neue Regierung gibt], hoffen wir auf einen nüchterneren Blick auf die Realität, auf Themen von beiderseitigem Interesse und gegenseitigem Nutzen.“ © Bernd von Jutrczenka/dpa
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle, reagierte auf Blue Sky, dem inoffiziellen Nachfolger von X (ehemals Twitter), auf die Bundestagswahl. Der Moderator beschäftigte sich dabei vor allem mit den Wahlverlierern: Sahra Wagenknechts BSW und Christian Lindners FDP. © Boris Roessler/dpa
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truc
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truck, reagierte verhalten auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Der neuen Regierung, mutmaßlich unter der Führung von Friedrich Merz, stünde ein „harter Kampf“ bevor, um Deutschlands Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das sagte der Unternehmenschef beim US-Sender CNBC. © THOMAS KIENZLE/AFP
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun (r.) sieht nach der Bundestagswahl raschen Handlungsbedarf für die neue Regierung. „Aus unserer Sicht ist es wirklich an der Zeit zu handeln, und nach der gestrigen Wahl wünschen wir uns, dass sich die neue deutsche Regierung schnell zusammenfindet und dann entschlossene, sofortige Maßnahmen ergreift und auch eine lange, klare, langfristige Vision und einen Fahrplan aufstellt, um Europas Wirtschaft wirklich wieder auf Kurs zu bringen“, so der CEO im US-Fernsehsender CNBC. © Bernd Weißbrod/dpa
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.  © Rolf Vennenbernd
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.  © Carsten Koall
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.  © Georg Wendt/dpa
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.  © Jens Büttner/dpa
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.  © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.  © IMAGO/Breuel-Bild
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.  © Hendrik Schmidt/dpa
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“  © Bernd Weißbrod/dpa
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.  © Thomas Frey/dpa
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“ © Felix Hörhager/dpa

Bundesverfassungsgerichts legte bereits vor Jahren fest: Erlaubt sind höchstens 30 Prozent Kürzung des Bürgergelds

Die Vorlage für die geplanten Änderungen hatte die Partei bereits im März vergangenen Jahres beschlossen. Die Gewerkschaft Ver.di reagierte bereits mit kritischen Worten auf den Entwurf der CDU. In einer Mitteilung aus dem Frühjahr vergangenen Jahres heißt es, dass Menschen, die ohne sachlichen Grund eine zumutbare Arbeit ablehnen, von der als CDU als „Totalverweigerer“ abgestempelt werden würde und diesen jegliche finanzielle Unterstützung entzogen werde. Die Ver.di urteilte: „Das ist nicht nur menschenverachtend, sondern auch verfassungswidrig.“

Müssen betroffene Bürgergeld-Empfängerinnen und Bürgergeld-Empfänger sich wirklich davor fürchten, kein Geld mehr vom Staat zu bekommen? Laut Auffassung der Ver.di nicht. Die Gewerkschaft erklärt in der Mitteilung, dass bereits ein grundlegendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 5. November 2019 (Az.: 1 BvL 7/16) eine Entscheidung getroffen hatte. Demnach darf auch bei einer wiederholten Pflichtverletzung eine Kürzung nicht über 30 Prozent des maßgebenden Regelbedarfs hinausgehen. Das Bürgergeld beziehungsweise die Leistungen der „Neuen Grundsicherung“ wären dementsprechend verfassungswidrig, findet die Gewerkschaft.

Das sind die Regelbedarfsstufen für 2025 – so viel würde „Totalverweigerern“ noch bleiben

PersonenRegelsatz
Alleinstehende und Alleinerziehende563 Euro
Paare506 Euro
18- bis 24-jährige Kinder451 Euro
14- bis 17-jährige Kinder471 Euro
6- bis 13-jährige Kinder390 Euro
Kinder bis 5 Jahre357 Euro

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Wenn Bürgergeld-Empfängerinnen und Bürgergeld-Empfänger also als sogenannte „Totalverweigerer“ gelten und beispielsweise einen Regelsatz in Höhe von 563 Euro bekommen, würden diese trotz der angekündigten Maßnahmen der CDU weiterhin mindestens 394 Euro bekommen. Bei einem Regelsatz von 506 Euro wären es immer noch 354 Euro. Möglich wäre jedoch, dass genau diese Höchstkürzungen bei „Totalverweigerern“ umgesetzt werden. Das Bürgergeld war zum 1. Januar 2023 in Kraft getreten und hatte das Arbeitslosengeld II abgelöst. (bk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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