VonStella Henrichschließen
Was können Verbraucher tun, wenn ihr Medikament ausgeht? Denn es kommt nicht selten vor, dass selbst gängige Produkte nicht zu bekommen sind. Experten klären auf.
München ‒ Insgesamt 300 Medikamente sind von Lieferengpässen betroffen. Darunter auch zahlreiche handelsübliche Produkte. Ähnlich wie bei manchen Lebensmitteln in Supermärkten und Discountern hören Patienten in den Apotheken immer öfter: „Das ist gerade nicht lieferbar.“ Auch Antibiotika, eigene Insuline und Blutdruckmittel sind betroffen.
Apothekerin Daniela Hänel weiß ein Lied davon zu singen. Arzneimittel, die nicht verfügbar sind, seien nur die Spitze des Eisbergs, zitiert Focus die Apothekerin. Oftmals könne sie keine Ware oder Alternativen bieten. Patienten sollten sich dennoch keine Sorgen machen. Laut dem Online-Portal existieren für die am häufigsten in Deutschland verordneten Herzmedikamente, Schilddrüsenpräparate und Diabetesarzneimittel keine Versorgungsengpässe. Das ist grundsätzlich von Lieferengpässen zu unterscheiden. In solchen Fällen können Arzneimittel durch andere Wirkstoffe ersetzt werden.
Liste: Welche Medikamente sind nicht lieferbar?
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert als zuständige Bundesbehörde über aktuelle Lieferengpässe auf dieser Liste. So können sich Ärzte und Apotheker einen Überblick verschaffen und die vorhandenen Restbestände den Patienten zukommen lassen, die sie am dringendsten benötigen.
Knappe Medikamente: Bevorratung führt zur Schieflage in der Versorgung
Die Verbraucher sollten sich in keinem Fall verunsichern lassen, raten Experten. Bei der Techniker Krankenkasse heißt es dazu: Für alle Arzneimittel gibt es andere Produkte, die als wirkstoffgleiche Alternative eingesetzt werden.“ Wer also glaubt, Medikamente auf Vorrat kaufen zu müssen, um nicht in eine Notlage zu geraten, sollte davon absehen. Laut Techniker führt eine Bevorratung zusätzlich zur Schieflage in der Versorgung.
- Ursache für Lieferengpässe: In den allermeisten Fällen sind Mängel in der Produktion die Ursache der Versorgungs- und Lieferengpässe, vermuten Experten. Der Preisdruck bei Medikamenten ist enorm. Um die Herstellungskosten zu senken, lassen Pharmaunternehmen die Wirkstoffe oft ausschließlich in Ländern wie Indien oder China produzieren. Und weil nur Massenproduktion in Billiglohnländern die Wirkstoffe rentabel macht, gibt es häufig nur einen oder wenige Produzenten. Deshalb sind die Pharmaunternehmen zum Teil von einem einzigen Hersteller abhängig.
Doch für Mediziner gibt es offenbar auch keinen Grund, aufgrund von Lieferengpässen ihren Patienten größere Verpackungen zu verordnen oder zusätzlich ein Privatrezept auszustellen. Wer also Sorge habe, „sein“ Medikament nicht zu bekommen, sollte sich rechtzeitig um ein Folgerezept kümmern. Apotheker raten ihren Kunden, sich mindestens eine Woche im Voraus um Nachschub zu kümmern.
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