Nach mehr als 120 Jahren

Einmachgläser-Hersteller Weck insolvent: Wie man an Ersatzteile kommt

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Jeder kennt die Einmachgläser von Weck. Das über 120 Jahre alte Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Droht der deutschen Kultmarke nun das Aus? 

Hamm - Tempo-Taschentuch, Nivea-Creme, Föhn, Zewa - einige Marken haben es geschafft, zur Bezeichnung einer ganzen Produktgattung zu werden. Andere wurden sogar zu Verben und mit Duden-Einträgen geadelt. „Googeln“ ist das bekannteste Beispiel, „Einwecken“ ein altes. Hinter letzterem steht die deutsche Traditionsfirma Weck, deren Einmachgläser in abertausenden deutschen Küchen und Kellern stehen. Jetzt hat sie nach mehr als 120 Jahren Insolvenz angemeldet.

UnternehmenJ. Weck GmbH u. Co. KG
Gründung1. Januar 1900
SitzWehr-Öflingen, Deutschland

Einmachgläser-Hersteller Weck meldet Insolvenz an: Kultmarke vor dem Aus?

Weck-Gläser sind mit ihrem Namen, dem Erdbeer-Logo und dem orangefarbenen Dichtring zum Symbol für das Einkochen von Lebensmitteln geworden. Doch auch Kultmarken sind nicht vor dem wirtschaftlichen Niedergang gefeit, wie die finanziellen Probleme des Plastikgeschirrherstellers Tupperware zeigen.

Das Traditionsunternehmen Weck will sich durch das am Montag, 19. Juni, eröffnete Insolvenzverfahren neu strukturieren. Konkret geht es um die Muttergesellschaft J. Weck GmbH und Co. KG mit Sitz in Wehr-Öflingen (Baden-Württemberg) mit 115 Mitarbeitenden und die Tochterfirma Weck Glaswerk GmbH mit einem Produktionsstandort in Bonn (Nordrhein-Westfalen) mit 260 Beschäftigten. Löhne und Gehälter sind bis einschließlich August über das Insolvenzgeld gedeckt.

Kunden werden vom finanziellen Kraftakt hinter den Kulissen vorerst nichts mitbekommen, denn das Geschäft läuft nach Angaben des Insolvenzverwalters unvermindert weiter. Sorgen, keine Ersatzteile mehr zu bekommen, sind aktuell unbegründet. Glasdeckel, Klammern oder etwa Einkochringe können weiterhin separat bestellt werden, wie ein Blick in den Online-Shop von Weck zeigt.

Insolvenz von Weck: Kunden können Produkte und Ersatzteile weiterhin kaufen

Dem Unternehmen machten zuletzt eine niedrigere Nachfrage und die Preisexplosion beim Gas zu schaffen. „Die Glasherstellung ist energieintensiv, und die eingesetzten Schmelzöfen können nicht einfach abgeschaltet werden, ohne dass sie dabei irreparabel beschädigt werden“, wird Weck-Geschäftsführer Eberhard Hackelsberger in einer Mitteilung zitiert.

Die Firma Weck: eine lange Erfolgsgeschichte

Die Firma Weck wurde Anfang des Jahres 1900 von Johann Weck gegründet; sein Urenkel Eberhard Hackelsberger führt das Familienunternehmen aktuell in vierter Generation. Schon im frühen 20. Jahrhundert wurde das „Einwecken“ an Kochschulen gelehrt - und die Gläser zu einem der ersten Markenartikel in Deutschland. Die Nachfrage nach den wiederverschließbaren Glasbehältern boomte. In den Krisenjahren während der Weltkriege waren die Menschen darauf angewiesen, Lebensmittel haltbar zu machen. Kühlschränke und Tiefkühltruhen machten die Gläser mit der Zeit überflüssig. Die Firma Weck stellte daher auch Glasverpackungen für die Lebensmittelindustrie her - etwa für Gurken und Senf. Zudem werden Kerzengläser für Kirchen und Friedhöfe produziert.

Auch auf der Nachfrage-Seite war die Lage nicht rosig, auch wenn das Haltbarmachen von Lebensmitteln wieder im Trend liegt und die Gläser auch in der Gastronomie Anklang finden. Sie machen heute jedoch nur noch einen Bruchteil der Produktpalette von Weck aus. Ob Weck daran festhält, war zunächst nicht bekannt. Wie es mit dem Traditionsunternehmen weitergeht und ob die Marke sowie ihre Produkte nach mehr als 120 Jahren langsam aus deutschen Haushalten verschwinden, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

In der vergangenen Monate meldeten viele Unternehmen Insolvenz an. So drohte einem weiteren Schuhgroßhändler die Zahlungsunfähigkeit. 3000 Filialen waren davon betroffen. Nicht nur viele Kleidungsgeschäfte litten zuletzt unter schwierigen finanzellen Bedingungen. Auch ein Mineralwasser-Hersteller meldete nach über 100 Jahren Insolvenz an.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich

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