Anbieter wechseln - Stromkosten sparen

Energieanbieter wechseln? ZDF deckt Masche auf – wovon Kunden unbedingt die Finger lassen sollten

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Billiganbieter locken mit reizvollen Angeboten. Was auf den ersten Blick lukrativ wirkt, ist beim weiteren Hinsehen oftmals ein teurer Nepp. Verbraucherschützer warnen.

Kassel ‒ Das ZDF-Magazin Wiso deckt auf, wie Billiganbieter am Strommarkt Verbraucher mit günstigen Angeboten anlocken. Jedes Mal geht es dabei um die Offerte, Kosten für teuren Strom zu sparen. Doch oftmals entpuppen sich die Lockangebote der Energieanbieter als Nepp. Wie etwa dem Kunden Ralf Lübeck, der erst günstigen Strom vom Billiganbieter der ExtraEnergie GmbH mit Sitz in Monheim am Rhein bekam und dann gar keinen mehr, so die Warnung des TV-Berichts. Vor dem Krieg in der Ukraine warb das Unternehmen Kunden wie ihn mit Sparangeboten und Preisgarantien. „Doch dann spielten die Energiemärkte verrückt und die Anbieter wollten plötzlich die Preise verdoppeln“, berichtete Wiso. Der Neukunde wunderte sich. Denn können solche Preissteigerungen tatsächlich sein? Lübeck schaltete die Verbraucherzentrale ein.

Energieanbieter wechseln? Verbraucher müssen unerlaubte Preisänderungen nicht akzeptieren

Die Verbraucherschützer klärten den verärgerten Kunden auf. Solche Preiserhöhungen sind nicht erlaubt. Sie empfahlen dem Kunden, unbedingt Widerspruch gegen die Preiserhöhungen einzulegen. Das tat Lübeck dann auch und bekam zwei Tage später von seinem Anbieter den Strecker für Strom und Gas gezogen. Mit der Konsequenz, dass der Kunde bei seinem lokalen Stromanbieter in einem teureren Tarif landete. Der Energieanbieter ExtraEnergie GmbH äußerte sich laut Wiso allerdings nicht zu diesem Vorgehen.

Darauf sollten Verbraucher bei der Tarifsuche achten und im Zweifel die Finger vom Anbieter lassen:

  • Verbraucher sollten bei Abschlägen nicht zu stark in Vorleistung gehen. Es besteht laut Verbraucherschützern die Gefahr, dass der Energieanbieter Pleite geht.
  • Auch Vorauskassetarife sollten Verbraucher meiden.
  • Auf Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 sollten Verbraucher vor Abschluss eines Vertrags darauf achten, wie die Weiterempfehlung anderer Kunden auf dem Portal ist. Auch Hinweise von Beschwerden sollten aufhorchen lassen.
  • Auf einigen Verbrauchsportalen lassen sich auf die Zufriedenheitswerte von Kunden nach einem Jahr Verbrauchslaufzeit scannen. Nehmen hier die Unzufriedenheitswerte der Kunden zu, kann das ein Warnzeichen für Verbraucher vor dem Anbieter sein.
  • Verbraucher sollten vor jedem Vertragsabschluss prüfen, wem das Unternehmen gehört, gehört es zu einem Stadtwerk vor Ort oder ist es ein Energiediscounter. Auch ein Blick ins Internet kann helfen, die Frage zu klären, ob aktuelle Verfahren gegen den Anbieter laufen oder ob es in der Vergangenheit Verfahren vor Gericht gab.
  • Quelle: Verbraucherzentrale NRW

Auch der Energieanbieter Fuxx ist den Verbraucherschützern aus NRW wegen intransparenter Preiserhöhungen in der Vergangenheit bereits aufgefallen. Der Bundesverband Verbraucherzentrale ging gegen das Unternehmen vor, weil der Anbieter Abschläge erhöhte, obwohl es keine Preiserhöhungen auf dem Energiemarkt gegeben hatte. Das Landgericht Hamburg gab der Klage recht. Die Berufung läuft dem Bericht zufolge.

Mithilfe von Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 finden Verbraucher rasch günstige Anbieter auf dem Energiemarkt. (Symbolbild)

Energieanbieter wechseln? Energiemarkt ist richtig in Bewegung

Ein Wechsel des Anbieters kann sich für Verbraucher aber auch lohnen. Denn die Preise seien wieder auf dem Niveau von vor dem Ukraine-Krieg angekommen, sagte Holger Rohde, Energieexperte der Stiftung Warentest im Wiso-Interview. Was unter anderem an einem gewissen Überangebot an Gas und günstiger Einspeisung an Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Windkraft und Solar liege. „Der Energiemarkt sei richtig in Bewegung“, so der Experte weiter. Es spräche auch nichts dafür, dass Verbraucher wegen der Energiepreisbremse ihren Anbieter nicht wechseln sollten. Auch wenn Strom- und Gastarife inzwischen wieder oftmals unter der Preisbremse liegen. Ein Wechsel kann sich für Verbraucher dennoch auszahlen.

So wechseln Verbraucher ihren Anbieter:

  1. Vorjahresverbrauch und Postleitzahl bei einem Vergleichsportal im Internet eingeben.
  2. Danach erhalten Verbraucher einen Überblick über potentielle Anbieter. Wichtig dabei ist, die richtigen Voreinstellungen einzugeben – wie zum Beispiel Ökostrom, Laufzeit des Vertrags, alle verfügbaren Tarife sollten angezeigt werden – also nicht nur die, die über das Vergleichsportal abgeschlossen werden können. Außerdem kann es sich lohnen, den regionalen Energieversorger wie die Stadtwerke separat zu überprüfen, denn diese sind oft nicht in den Portalen enthalten.
  3. Bei der Laufzeit des Vertrags sollten Verbraucher bedenken, dass zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vorhersagbar ist, wie sich die Preise für Energie künftig weiterentwickeln werden. Daher sollten Verbraucher auf die Kündigungsfristen ihres derzeitigen Vertrags achten. Bei Sondertarifen gelten die Fristen des Vertrags. Im Grundtarif gibt es laut Eneergieexperten Rohde eine Kündigungsfrist von 14 Tagen.
  4. Wer vor dem 1. März 2022 einen Tarifvertrag abgeschlossen hat, für den gelten besondere Bedingungen. Diese Verträge könnten sich unter Umständen um zwölf Monate verlängern. Das sei bei Verträgen nach dem 1. März 2022 nicht der Fall, so Rohde.
  5. Meist lässt sich ein Wechseln recht leicht über Vergleichsportale handhaben.

Inzwischen ist auch der Discounter Lidl auf dem Strommarkt eingestiegen und bietet günstige Tarife für seine Kundinnen und Kunden an. Doch Vorsicht, nicht in allen Regionen Deutschlands ist der Öko-Stromtarif erhältlich. (sthe)

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/imago

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