Noch keine effektiven Impfstoffe

Welche Erreger und Viren die nächste Pandemie verursachen könnten

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Die Zahl der Erreger, die die nächste Pandemie auslösen könnte, ist laut der Weltgesundheitsorganisation auf über 30 gestiegen. Was das bedeutet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt seit Jahren eine Liste der gefährlichsten Viren und Erreger weltweit. Nun haben die Experten die Liste der potenziellen Pandemieauslöser überarbeitet. Seit diesem Jahr sind mehr als 30 Krankheitserreger darauf zu finden, die in Zukunft einen internationalen Gesundheitsnotstand in Form einer Epidemie oder Pandemie auslösen könnten. Mehr als 200 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus rund 50 Ländern haben rund zwei Jahre lang untersucht, für welche Pathogene unbedingt neue Behandlungen und Impfstoffe entwickelt werden sollten. Neu hinzugekommen sind Influenza(A)-Viren, das Dengue- und Mpox-Virus sowie fünf Bakterien.

Gefährliche Erreger und Viren: Bisher noch keine Impfungen verfügbar

Zahlreiche Erreger und Viren könnten in Zukunft zu einer möglichen Endemie oder Pandemie führen. Welche das sein könnten, haben Forscher der WHO nun untersucht.

Von den insgesamt 1652 untersuchten Viren und Erregern stufen die Forscher der WHO rund 30 Pathogenfamilien als gefährlich ein. Waren es im Jahr 2018 gerade einmal ein Dutzend Erreger, hat sich die Liste nun verdoppelt. Die Erreger zeichnen sich den Experten zufolge vor allem dadurch aus, dass sie hochansteckend sind und sich besonders schnell verbreiten können. Fehlende oder limitierte Impfmaßnahmen sorgen dafür, dass die Viren und Erreger endemische oder pandemische Impfwellen auslösen könnten.

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Um ein solches Szenario zu verhindern, sollen die Pathogene in der Forschung priorisiert und entsprechende Impfstoffe entwickelt werden. „Der Priorisierungsprozess hilft dabei, kritische Wissenslücken zu erkennen, die dringend geschlossen werden müssen“, und sorge für einen effizienten Einsatz der Ressourcen, erklärt Ana Maria Henao Restrepo, Leiterin des WHO-Forschungsteams Blueprint for Epidemics, wie der Standard berichtet.

Mpox-Virus: Historie, Ansteckung, Ausbreitung, Symptome, Impfschutz

Das Affenpockenvirus ist verwandt mit den klassischen humanen Pockenviren – sogenannte Variola oder Smallpox – und den ebenfalls als Zoonose bekannten Kuhpockenviren.
Was sind Affenpocken? Es handelt sich um Viren der Gattung Orthopoxvirus, sogenannte Orthopoxvirus simiae oder auch Monkeypox virus (MPXV) genannt – im Bild als elektronenmikroskopische Aufnahme im Ultradünnschnitt des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu sehen. © Freya Kaulbars/RKI/dpa
1958 wurde erstmals bei Javaneraffen das Pockenvirus entdeckt, daher die Bezeichnung „Affenpocken“
Warum heißt das Virus Affenpocken, übertragen es Affen? Erstmals wurde die von den Viren verursachte Erkrankung 1958 bei Javaneraffen – im Bild ein Exemplar aus dem Nationalpark Bako in Borneo, Malaysia – mit pockenähnlichen Symptomen beobachtet, weshalb es zu dem Namen „Affenpocken“ kam. (Symbolbild) © imageBROKER/JustusxdexCuveland/Imago
Nagetiere wie das Rotschenkelhörnchen in West- und Zentralafrika sind Träger und Überträger des Affenpockenvirus.
Affenpocken werden demnach nicht ursprünglich oder ausschließlich durch Affen weitergegeben. Tatsächlich sind die eigentlichen Überträger Nagetiere in West- und Zentralafrika, allen voran Thomas-Rotschenkelhörnchen – wie hier zu sehen ein Rotschenkelhörnchen (Funisciurus pyrropus leonis) in Sierra Leone. © imagebroker/Imago
Affenpockenviren sind in West- und Zentralafrika bei Nagetieren verbreitet. Beim Menschen wurden Affenpocken erstmals 1970 in der Demokratischen Republik Kongo bei einem neun Monate alten Jungen identifiziert.
Im Frühjahr 2003 kam es zum ersten Nachweis von Affenpocken beim Menschen außerhalb Afrikas, dem Ursprungskontinent des Virus. Als Ursache wurde der Import von Nagetieren aus Ghana in die USA identifiziert, die Übertragung der Erkrankung erfolgte über infizierte Präriehunde – im Bild zu sehen – auf Tierhändler, laut Angaben des RKI. (Symbolbild) © IMAGO/Steffen Unger
Eine Übertragung des Affenpockenvirus von Mensch zu Mensch ist selten und nur bei sehr engem Kontakt möglich.
In Endemiegebieten kann das Affenpockenvirus auf den Menschen durch Kontakt zu infizierten Nagetieren – ähnlich dem Schwarzschwanz-Präriehund auf dem Foto – über Bisse, Sekrete, Urin und Kot übertragen werden. (Symbolbild) © Hohlfeld/Imago
Eine Übertragung des Affenpockenvirus ist bereits vor Auftreten der Hautläsionen über Atemwegssekrete möglich.
Steckt sich ein Mensch bei einem Nagetier an, kann diese Person das Affenpockenvirus wiederum auf andere übertragen, über offene Pocken, sogenannte Pockenläsionen – links im Bild am Arm des Betroffenen. Der Bläscheninhalt verfügt über eine besonders hohe Virenkonzentration. Wunden im Mund können ebenfalls ansteckend sein, das heißt, das Affenpockenvirus kann grundsätzlich auch über den Speichel übertragen werden.  © picture alliance/dpa/CDC
Die Symptome nach einer Affenpockeninfektion halten in der Regel zwischen zwei und vier Wochen an und verschwinden ohne Behandlung von selbst.
Wie sehen Affenpocken aus? Was sind die typischen Symptome? Nach etwa fünf bis 21 Tagen Inkubationszeit zeigen sich erste Symptome wie Fieber und Muskelschmerzen, gefolgt von den typischen Hautveränderungen der Pusteln – wie die eines Patienten aus dem Jahr 1997, hier im Bild zu sehen. Die Symptome zeigen sich vorrangig an Handinnenflächen, Gesicht und Fußsohlen, aber auch im Mund und an den Genitalien. © picture alliance/dpa/CDC/Brian W.J. Mahy
Affenpocken ähneln den sekretgefüllten Bläschen von Windpocken.
Affenpocken ähneln stark den sekretgefüllten Bläschen von Windpocken. Bevor es zu den Bläschen kommt, bilden sich zunächst Knoten in der Haut. © Institute of Tropical Medicine, Antwerp/dpa
Laut dem RKI wurden inzwischen aus acht Bundesländern Fälle von Affenpocken gemeldet (Stand 3.6.2022). Das Foto zeigt Hautläsionen bei Patienten, bei denen das Virus nachgewiesen wurden.
Laut dem RKI wurden inzwischen aus über acht deutschen Bundesländern Fälle von Affenpocken mit den typischen Hautläsionen, siehe Abbildung, gemeldet (Stand 3.6.2022). Ein Grund, warum die Ständige Impfkommission (STIKO) sich nun offiziell für eine Impfung bei Risikogruppen ab 18 Jahren ausspricht. In der EU ist seit 2013 ein Pocken-Impfstoff zugelassen („Imvanex“). © UKHSA/dpa
Die Pressekonferenz zum aktuellen Stand der Affenpocken-Epidemie fand am 24. Mai 2022 im Rahmen des 126. Deutschen Ärztetags in Bremen statt.
Die Deutsche Bundesregierung hat den Impfstoff „Imvanex“ von Bavarian Nordic bereits bestellt. Nach Aussagen von Bundesgesundheitsminister Dr. Karl Lauterbach (59, SPD) – auf dem Foto zu sehen mit Prof. Dr. Dr. hc mult. Lothar H. Wieler (61), Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), auf einer Pressekonferenz zum aktuellen Stand der Affenpocken-Epidemie – könnten noch im Juni rund 40.000 Impfdosen und weitere 200.000 im Verlauf des zweiten Halbjahres geliefert werden. © Chris Emil Janssen/Imago

30 verschiedene Erreger und Viren könnten eine Pandemie auslösen

Erstmals werden laut der Pharmazeutischen Zeitung in der aktuellen Liste nicht einzelne Erreger, sondern ganze Virusfamilien aufgeführt. Zusätzlich zu Ebola- und Zika-Viren befinden sich unter den Viren nun zwei Gruppen von Coronaviren nämlich Sarbecoviren mit SARS-CoV-2 und Merbecoviren mit dem Erreger des Middle East Respiratory Syndrome (MERS), wie Nature berichtet. Neu hinzugekommen sind das Mpox-Virus und das verwandte Pockenvirus Orthopoxvirus variola. Zu den Influenza(A)-Subtypen zählen die Varianten H1, H2, H3, H5, H6, H7 und H10. Als möglich gefährlich und pandemieauslösend schätzen die Experten zudem das Vogelgrippevirus H5N1, das Dengue- und Chikungunya-Virus ein. Folgende Bakterienarten stehen ebenfalls neu auf der Liste:

  • der Cholera-Errerger Vibrio cholerae
  • der Pesterreger Yersinia pestis
  • Shigella dysenteriae Serotyp 1
  • Salmonella enterica non typhoidal serovars und
  • Klebsiella pneumoniae

Die Bakterienstämme können laut der WHO für Cholera, Pest, Durchfallerkrankungen und Lungenentzündungen verantwortlich sein. Diese Bakterienarten gelten außerdem nicht nur als Pandemiekandidaten, sondern zählen auch zu den bakteriellen Erregern für die aufgrund möglicher Resistenzen am Dringendsten neue, wirksame Antibiotika entwickelt werden sollten.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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