Mogelpackung

Firma Intersnack „für seine zuckrige Kinder-Werbelüge“ abgestraft – Schmähpreis für beliebtes Produkt

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Die Organisation foodwatch vergibt jährlich den Schmähpreis „Goldener Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge. In diesem Jahr wird ein Produkt von Intersnack gekürt.

Kassel – Mit der Angabe „50 Prozent weniger Fett“ greift man als Kunde womöglich beruhigter zur Chipstüte. Doch den gesünderen Eindruck, den das Produkt von „Pom-Bär Ofen-Minis“ mit dieser Aufschrift erwecken will, täuscht über ein anderes Detail hinweg, das klein in der Nährwerttabelle zu finden ist.

Das Produkt hat nämlich 600 Prozent mehr Zucker als herkömmliche Pom-Bär-Chips. Für diese Werbelüge wurde das Unternehmen Intersnack Deutschland nun mit dem Negativpreis „Goldener Windbeutel“ der Verbraucherschutzorganisation foodwatch ausgezeichnet. „Die Verbraucher:innen strafen Intersnack für seine zuckrige Kinder-Werbelüge ab“, so Rauna Bindewald, Wahlleiterin des Goldenen Windbeutels.

Etikettenschwindel und Mogelpackungen: Die Organisation foodwatch kürt jährlich die dreisteste Werbelüge.

Weniger Fett, aber mehr Zucker: „Pom-Bär Ofen-Minis“ für dreisteste Werbelüge gekürt

Foodwatch ließ fünf Lebensmittel um den „Goldenen Windbeutel“ ins Rennen, über die online abgestimmt werden konnte. Mehr als 50.000 Menschen gaben ihre Stimme ab – davon rund 28 Prozent für die „Pom-Bär Ofen-Minis“, schreibt foodwatch in einer Pressemitteilung. In den Sorten „Paprika“ und „Sour Cream Style“ stecken je nach Sorte dreizehn oder zwölf Gramm Zucker pro hundert Gramm.

Mehr als 50 000 Menschen stimmten bei dem Wettbewerb des „Goldenen Windbeutels“ der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch für ein Produkt ab.

Zum Vergleich: Die Original-Pom-Bären enthalten nur 2,2 Gramm Zucker. Nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation dürfe das Produkt aufgrund des hohen Zucker- und Salzgehaltes nicht an Kinder beworben werden.

„Goldener Windbeutel“: Pom-Bär setzt sich gegen YFood und Philadelphia durch

Neben „Pom-Bär Ofen-Minis“ standen bei der Stimmabgabe noch vier weitere Produkte zur Auswahl, die mit falschen Versprechungen die Verbraucher täuschen. Auf Platz zwei hat es der Milchdrink „Smooth Vanilla“ von Yfood geschafft. Beworben wird das Produkt als vollwertig und gesund, enthält aber laut Foodwatch lediglich Milch mit Wasser, mit ein paar zugesetzten Vitaminen, Mineralien und Süßstoff. Das vermeintliche Superfood-Getränk wird zu einem überteuerten Preis von 3,99 Euro verkauft.

  • Die Gewinner des „Goldenen Windbeutels“ 2023
  • 1. Platz: Pom-Bär Ofen-Minis von Intersnack
  • 2. Platz: Milchdrink Smooth Vanilla von Yfood
  • 3. Platz: Porridge von 3 Bears
  • 4. Platz: Philadelphia mit Ziegenkäse und Rosmarin von Mondelez
  • 5. Platz: Tuc Bake Rolls von Mondelez

Auch der Porridge von der Marke 3 Bears kostet knapp vier Euro bei 400 Gramm Inhalt – und dieser besteht aus reinen Haferflocken, die normalerweise viel günstiger sind. Er landet auf Platz drei. Zwei Produkte von Mondelez belegen Platz vier und fünf, darunter Philadelphia mit Ziegenkäse und Rosmarin, mit einem Ziegenkäseanteil von gerade mal drei Prozent. Die Brotchips des Herstellers“ Bake Rolls“ werden nun unter der Marke Tuc verkauft, was zu einer versteckten Preiserhöhung von 139 Prozent führte.

Kampf gegen Etikettenschwindel: Intersnack reagiert mit absurder Argumentation

Dass „Pom-Bär Ofen-Minis“ deutlich mehr Zucker enthalten, als die Original Pombären begründet das Unternehmen Intersnack gegenüber Spiegel.de damit, dass es sich um unterschiedliche Herstellungsprozesse handele. Den Vorwurf, dass in erster Linie Kinder mit diesem ungesunden Snack angesprochen werden, weist das Unternehmen von sich und gibt an, Familien und Eltern anzusprechen. Foodwatch kritisiert, dass bei Familien, Kinder mit eingeschlossen seien.

Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch fordert verbesserte Kennzeichnungsregeln für Lebensmittel und setzt sich gegen Verbrauchertäuschung und Etikettenschwindel ein. Seit 2009 verleiht foodwatch den „Goldenen Windbeutel“. (eike)

Rubriklistenbild: © imago/Symbolbild

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