Wettervorhersage

Wetter-Apps irren sich ständig – doch dafür gibt es gute Gründe

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Millionen Deutsche informieren sich täglich über ihre Wetter-App. Warum die Prognosen trotz modernster Technik oft daneben liegen.

Kurz vor dem Verlassen der Wohnung noch schnell einen Blick aufs Handy: Brauche ich heute eine Jacke? Reicht das T-Shirt? Oder sollte doch lieber der Regenschirm mit? Die Wetter-App entscheidet längst über unsere tägliche Garderobe. Millionen Deutsche vertrauen den bunten Symbolen und Zahlen auf ihren Bildschirmen, oft mit gemischten Erfahrungen.

Das tägliche Ritual: Ein Blick aufs Handy entscheidet über Jacke oder T-Shirt. Doch Wetter-Apps sind weniger zuverlässig, als ihre detaillierten Prognosen vermuten lassen.

Doch wer kennt es nicht: Die App verspricht strahlenden Sonnenschein, draußen prasselt der Regen. Oder umgekehrt – obwohl Schauer angekündigt waren, die dann ausbleiben, schleppt man den Regenschirm mit. Trotz modernster Satellitentechnik und Supercomputern scheinen Wetter-Apps ihre Nutzer regelmäßig im Stich zu lassen. Doch das hat durchaus nachvollziehbare Gründe.

Mikroklima macht Prognosen ungenau

Selbst präzise Wettermodelle stoßen an ihre Grenzen, wenn lokale Besonderheiten ins Spiel kommen. In Städten, Gebirgen oder Küstenregionen können die Temperaturen erheblich von den App-Angaben abweichen. Ein Asphaltparkplatz heizt sich an Sommertagen deutlich stärker auf als die benachbarte Wiese.

Diese kleinräumigen Klimaunterschiede lassen sich kaum vorhersagen. Während die App 25 Grad anzeigt, können es in der Innenstadt durchaus 28 Grad sein. Umgekehrt bleibt es im schattigen Park oft kühler als prognostiziert – ein Grund, warum Städte bewusst Grünflächen schaffen. Insbesondere im Winter haben Wetter-Apps ein schwerwiegendes Problem.

Hagel-Chaos, Überflutungen, Autobahn-Crashs: Die Unwetter-Bilder aus Deutschland

Gewitter in Thüringen
Am Sonntagnachmittag zog ein starkes Gewitter mit heftigem Starkregen und auffälliger Rotation in der Gewitterwolke über Kranichfeld im Weimarer Land hinweg. Innerhalb kürzester Zeit fielen enorme Niederschlagsmengen – örtlich stand das Wasser bis zu 30 Zentimeter hoch in den Straßen und Gärten. Die Feuerwehr musste mehrfach ausrücken, um vollgelaufene Keller leerzupumpen. © SaschaxFromm /Imago
Unwetter in Bayern - Aquaplaning Unfall
Ein verunfallter BMW steht auf der A7 in Fahrtrichtung Norden bei Memmingen. Zuvor war das Fahrzeug bei starkem Regen ins Schleudern geraten. © Jason Tschepljakow/dpa
Unwetter in Bayern
Dichte, dunkle Gewitterwolken haben sich am Himmel über dem bayerisch-schwäbischen Landkreis Neu-Ulm zusammengezogen und kündigen Unwetter an. © Alexander Wolf/dpa
Unwetter bis in die Nachtstunden
Auch in der Nacht ließ das Wetter keine Ruhe einkehren: Immer wieder zogen schwere Gewitter über den Erzgebirgskreis hinweg. In den späten Abend- und Nachtstunden erreichte eine weitere Gewitterlinie die Region und brachte erneut heftigen Starkregen mit sich. Bereits zuvor hatten Gewitterfronten am Nachmittag für Überschwemmungen und überflutete Straßen gesorgt. Die Einsatzkräfte waren rund um die Uhr gefordert. © Bernd März/Imago
Hagen im Erzgerbirge
Im Erzgebirge entlud sich eine sogenannte Superzelle – ein besonders intensives, rotierendes Gewitter – mit sintflutartigem Regen und großkörnigem Hagel. © IMAGO/Bernd Marz
Katastrophale Unwetter im Erzgebirge
Die starken Niederschläge verwendeten die Straßen im Erzgebirge innerhalb kürzester Zeit in reißende Bäche. © IMAGO/Bernd März
Katastrophale Unwetter sind in den Nachmittagsstunden über das Erzgebirge hinweg gezogen
Katastrophale Unwetter haben am Nachmittag das Erzgebirge heimgesucht. Eine sogenannte Superzelle brachte im Raum Schwarzenberg und Breitenbrunn enorme Regenmengen und dichten Hagel. Die Folgen: großflächige Überschwemmungen und meterhohe Hagelansammlungen. © Bernd März/Imago
Unwetter in Sachsen
Eine teilweise überflutete Straße im sächsischen Hammerunterwiesenthal: Heftige Gewitter haben am Sonntag (15.06.2025) die erste Hitzewelle im Erzgebirge beendet. Ab etwa 14 Uhr entwickelten sich insbesondere rund um die Kammlagen unwetterartige Gewitter. Starke Regenfälle führten zu überfluteten Straßen und angeschwollenen Bächen. © André März/dpa
Scheune brennt: Polizei vermutet Blitzschlag als Ursache
Feuerwehrkräfte kämpfen gegen die Flammen in Keltern. Vermutlich hatte ein Blitzeinschlag während eines Unwetters einen Brand auf einem Pferdehof ausgelöst. © Igor Myroshnichenko/dpa
Unwetter in Baden-Württemberg
Hagelkörner prasseln auf die Straße. Während der Samstag vielerorts sonnig begann, bildeten sich ab dem frühen Nachmittag im Westen, Nordwesten und über dem südwestdeutschen Bergland teils kräftige Gewitter. Auch am Sonntag ist keine Wetterberuhigung in Sicht. © Simon Zeiher/dpa
Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Ein Auto wird von mehreren Personen durch eine überflutete Straße geschoben. Ein heftiges Unwetter hatte am frühen Samstagabend große Teile des Kreises Paderborn lahmgelegt. © Marc Gruber/dpa
Blitze in den Bergen
Auch in den Alpen kam es zu Unwettern, in den Bergen wechselt das Wetter schnell – das kann für Wanderer gefährlich werden. (Symbolbild) © Raffael Herrmann/IMAGO/Zoonar.com

Regenradar schlägt Langzeitprognose

Wer morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit will, sollte nicht auf die Wochenübersicht schauen. Diese wird nur wenige Male täglich aktualisiert und kann bei wechselhaftem Wetter bereits sechs Stunden alt sein. Für spontane Entscheidungen ist sie daher unbrauchbar. Das Niederschlagsradar hingegen nutzt aktuelle Daten von Radarstationen und wird alle fünf Minuten erneuert. Hier lässt sich ablesen, ob sich eine Regenfront nähert oder das Gewitter bereits abzieht. Allerdings funktioniert diese Methode nur für die nächsten zwei Stunden – danach wird wieder die klassische Vorhersage wichtig.

Genauigkeit von Wetterprognosen

24 Stunden: 90 % Trefferquote
3 Tage: 75 % Genauigkeit
7 Tage: unter 60 % verlässlich
14 Tage: praktisch Glücksspiel
Vor 30 Jahren: nur 70 % für einen Tag

20 Prozent Regenwahrscheinlichkeit bedeutet nicht, dass es nur kurz oder schwach regnet. Die Zahl besagt lediglich: An zwei von zehn Tagen mit ähnlicher Wetterlage hat es in der Vergangenheit geregnet. Statistik eben, keine Intensitätsangabe.
Auch 100 Prozent heißt nicht, dass es den ganzen Tag schüttet – nur dass irgendwann Niederschlag fällt. Bei 20 Prozent kann der Schirm zu Hause bleiben, bei 100 Prozent sollte er definitiv mit. Wie schon Mark Twain wusste: Traue nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast.

Verschiedene Modelle, verschiedene Ergebnisse

Früher zeigten Wetter-Apps oft völlig unterschiedliche Werte, weil sie verschiedene Wettermodelle nutzten. Heute verwenden die meisten deutschen Apps die gleichen europäischen Daten, weshalb die Unterschiede geringer geworden sind. Manche Apps kombinieren sogar mehrere Modelle für bessere Ergebnisse. Es gibt aber eine Funktion in Wetter-Apps, der man generell nicht trauen sollte.

Das kostenlose amerikanische GFS-Modell arbeitet mit groben 28-mal-28-Kilometer-Rastern. Wird Regen für „München“ vorhergesagt, kann es irgendwo im Großraum tröpfeln – aber nicht zwangsläufig in Schwabing. Präzisere Modelle wie das deutsche ICON-D2 nutzen 2-mal-2-Kilometer-Raster und sind entsprechend genauer.

Apples Wetter-App nutzt seit iOS 16 zuverlässige europäische Datenquellen statt amerikanischer Anbieter. In Deutschland kommen Daten vom European Centre for Medium-Range Weather Forecasts und dem Deutschen Wetterdienst zum Einsatz. Das verbesserte die Qualität erheblich. Dennoch erhalten US-Nutzer mehr Features: Stündliche Niederschlagsprognosen und Push-Benachrichtigungen bei Regen gibt es nur in wenigen Ländern. Deutsche Nutzer müssen auf spezialisierte Apps wie Warnwetter oder Pflotsh ausweichen, um ähnliche Funktionen zu erhalten.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/Imago

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