VonJana Stäbenerschließen
Eine junge Berlinerin wollte ihr Mobiltelefon verkaufen. Bei Paypal unterlief ihr jedoch ein Fehler – sie fiel einer „wirren Betrugsmasche“ zum Opfer.
Im September entschied sich Soraya*, eine Berliner Yogalehrerin und Influencerin, ihr gebrauchtes Smartphone zu verkaufen. Kurz darauf war sie nicht nur ihr Handy los, ohne dafür einen Cent erhalten zu haben, sondern wurde auch noch beschuldigt, eine Betrügerin zu sein.
Sie habe ihr Smartphone für 950 Euro auf einer Onlineverkaufsplattform eingestellt. Bald darauf soll sich ein potenzieller Käufer gemeldet haben, den wir Sebastian nennen. Er habe ihr eine Lieferadresse gegeben und versichert, dass sein „Onkel“ den Betrag via Paypal überweisen würde. Tatsächlich erhielt Soraya eine Zahlung von einem Mann namens Gerd (Name geändert). Sie habe angenommen, dass dies der besagte „Onkel“ war und habe das Handy an die von Sebastian angegebene Adresse geschickt.
Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte: Sebastian hatte parallel eine Anzeige für ihr Smartphone geschaltet, auf die Gerd stieß. Um das Smartphone zu erwerben, sollte Gerd das Geld per Paypal nicht an Sebastian, sondern an dessen vermeintliche „Partnerin“ Soraya überweisen.
Da Soraya das Smartphone jedoch nicht an die bei Paypal hinterlegte Adresse von Gerd, sondern an die von Sebastian angegebene Adresse schickte, erhielt Gerd das Handy nie. Er forderte sein Geld über den Paypal-Käuferschutz zurück und bekam Recht. Soraya wirkt auf einmal wie eine Betrügerin, obwohl sie selbst ohne Smartphone und Geld da steht.
Beunruhigende Nachricht von Paypal: „Wie in einer verkehrten Welt“
Sie bemerkte, dass etwas nicht stimmte, als Gerd einen Käuferschutz-Fall bei Paypal eröffnete und ihr Geld plötzlich gesperrt war. „Er hat mir aufgebrachte Nachrichten geschickt, hat mich als Betrügerin beschuldigt und gedroht, dass er zur Polizei geht“, berichtet sie BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Zunächst habe sie gedacht, Gerd sei ein Betrüger. „Wir haben uns die ganze Zeit gegenseitig beschuldigt. Total wirr. Das hat mich mental so belastet. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch“, erzählt Soraya. Es dauerte anderthalb Tage, bis sie realisierte, dass Sebastian mutmaßlich Gerd ausnutzte und ihr mit der falschen Lieferadresse das Smartphone entwendete. Der Verdacht auf einen „Dreiecksbetrug“ habe sich erhärtet, als sie mit Gerd telefonierte. Sie wandte sich an die Polizei Berlin.
Polizei warnt vor Betrug: Wann Verkäufer bei Paypal vorsichtig sein sollten
„Dreiecksbetrug über größere Onlineverkaufsplattformen ist ein bekanntes Phänomen“, informiert die Polizei Berlin BuzzFeed News Deutschland. Häufiger seien jedoch Fälle, in denen Betrüger Geld für Waren erhalten, die sie nicht selbst verkaufen, sondern ein Dritter. Konkrete Zahlen zu Betrugsmaschen dieser Art gebe es nicht, da der Begriff „Dreiecksbetrug“ nicht als eigenständiges Phänomen erfasst werde.
Beim Dreiecksbetrug bieten Betrüger üblicherweise Waren ungewöhnlich günstig in Fake-Shops an. Sie bestellen das Produkt dann auf Rechnung mit den Daten der Käufer beim tatsächlichen Händler. Für die Kunden sieht also alles erst einmal normal aus: Sie erhalten eine Bestellbestätigung und auch die Ware. Stutzig werden sie oft erst, wenn Mahnungen eintreffen und sie das Produkt plötzlich doppelt bezahlen sollen. Dann ist es meist zu spät, um die Täter aufzuspüren.
Wir haken bei Paypal nach. Der Zahlungsdienstleister möchte ebenfalls keine genauen Zahlen nennen, versichert uns jedoch, dass der Paypal-Verkäuferschutz ausreichend Schutz biete – allerdings nur, wenn „Lieferungen an die in den ‚Transaktionsdetails‘ angegebene Adresse versendet werden.“
Sorayas Fall verdeutliche: „Das Problem besteht darin, dass Betrüger darauf setzen, dass die Verkäuferseite nicht hinreichend darüber informiert ist, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der PayPal-Verkäuferschutz greift“, erklärt eine Sprecherin von Paypal gegenüber BuzzFeed News Deutschland. Wenn der Betrüger beispielsweise vorschlage, die Ware an eine andere Adresse zu versenden, sollte der Verkäufer keinesfalls darauf eingehen. Auch die Polizei rät zur Vorsicht, wenn sich bei Onlinekäufen die „Zahlungsmodalitäten ändern“.
@sorayasworld Betrug FINAL UPDATE - Kann es nicht glauben 🤯 Hier nochmal die Tipps die ich auch von der Polizei bekommen habe, gegen Cyber Crime: ⚠️ genannt wird das ganze Dreiecksbetrug ⚠️ wenn über Paypal verkauft wird: Immer nur an die Adresse senden die bei dem Paypal Kunden hinterlegt ist, sonst kann dir ein Strick darauf gedreht werden ⚠️Jeder Ausweis kann gefälscht sein ⚠️ Sowas nicht auf dir sitzen zu lassen ⚠️ Deine Stimme nutzen, damit es anderen hoffentlich nicht auch passiert ⚠️Sobald irgendwas komisch vorkommt: Abbruch ⚠️ Nach Hilfe fragen ⚠️Dir aufschreiben wie alles genau verlaufen ist, damit du selber immer den Überblick behältst ⚠️Geld kommt und geht, die Mentale Gesundheit ist dabei das wichtigste ⚠️Erstatte Anzeige ⚠️Mach dir selber nicht noch zusätzlich Vorwürfe Vergiss nicht wie stark du bist, aber vor allem wie viel stärker wir gemeinsam sind ❤️🫂 Lass sowas nie auf dir sitzen!!
♬ Originalton - sorayasworld
Berlinerin warnt vor „wirrer“ Betrugsmasche: „Niemand sollte diesen Stress erleben müssen“
„Ich wusste das mit der hinterlegten Adresse bei Paypal einfach nicht“, gesteht Soraya bei BuzzFeed News Deutschland. Dass es vielen anderen ähnlich ergeht, zeigen die Kommentare unter ihren Videos. „Ach krass! Noch nie gehört“, kommentiert eine Person. „Bitte, was?“, fragt eine andere. Viele zeigen Mitgefühl mit Soraya und schreiben: „Das ist ja furchtbar“, „Hätte jedem von uns passieren können“.
Für Soraya zeigt dies, wie wichtig es war, den Vorfall öffentlich zu machen. „Niemand sollte diesen Stress erleben müssen“, betont sie. Letztendlich ging die Sache für sie gut aus. Paypal kontaktierte sie telefonisch und erstattete ihr die 950 Euro – ausnahmsweise.
*Soraya möchte in diesem Artikel nur mit ihrem Vornamen genannt werden. Ihr vollständiger Name ist der Redaktion bekannt.
Rubriklistenbild: © Screenshot Paypal

