Angeklebt mit „30 Prozent Rabatt“

Zettel mit Herzchen an Self-Checkout-Kasse lässt tief in Seele der Kunden blicken: „Ghetto-Netto“

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Die Kassen zur Selbstbedienung sind für viele Kunden eine tolle Neuerung. Doch immer wieder müssen Supermärkte und Discounter knallhart durchgreifen.

Kassel – Was wirklich einer der besten Neuerungen der Discounter und Supermärkte der letzten Jahre ist, sind die Self-Checkout-Kassen (oder Selbstbedienungskassen/SB-Kassen). Für viele Kunden eine große Erleichterung. Wer nicht gerade einen Großeinkauf macht und nur ein paar Dinge besorgt, kann mit dem Einscannen, dem Einpacken und dem Zahlen viel Geld sparen. Das Problem nur: Langfinger werden öfter ermutigt, ungesehen Dinge direkt in der Tasche zu lassen. Genau deswegen hat ein Netto jetzt rigoros durchgegriffen, und das sogar auf liebe Art und Weise.

Herzchen-Zettel bei Self-Checkout-Kassen: „Bleiben geschlossen“

Natürlich gehört zu den Self-Checkout-Kassen auch der ehrliche Kunde. Die Kassen sollen eine Zeitersparnis darstellen und die langen Schlangen an den Kassenbändern reduzieren, sodass auch die Kunden respektvoll mit dem Angebot umgehen sollten. Ein Netto hat viel zu viele negative Erfahrungen gemacht und auf einem Zettel das Aus der Self-Checkout-Kassen verkündet, allerdings mit einem eigentlich dazu gegensätzlichem Herz-Ausrufezeichen.

„Aufgrund des regelmäßigen Stehlens, bleiben die Kassen geschlossen❣️“, steht auf dem Schild, das auf der Plattform Reddit gepostet wurde, mit einem Herzensgruß dazu vom „Netto-Team“. Angeklebt mit Klebestreifen für „30 Prozent Rabatt“. Der Fotograf des Schildes meint nur ironisch: „Dann klau‘ ich halt woanders!“.

Dann klau ich halt woanders!
byu/verlausteratte inaberBitteLaminiert

In der Kommentarspalte lassen sich viele User zu Synonymen hinreißen, die solche Kassen beschreiben: „Nicht die Inflationsausgleichskassen!“, beschreibt die aktuelle Situation in den Supermärkten, dass viele Produkte teurer wurden in den letzten Jahren. Einige spielen auch mit dem Vorurteil, das viele Discounter abzulegen versuchen: „Das ist halt der Ghetto-Netto, wo die Alkis sich Nachschub holen. Klar wird der Einkauf ohne Aufsicht an der SB Kasse interpoliert.“ Für die dort hart arbeitenden Angestellten wird der Spitzname dem nicht gerecht.

Vielen Kundenerfahrungen mit SB-Kassen: „Schon viele gesehen, die deswegen abgebaut sind“

Ein anderer meint, damit auch schon Erfahrung gemacht zu haben. „Schon sehr oft SB Kassen gesehen, die deswegen abgebaut worden sind“. Eine weitere Person beschreibt auch den Umgang des gleichen Anbieters mit unterschiedlichen Lagen innerhalb der Stadt: „Der Laden im sozialen Brennpunkt hat keine SB-Kassen, der Laden im netten Stadtteil mit vorwiegend Einfamilienhäusern hat SB-Kassen. Beide frisch renoviert.“

Wobei auch hier wieder das Prinzip gilt, dass einige wenige den Vorteil vieler ehrlicher Kunden wegnehmen. Der Großteil der Kundschaft, unabhängig des Einkommens, wird wohl ehrlich die Produkte eingescannt und eingepackt haben, doch schon eine negative Erfahrung lässt das Vertrauen an der großen Gruppe schrumpfen. Dass der Netto trotz der Diebstähle noch so scheinbar nette Zettel schreibt, ist auch nicht selbstverständlich, da hatten wir in der Vergangenheit schon andere Beispiele, mit deutlichen schärferen Zetteln und Schildern, wie beispielsweise ein Supermarkt-Zettel mit fünf Ausrufezeichen an einer Kühltheke oder auch ein bizarres Supermarkt-Schild an einem Bier-Regal, welches die Kunden verwirrte. (ank)

Rubriklistenbild: © Screenshot Netto SB Kasse

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