Wartezeit vorm Boarding

TikTok-Trend „Airport Theory“: Kann man in 15 Minuten zum Gate kommen?

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Die „Airport Theory“ sorgt für Aufsehen: Kann man wirklich in nur 15 Minuten vom Flughafen-Eingang zum Gate kommen, oder ist das ein gefährliches Glücksspiel?

Dank moderner Technologien bei Gepäck-Check-In und Sicherheitskontrollen, Online-Check-In, Express-Schlangen und Co. verläuft an vielen Flughäfen weltweit das Prozedere vor dem Boarding zunehmend schnell und entspannt. Dennoch wird vielerorts nach wie vor dazu aufgerufen, schon Stunden vor Abflug zum Flughafen anzureisen. Ein Trend, der auf der Social-Media-Plattform TikTok derzeit viral geht, ruft mit der steilen These, dass 15 Minuten absolut reichen, um rechtzeitig zum Gate zu kommen, zu mehr Optimismus vorm Abflug auf.

Dass das grundsätzlich funktionieren kann, haben in den vergangenen Wochen und Monaten etliche bekannte und weniger bekannte Influencer in vielen Winkeln der Welt mit Videos belegt. Inspiriert von der sogenannten „Airport Theory“ haben sich sogar Flughäfen wie der Kingsford Smith International Airport in Sydney mit Marketing-Aktionen zu Wort gemeldet und laut einem Bericht des Online-Portals Watson zumindest angekündigt, dass das mit den 15 Minuten zumindest nach einigen geplanten Modernisierungsarbeiten auch flughafenseitig zum Standard werden soll. Der Tenor bei Fachleuten ist allerdings, dass man mit dem gewagten Experiment sein Glück unnötig auf die Probe stellt.

Virale „Airport Theory“ auf Tik-Tok: 15-Minuten-Trend bringt Vorteile und Risiken

Dabei liegen die Vorteile des Experiments klar auf der Hand, wenn man das mit der schnellen Abfertigung einmal selbst erlebt hat. Gutes Beispiel sind große europäische Flughäfen wie Frankfurt, an denen abhängig von Airline und Terminal viele Schritte inzwischen automatisiert vonstattengehen. Den Check-In haken Passagiere hier wie vielerorts üblich bereits am Vortag ab und tragen ihre Bordkarte damit von Beginn an in digitaler Form bei sich. Der dafür generierte QR-Code reicht aus, um etwa als Lufthansa-Passagier an den automatisierten Selbstbedienungsterminals einen Kofferanhänger auszudrucken und den damit versehenen Koffer an über einem Dutzend automatisierter Stationen mit einem zweiten Scan abzugeben. Mit freien Händen ist man so binnen weniger Minuten an der ebenfalls automatisierten Zugangskontrolle vor der Sicherheitskontrolle.

Beim riskanten Test, binnen weniger Minuten vom Flughafen-Eingang am Gate zu sein, kann etliches schiefgehen. (Symbolfoto)

Hier sorgen, zumindest an einigen Stationen der Security, moderne Maschinen dafür, dass man weder Flüssigkeiten noch Geräte aus dem Handgepäck auspacken muss und im Bestfall sogar ohne Piepsen, Abtasten oder Schuhe ausziehen weiter in den Duty-Free-Bereich kommt. Wer den links liegen lässt und direkt den nächsten Bildschirm mit der Gate-Anzeige sucht, erreicht mit etwas Glück beim Gate und Wegfall der Passkontrolle auf innereuropäischen Flügen wirklich in weniger als 15 Minuten sein Gate. Mit Passkontrolle dauert es dank Warteschlangen vor den ebenfalls automatisierten Bereichen vielleicht ein bisschen länger, doch meistens ist auch dieser Schritt eine Sache von Sekunden oder allenfalls Minuten.

Riskanter Trend: Moderne Technik am Flughafen erlaubt Boarding in wenigen Minuten

Guter Grund also, der „Airport Theory“, die laut einem Bericht von Forbes auch seit Monaten in Google-Suchen als Trend gilt, zumindest ein Mindestmaß an Vertrauen zu schenken. Bei Fachleuten von Flughäfen und Airlines dagegen, gilt die Sache dennoch als ausgesprochen riskant. Auch Social-Media-Kommentare und Selbsttests bringen die Sache gut auf den Punkt, wenn es darin heißt, dass das mutige Experiment genau so lang funktioniert, bis es mal nicht funktioniert.

Die zehn spektakulärsten Flughäfen weltweit: Ist Ihr Reiseziel darunter?

Es ist der Flughafen auf Madeira zu sehen.
Der nach dem Fußballspieler benannte Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo auf der portugiesischen Insel ist technisch gesehen ein Meisterwerk. Er zählt jedoch auch zu den gefährlichsten Flughäfen in Europa. Nur geschulte Piloten können auf dem Flughafen landen, der zu drei Seiten vom atlantischen Ozean umgeben ist. Um die Landung einfacher zu machen, wurde die Bahn im Jahr 2000 durch ein aufwendiges Stützbauwerk verlängert.  © Panthermedia/Imago
Flugzeug auf sandiger Landebahn Flughafen Isle of Barra.
Der Flughafen auf der schottischen Insel Barra ist zwar nur sehr klein und eher unscheinbar. Da die Flugzeuge hier allerdings auf dem Strand starten und landen, ist er etwas ganz besonderes. Die Flut setzt die Landebahn immer wieder unter Wasser, deshalb ist das Starten und Landen nur bei Ebbe möglich. Bereits seit 1936 können Reisende von dem schottischen Strandabschnitt aus verreisen. Jährlich fliegen jedoch nur etwa 10.000 Menschen mit kleinen Maschinen im Linienverkehr von hier aus.  © imagebroker/Imago
Es ist das Flughafen-Terminal in Doha, Katar zu sehen.
Der Hamad International Airport Doha in Katar ist ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg nach Asien. Luxuriöse Geschäfte, gehobene Restaurants und ein künstlich angelegter Garten zeichnen den Flughafen, der als der modernste und luxuriöseste Flughafen weltweit gilt, aus. Neben der Architektonik ist auch die Lage des Flughafens einzigartig. Der Hamad International Airport wurde auf einer künstlich erweiterten Halbinsel angelegt.  © YAY Images/Imago
Ein Airbus A320 auf dem Flughafen Gibraltar.
Gibraltar ist gerade einmal 6,5 Quadratkilomerer groß. Flugreisende staunen daher nicht schlecht, wenn sie in das britische Staatsgebiet südlich von Spanien per Flugzeug einreisen. Bei Landung auf der nicht mal 2.000 Meter langen Flugpiste kreuzen die Flugzeuge die Winston Churchill Avenue. Die einzige Straßenverbindung mit Spanien wird ähnlich wie ein Bahnübergang bei jedem Start und bei jeder Landung gesperrt.  © CHROMORANGE/Imago
Es ist der Princess Juliana International Airport im karibischen Sint Maarten zu sehen.
Der Princess Juliana International Airport im karibischen Sint Maarten bietet Urlaubern eine eindrucksvolle Ankunft. Immerhin fliegen die Flugzeuge in Höhen von gerade einmal zehn bis 20 Metern über den Köpfen der Badegäste hinweg. Neben kleinen Maschinen starten und landen auf dem niederländischen Teil der Insel Sint Maarten in der Karibik auch Großraumflugzeuge von Airlines wie KLM oder Air France.  © YAY Images/Imago
Es ist der Changi Airport in Singapur zu sehen.
Wer schon einmal nach Asien gereist ist, hat sehr wahrscheinlich einen Zwischenstopp im bekannten Changi Airport in Singapur gemacht. Als einer der größten Flughäfen Asiens ist er das wichtigste Drehkreuz zwischen Europa und Südostasien. Doch der Airport zählt auch zu den schönsten und luxuriösesten Airports der Welt. Zahlreiche Attraktionen, Freizeitmöglichkeiten wie Kinos und ein Swimmingpool sowie ein 24 Stunden geöffnetes Shopping-Center bieten Touristen einiges an Abwechslung.  © imagebroker/Imago
Es ist der Tenzing Hillary Airport in Nepal zu sehen.
Der Tenzing Hillary Airport Lukla in Nepal liegt auf einer Höhe von 3.000 Metern. Die kurze Starte- und Landebahn von 527 Metern macht ihn zu den gefährlichsten Flughäfen weltweit. Zumal diese zwischen massiven Bergen und einem steilen Abgrund gelegen ist. Flüge sind zudem nur zu bestimmten Uhrzeiten unterwegs, da häufig ab mittags starke Winde und Nebel aufkommen. Obwohl die widrigen Wetterbedingungen immer wieder zu Unfällen führen, wird der Flughafen in Lukla weiterhin angeflogen. Als Startpunkt sparen sich Mount-Everest-Wanderer einen einwöchigen Fußweg durch unwegsames Gebirge.  © Wirestock/Imago
Es ist der Altiport de Courchevel in Frankreich zu sehen.
Auf dem Flugplatz des Altiport de Courchevel in Frankreich landen Flugzeuge mitten im französischen Skigebiet. Nur Kleinflugzeuge und Hubschrauber können den auf 2.007 Metern gelegenen Flughafen anfliegen. Aus diesem Grund wird der Flughafen auch Altiport genannt. Der Name beschreibt einen hochgelegenen Flugplatz, der auf die speziellen Anforderungen in hochgelegenen Bergen ausgelegt ist. Mit 538 Metern und einer Steigung von 19 Prozent ist die Start- und Landebahn zudem sehr kurz und steil.  © Dreamstime/Imago
Terminal des neuen Flughafen Beijing Daxing New International Airport in China.
Der Bejing New International Airport in China ist eines der wichtigsten Drehkreuze in Asien – wegen seiner Form auch bekannt als „Seestern“. Er zählt zu den größten Flughäfen weltweit und soll das größte Flughafen-Terminal besitzen. Pro Jahr sollen dort rund 100 Millionen Menschen abgefertigt werden. © CHROMORANGE/Imago
Es ist der Wellington International Airport in Neuseeland zu sehen.
Der Airport Wellington in Neuseeland beeindruckt nicht durch seine besondere Lage. Lockt allerdings so manchen Fan der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ an. Grund dafür sind die im Flughafen ausgestellten riesigen Figuren aus den Filmen. Im Terminal sind neben Hauptfiguren wie Gandalf und Gollum auch andere Fabelwesen zu sehen. Wellington ist die Heimatstadt des Regisseurs Peter Jackson, der auch die Filme hier drehte.  © Dreamstime/Imago

Denn Fallstricke gibt es unterwegs so einige, angefangen von unerwartetem Besucheransturm vor Gepäckabgabe oder Sicherheits-Check bis hin zum Ausfall wichtiger Technik oder Personalmangel, die zu längeren Wartezeiten führen. Auch bei der Sicherheitskontrolle herausgewunkenes Gepäck, das aufgrund vergessener Wasserflaschen, anderer nicht ordnungsgemäß verpackter Flüssigkeiten oder Irregularitäten auf den Computerbildern eigens überprüft werden muss, kann zu Problemen oder Verzögerungen führen. Der Flieger kann so selbst bei maximalem Entgegenkommen durch Airport-Bedienstete und nette Mit-Passagiere mit mehr Zeitpuffer durchaus weg sein – und ein Umbuchen der Flugverbindung wird im Fall von Eigenverschulden im Normalfall sehr teuer.

Statt langer Wartezeit vorm Abflug: „Airport Theory“ soll für Passagiere Zeit sparen

Generell gilt deshalb: Auch wegen der Möglichkeit von Stau oder verspäteten Bahnen unterwegs zum Flughafen, gilt die Zwei-Stunden-Regel, die vielerorts von Flughäfen kommuniziert wird, tendenziell als sicheres Zeitfenster, um allen Eventualitäten zu trotzen. Damit spart man zwar keine Zeit, hat im Bestfall auch noch ausreichend Luft, um im Duty-Free-Bereich zu shoppen oder sich ein nettes Plätzchen mit Steckdose zum Arbeiten zu suchen, nachdem man sich einen Kaffeeautomaten gesucht oder hinter der Security noch schnell, vielerorts kostenlos, seine Wasserflasche aufgefüllt hat.

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Denn was viele bei der 15-Minuten „Airport Theory“ außer Acht lassen, ist, dass gerade die großen Flughäfen mit modernster Technik häufig lange Laufwege haben, die dank Gate-Wechseln oder anderen ungeplanten Änderungen häufig ausgereizt werden können. Und um nicht rennen zu müssen und schon maximal gestresst im Flieger – im Bestfall Richtung Urlaub – zu sitzen, ist ein bisschen Zeitpuffer doch wirklich das kleinere Übel.

Rubriklistenbild: © Zhang Fan/Imago

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