Kreta, Korfu und Rhodos bald nicht mehr die Nummer eins? Griechenland-Urlauber scheinen Favoriten zu ändern
VonFranziska Kaindl
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Griechenland ist stets ein Top-Reiseziel für Deutsche. Es deutet jedoch alles darauf hin, dass sich die bevorzugten Destinationen innerhalb des Landes wandeln.
Wer an Griechenland-Urlaub denkt, hat in der Regel Insel-Klassiker von Rhodos über Korfu bis hin zu Kreta im Kopf. Die traditionellen Urlaubsorte sind jedoch oft überlaufen. Wie Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat in diesem Jahr zeigten, kamen im Durchschnitt 110 Übernachtungen auf einen einzigen Einwohner in der südlichen Ägäis. Das geht offenbar auch an den Touristen nicht spurlos vorbei. Der aktuelle Bericht „Emerging Destinations in Greece 2024“ des Reiseinformationsanbieters Mabrian in Zusammenarbeit mit der Tourismus-Marketing-Agentur Mindhaus zeigt, dass sich das Interesse der Reisenden zunehmend verschiebt und weniger bekannte Destinationen den Zuschlag bekommen.
Griechenland-Urlauber weichen zunehmend auf Alternativen aus
Nach Angaben der Bank of Greece macht der Reiseverkehr 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Griechenland aus und sichert 800.000 Arbeitsplätze. Im vergangenen Jahr sah sich das Land zudem mit wachsenden Touristenzahlen konfrontiert. Über 36 Millionen Menschen besuchten das Land, was einem Anstieg von 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Und obwohl Griechenland als Urlaubsziel im Fokus der Touristen bleibt, „suchen die Reisenden zunehmend nach Orten mit weniger Menschenmassen, kühlem Wetter und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Theofilos Kyratsoulis, General Manager bei Mindhaus. Insbesondere die Nordägäischen Inseln wie Lesbos, Chios und Samos sowie Festland-Regionen wie die Peloponnes und Ost-Makedonien und Thrakien gewinnen dem Report zufolge an Beliebtheit. Lesbos und Chios verzeichneten beispielsweise Zuwächse von 78,8 Prozent beziehungsweise 65,2 Prozent bei den Besucherzahlen.
Die aufstrebenden Reiseziele* in Griechenland:
Lesbos: +78,8 Prozent
Chios: + 65,2 Prozent
Thrakien: + 62,8 Prozent
Samos: + 51,7 Prozent
Thasos: 26,4 Prozent
Skopelos: + 26,3 Prozent
Skiathos: + 25,5 Prozent
Ägina: + 23 Prozent
Kos: + 20,9 Prozent
Zakynthos: + 18,5 Prozent
Quelle: Mabrian Travel Intelligence via Booking; *Steigerung der Übernachtungszahlen 2022 auf 2023
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Neue Griechenland-Favoriten? Warum sich das Blatt wendet
Der Aufstieg dieser bisher eher unbekannten Inseln und Regionen auf dem Festland hat laut dem Bericht auch mit einem Wandel bei der Reisemotivation zu tun. Eine zunehmende Zahl der Griechenland-Urlauber würde nach aktiven Erlebnissen im Urlaub suchen, anstatt nur am Strand liegen oder die kulturellen Stätten erkunden zu wollen. 2023 gaben 21,1 Prozent der Besucher einen Aktivurlaub als Reisegrund an (zum Vergleich: 2019 waren es nur 9 Prozent). Somit wird der Aktivtourismus zum Hauptgrund für eine Reise nach Griechenland.
Nicht Rhodos, Kreta oder Korfu: Zehn griechische Inseln, die von Touristen noch nicht überrannt sind
Diese Entwicklung bietet nicht nur neue Erlebnisse für Touristen, sondern auch wirtschaftliche Chancen für die Region: „Die Nachfrage, Orte zu erkunden, die als weniger stark besucht gelten, kann dazu beitragen, die Nachhaltigkeit des Tourismus zu verbessern, indem die Vorteile des Tourismus auf das ganze Land verteilt werden“, sagt Carlos Cendra von Mabrian. Der Reiseinformationsanbieter sieht darin zudem die Gelegenheit für Griechenland, längere Aufenthalte zu fördern und der saisonalen Abhängigkeit zu entkommen. Auch hinsichtlich des Massentourismus, der auf einigen Inseln herrscht, dürfte eine bessere Verteilung der Touristenströme wohl eine Erleichterung für Einheimische und Infrastruktur sein.