VonFranziska Kaindlschließen
Die Deutschen zählen zu den reisefreudigsten Nationen. Nur wie sieht es dabei mit der Nachhaltigkeit aus? Eine aktuelle Umfrage gibt Aufschluss.
Bis zu elf Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen sind laut World Travel and Tourism Council (WTTC) auf den Tourismus zurückzuführen. Trotzdem ist das Reisen etwas, auf das nur wenige Deutsche verzichten wollen – das prognostiziert auch der Deutsche Reiseverband (DRV) für das angelaufene Jahr. Die Urlaubsnachfrage für die Sommermonate sei hoch und die Branche erwartet ein Umsatzwachstum von vier Prozent. Auch bei den Fernreisen – zum Beispiel in die USA, Thailand oder Indonesien – sieht der Verband nach der Corona-Pandemie wieder einen Aufschwung um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahressommer. Dabei gelten Langstreckenflüge als besonders klimaschädlich.
Deutsche Reisende sind offen für mehr Nachhaltigkeit
Dass den deutschen Urlaubern nachhaltiges Reisen aber nicht egal ist, zeigt eine repräsentative Studie unter 1.002 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren im Auftrag des Buchungsportals HolidayCheck. Diese ergab, dass 45 Prozent der Befragten jetzt mehr Wert auf die Nachhaltigkeit bei der Wahl des Reiseorts legen, als noch in den letzten Jahren. Im Hinblick auf Reiseplanung in den nächsten zwölf Monaten sind es insgesamt 58 Prozent, die mehr auf Nachhaltigkeit bzw. Klima- und Umweltschutz am Urlaubsort achten möchten. Lediglich 13 Prozent wollen sich überhaupt nicht mit nachhaltigem Reisen beschäftigen.
Oberste Priorität hat die Nachhaltigkeit bei Reisenden aber immer noch nicht. Wichtiger ist deutschen Urlaubern die Sicherheit vor Naturkatastrophen (90 Prozent) und vor extremen Wetterereignissen (79 Prozent). Die zahlreichen Waldbrände, Erdbeben und Hitze-Alarme in beliebten Urlaubsländern wie Griechenland und Italien in vergangener Zeit scheinen den Reisenden im Gedächtnis geblieben zu sein – mehr als die Hälfte möchte Reisegebiete meiden, die in den letzten Jahren von extremen Wetterereignissen betroffen waren. Auch eine intakte Natur spielt bei der Reiseplanung eine große Rolle (85 Prozent). Das zeigt sich unter anderem daran, dass es immer mehr Urlauber nach Skandinavien zieht.
Das Thema Nachhaltigkeit beim Reisen scheint dafür vor allem bei den Jüngeren angekommen zu sein: Die Hälfte von ihnen wäre sogar bereit, bis zu 20 Prozent mehr des Gesamtreisepreises auszugeben, wenn es darauf einzahlen würde.
Nachhaltiges Reisen: Zu wenig Wissen vorhanden
Knackpunkt scheint zu sein, dass viele Deutsche sich schlecht über nachhaltiges Reisen informiert fühlen. 24 Prozent der Befragten wissen demnach gar nicht, welche nachhaltigen Reisemöglichkeiten es gibt. Nur knapp 20 Prozent haben davon gehört, dass Unterkünfte und Pauschalreiseanbieter nachhaltige Zertifizierungen anbieten. Und bei der Frage, welche Zertifizierungen und Gütesiegel es in der Reisebranche gibt, tappen rund 61 Prozent der Umfrageteilnehmer im Dunkeln.
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Die Bereitschaft, das Reiseverhalten anzupassen, ist aber offenbar vorhanden. Zwei Drittel würden auf Kreuzfahrten verzichten, um ihren Urlaub nachhaltiger zu gestalten. Mehr als die Hälfte ist außerdem bereit, auf Flugreisen oder längere Autofahrten zu verzichten und alternative Transportmittel zu nutzen. Bei den bereits erwähnten Nachhaltigkeitszertifikaten sowie CO₂-Kompensationszahlungen herrscht jedoch Zurückhaltung – die Befragten haben nicht das Gefühl, durch die Buchung einer nachhaltigen Unterkunft etwas bewegen zu können und beim CO₂-Aufpreis wissen sie nicht, wofür er verwendet wird. HolidayCheck zufolge bedarf es hier noch viel Aufklärungsarbeit durch die Reisebranche.
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Welche Möglichkeiten des nachhaltigen Reisens gibt es?
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace gibt fünf Tipps, wie Urlauber ihre Reise nachhaltiger gestalten können:
- Urlaub in der Heimat: Wer sich eine lange Anfahrt zum Urlaubsort spart, schützt auch die Umwelt. Daher empfiehlt Greenpeace deutschen Touristen, sich in der Bundesrepublik nach Reisemöglichkeiten umzusehen – zum Beispiel an der Ostsee oder in Form einer Radtour. Erfreulicherweise machen Einheimische bereits gerne in Deutschland Urlaub: Das zeigen auch regelmäßige Analysen des Ferienhaus-Anbieters HomeToGo.
- Eine klimafreundliche Anreise wählen: Kurzstreckenflüge sollten laut Greenpeace komplett vermieden werden, da sie sich meistens ganz einfach mit einer Bahnfahrt ersetzen lassen. Beispielhaft rechnet die Organisation eine Bahnfahrt von Hamburg nach Bordeaux und zurück vor: Pro Kopf würde sie einen CO₂-Ausstoß zwischen 0,01 und 0,11 Tonnen je nach Verbindung erzeugen. Bei einem Flug wären es 0,48 Tonnen und bei einer Autofahrt sogar 0,65 Tonnen – vorausgesetzt es befindet sich nur eine Person im Fahrzeug.
- Ökologische Unterkunft: Am nachhaltigsten lässt sich zum Beispiel beim Camping, bei Ferien auf einem Biohof oder beim Couchsurfing unterkommen, wie Greenpeace schreibt. Bei klassischen Hotels und Ferienhäusern gibt es ebenfalls umweltschonende Varianten: Urlauber sollten darauf achten, dass vor Ort Plastik vermieden, auf Mülltrennung geachtet und ein bewusster Umgang mit Wasser und Energie praktiziert wird – zum Beispiel in Form von Ökostrom.
- Nachhaltiges Essen: Wie zu Hause auch können Reisende am Urlaubsort auf regionale Bio- oder Fairtrade-Produkte achten. Die Produkte sollten wenig verarbeitet und saisonal sein.
- Umweltschutz am Reiseort: Wer am Urlaubsziel auf Nachhaltigkeit achten möchte, kann auf öffentliche Verkehrsmittel statt auf Mietwagen setzen. Radtouren, Kanufahrten und Wandern sind ebenfalls umweltfreundlich. Im Hotel sollte bei Strom und Wasser so gut wie möglich gespart werden.
Rubriklistenbild: © Matthias Ledwinka/Imago

