Tausende Euro jeden Tag: Was passiert mit dem Geld in Roms berühmtem Trevi-Brunnen?
VonLaura Hindelang
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Jeden Tag werfen Rom-Besucher Tausende Münzen in den bekannten Trevi-Brunnen. Die Frage, was damit passieren soll, führte einst zu vielen Konflikten.
Vor dem ikonischen Trevi-Brunnen drängen sich – besonders in der Hochsaison – zahlreiche Touristen. Diese wollen bei einer Reise nach Rom nicht nur das barocke Bauwerk bewundern, sondern auch ein paar Münzen hineinwerfen. Dabei ist es wichtig, das Geld mit der rechten Hand über die linke Schulter zu werfen. Der Legende zufolge ist dann sichergestellt, dass man bald in die italienische Hauptstadt zurückkehren wird. Eine zweite Münze soll bewirken, dass man einen sich in einen Einheimischen verliebt, bei einer dritten Münze sollen gar die Hochzeitsglocken läuten.
Mehr als eine Million Euro landen jedes Jahr im Trevi-Brunnen
Erfunden haben soll den Mythos laut einem Bericht des Spiegel der deutsche Archäologe Wolfgang Helbig, der 50 Jahre seines Lebens als Professor und Kunsthändler in Rom verbracht hatte. Jährlich landen so rund 1,4 Millionen Euro im Trevi-Brunnen – das sind im Durchschnitt 4000 Euro, die jeden Tag in unterschiedlichsten Währungen ins Wasser geworfen werden. Darüber, wem diese Summen gehören, entbrannte einst ein langer Streit.
Früher waren die Münzen Allgemeingut, berichtet das Portal Finanzen.net. Jeder durfte also nach Belieben Geld aus dem Brunnen nehmen. Die Stadt versuchte mehrfach, das zu unterbinden und erhob Anklage gegen die Bürger, die sich an den Münzen bereicherten. Meist endeten die Fälle in einem Freispruch. Einige Ausnahmen gab es trotzdem. Roberto Cercelletta, auch bekannt unter dem Spitznamen „D’Artagnan“, wurde öfter dabei erwischt, wie er im Brunnenbecken stand und sich die Taschen mit Münzen vollstopfte, berichtet Travelbook. Einmal soll er 600 Euro eingesteckt haben. Die ihm auferlegte Geldstrafe von 500 Euro soll er nie bezahlt haben.
Geld aus dem Brunnen für wohltätige Zwecke genutzt
Im Jahr 2001 beendete Bürgermeister Francesco Rutelli vorerst den Konflikt. Zu solch einer „romantischen Geste“ sei es passend, Menschen in Not zu helfen. Darum verfügte er laut Spiegel, dass die Einnahmen aus dem Brunnen der Caritas zukommen sollten. Daraufhin wurde offiziell beschlossen, dass das Geld in dem Augenblick der Stadt Rom gehört, in dem es im Brunnenbecken landet – und es anschließend an die Wohltätigkeitsorganisation weitergegeben wird.
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Im Jahr 2017 kam es erneut zu einem Streit um das Geld. Virginia Raggi, Rechtsanwältin, Politikerin der Fünf-Sterne-Bewegung und damalige Bürgermeisterin, setzte sich dafür ein, dass die Stadt das Geld behalten und für nicht näher definierte „soziale Projekte“ ausgeben solle. Protest kam nicht nur von den Einwohnern Roms und der Opposition, sondern laut Spiegel auch von der Kirche. Die Bischöfe kritisieren, dass „die Dienstleistungen der Caritas-Helfer reduziert und manche ganz eingestellt werden müssten“, solle die Entscheidung der Kommune in Kraft treten.
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Die Regierung ruderte zwei Jahre später zurück. Das Geld kommt weiterhin der Caritas zugute. Dazu wird jeden Morgen das Wasser aus dem Brunnen gepumpt und das Geld eingesammelt. Die Münzen werden zusammengekehrt, auf Säcke verteilt und abtransportiert. Wie Travelbook erläutert, wird das inzwischen nicht mehr von Caritas-Helfern, sondern von der städtischen Energie- und Umweltbehörde erledigt. Diese sollen das Geld anschließend auch zählen, um für mehr „Ordnung und Transparenz“ zu sorgen. Für mehr Ordnung – und weniger Diebstahl – sollen auch die Polizisten beitragen, die den Brunnen rund um die Uhr bewachen.