VonLaura Hindelangschließen
Eine Wanderung auf Deutschlands höchsten Berg ist anspruchsvoll. Wetter, Ausrüstung und die eigene Fitness sollten bedacht werden.
In Sneakern und Jogginghose machten sich zwei Urlauber aus den Niederlanden am Dienstag auf den Weg zum Gipfel der Zugspitze. Kaum verwunderlich, dass sie diesen nicht erreichten: „Auf 2.051 Metern Höhe, bei der Knorrhütte, war Schluss für die Flachland-Touristen“, berichtet die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen auf Facebook. Neben der fehlenden Ausrüstung setzte ein plötzlicher Wetterumschwung der Wanderung ein Ende. Niedrige Temperaturen und Schnee sowie „turbulente Windverhältnisse“ haben die Urlauber demnach dazu bewogen, die Retter zu alarmieren. Kein seltener Fall, wie der Deutsche Alpenverein betont: Viele Bergsteiger überschätzen die Anforderungen, die das Erklimmen der Zugspitze mit sich bringt.
Wanderung auf die Zugspitze benötigt ausreichend Vorbereitung
Die Zugspitze liegt elf Kilometer südwestlich von Garmisch-Partenkirchen und knapp sechs Kilometer östlich von Ehrwald und befindet sich damit genau an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Mit einer Höhe von 2.962 Metern ist die Zugspitze der höchste Berg Deutschlands. Mehrere Wanderrouten, die sich in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade einteilen lassen, führen auf den Gipfel. Die Strecken haben eines gemeinsam: Sie sind „lang, technisch mittelschwer bis schwer und hochalpinem Wetter und Gefahren ausgesetzt“, erläutert der Deutsche Alpenverein.
Nur wer trainiert, richtig ausgerüstet und erfahren ist, sollte sich auf den Weg machen. Dabei ist die richtige Vorbereitung entscheidend. Die anspruchsvollen Touren sollten laut Deutschem Alpenverein „lückenlos und gewissenhaft“ geplant werden. Beachten Sie bei der Vorbereitung auf Ihre Wanderung unbedingt die drei folgenden Punkte.
1. Die richtige Ausrüstung
Am wichtigsten ist das Schuhwerk, betont die Wanderzentrale. Seit den 1970er-Jahren werden Outdoor-Schuhe nach einem System eingeteilt, das die Treter von A bis D klassifiziert. Wer die Zugspitze besteigen will, sollte Schuhe der Kategorie B (Trekkingstiefel) oder C (Bergstiefel) wählen, empfiehlt die Wanderzentrale. Damit haben Sie auch im leichten Klettersteig einen sicheren Tritt und sind gegen Umknicken oder Wegrutschen gesichert. Der 20-30-Liter Tagesrucksack sollte nur das Nötigste enthalten, rät der Deutsche Alpenverein. Denn Gewicht kostet Kondition.
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Unverzichtbar für die Touren, die mit acht bis zehn Stunden den ganzen Tag in Anspruch nehmen, sind ausreichend Wasser und Essen. Neben belegten Broten eigenen sich als Snacks vor allem Obst, Dörrobst, Nüsse und Energie-Riegel. Die Kleidung sollte genau auf das angesagte Wetter passen. Packen Sie lieber mehr Schichten ein, die Sie bei Bedarf ausziehen können. Je nach Jahreszeit sollten auch ein Schutz gegen Kälte (Mütze, Handschuhe) oder Sonne (Schildkappe, Sonnenbrille, Sonnencreme) im Gepäck vorhanden sein. Ebenfalls einpacken sollten Sie laut Berginstinct:
- Feuerzeug
- Geldbeutel mit Ausweis und Krankenversicherungskarte
- Handy und Power-Bank
- Taschentücher
- Taschenmesser
- Toilettenpapier
- Kleiner Müllsack
- Erste-Hilfe-Set und Rettungsdecke für Notfälle
2. Das Wetter prüfen
Plötzliche Wetterumschwünge zählen zu den unberechenbarsten und gefährlichsten Situationen bei Bergtouren. In höheren Lagen können sich die Wetterbedingungen innerhalb kürzester Zeit drastisch ändern, was zu extremen Temperaturstürzen, heftigen Winden, Starkregen, Schneefall oder Nebel führen kann, betont das Portal Faszination Berge. Achten Sie vorab auf den Wetterbericht. Die Prognose für den Gipfeltag muss gut und stabil sein, schreibt der Deutsche Alpenverein. Es empfiehlt sich zudem, einheimische Bergführer nach deren Einschätzung zu fragen. Auch ein Anruf bei den Hüttenwirten oder der alpinen Auskunft kann Detailfragen klären.
Weil die Morgenstunden wettertechnisch meist stabiler sind, empfehlen die einheimischen Bergsteiger einen möglichst frühen Aufstieg. Gegen elf Uhr schlägt das Wetter häufig um, erklärt Berginstinct. Im Sommer sind die Morgenstunden außerdem kühler und weniger kraftraubend für den Aufstieg bei Hitze. Achten Sie während der Tour auf die Wolkenentwicklung, um ein herannahendes Unwetter frühzeitig zu erkennen. Beachten Sie zudem die Zeiten für den Sonnenuntergang, besonders im Herbst.
3. Sich nicht überschätzen
Der einfachste, aber weiteste Weg auf die Zugspitze führt durch das Reintal, das Tal der Partnach zwischen Zugspitzplatt und Partnachklamm, erklärt der Deutsche Alpenverein. Bis auf den Schlussanstieg bietet die Route kaum technische Schwierigkeiten. Dennoch darf die Strecke nicht unterschätzt werden, denn sie ist sehr lang und abgeschieden: Mehr als 20 Kilometer und 2.200 Höhenmeter müssen Wanderer dabei zurücklegen. Der Aufstieg ist nur bei guter Kondition zu bewältigen, schreibt die Wanderzentrale.
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Die Menschen, mit denen man die Tour bestreitet, sollten alle „vergleichbar stark und den aktuell geforderten Schwierigkeiten überlegen sein, Erfahrung in vergleichbarem Gelände haben – und derzeit auch gut in Form sein“, fasst der Deutsche Alpenverein zusammen. Die Gruppe sollte nicht zu groß sein. Noch wichtiger ist jedoch, dass man sich nicht allein auf den Weg macht. Um die Wanderung leichter zu gestalten, lässt sich die Strecke durch Übernachtungen auf zwei oder drei Tage aufteilen. In diesem Fall sollten Sie rechtzeitig einen Schlafplatz in der entsprechenden Berghütte reservieren, rät die Wanderzentrale.
Rubriklistenbild: © Action Pictures/Imago

