VonMarco Blanco Uclesschließen
Nach zwei Siegen in Folge hat sich der TSV 1860 vorerst aus dem Tabellenkeller der 3. Liga befreit. Dafür gibt es gute Gründe, besonders die Defensive hat sich gebessert.
Der Profifußball ist Tagesgeschäft, das beweist der TSV 1860 dieser Tage eindrucksvoll. Reisten nicht wenige Löwenfans mit Bauchschmerzen vor genau einer Woche zum schwierigen Auswärtsspiel auf die Bielefelder Alm, dürfte die Stimmung des weiß-blauen Anhangs auf dem Weg zur heutigen Partie bei Borussia Dortmund II (14 Uhr) deutlich besser sein.
Der TSV 1860 München hat den freien Fall in der 3. Liga gestoppt
War Sechzig bei Anpfiff auf der Alm Tabellenletzter der 3. Liga, reist man nun als Zehnter des Tableaus zur BVB-Reserve – zwei knappen 1:0-Siegen in Bielefeld und gegen Hannover II sei Dank. Auch wenn spielerisch nach wie vor viel Luft nach oben ist: 1860 hat den freien Fall gestoppt, könnte mit einem Dreier im Ruhrpott die perfekte Englische Wiesn-Woche vergolden. Die Trendwende hat mehrere Gründe:
In der Vorbereitung und den verkorksten ersten Wochen der Saison ließ Löwencoach Argirios Giannikis seine Mannschaft im 4-2-2-2-System a lá RB Leipzig auflaufen. Zu keinem Zeitpunkt schien sich das Team darin wohlzufühlen. Vor dem Ingolstadt-Spiel Ende August (2:1) kehrte Giannikis zum 4-2-3-1 zurück. Es folgten drei Siege aus vier Ligaspielen.
Gegen Arminia Bielefeld und Hannover 96 II stand die Null bei den Löwen, das gelang in den ersten fünf Partien nie. Die Viererkette mit Lukas Reich, Raphael Schifferl, Jesper Verlaat und Florian Bähr wirkte deutlich stabiler als zu Saisonbeginn. Nun fehlt Schifferl zwei Partien rotgesperrt – ihn ersetzt wohl Max Reinthaler.
Mit großen Vorschusslorbeeren kam der Angreifer vor der Saison aus dem Hachinger Sportpark nach München-Giesing. In den ersten Partien blieb der 29-Jährige blass, wurde kaum eingesetzt von den Mitspielern. Mittlerweile erhält er mehr Bälle. Gegen Hannover II bewies Hobsch seinen Torriecher, köpfte zum 1:0-Sieg ein und erklärte hinterher: „Ein sehr, sehr gutes Gefühl – ich habe ein bisschen darauf warten müssen.“ Der Angreifer betonte, sich trotz der erfolglosen Zeit keinen großen Kopf gemacht zu haben und hob die Entwicklung der Mannschaft hervor.
Neuzugang Tunay Deniz beweist mittlerweile immer häufiger, wieso ihm sein Ruf als Standardspezialist vorauseilt. Seine Ecke ebnete den Weg zum Heimsieg gegen Schlusslicht Hannover. Auch die weiten Einwürfe von Linksverteidiger Bähr – übrigens von beiden Seiten – sorgen immer wieder für Torgefahr.
Kurz vor dem Ende der Transferperiode von Schalke 04 an die Isar gewechselt, zeigt der Japaner Soichiro Kozuki immer häufiger, wieso er wertvoll werden kann für die Löwen. Mit seiner Schnelligkeit und einer für Drittliga-Verhältnisse überdurchschnittlichen Technik ist er schwer zu verteidigen. Fehlen nur noch die ersten Scorerpunkte im Löwentrikot – vielleicht als Ex-Schalker ausgerechnet in Dortmund?
Sie sind in vielen Bereichen sehr wichtig für die Mannschaft, offensiv wie defensiv.
Mit Deniz und Thore Jacobsen – Kunsttorschütze in Bielefeld – hat sich eine neue Doppelsechs im Löwenspiel gefunden, die das komplette Konstrukt stabilisiert. Deniz fungiert dabei häufig als Ballverteiler, während Jacobsen ihm dahinter den Rücken freihält. „Es sind zwei erfahrene Spieler mit einer hohen Qualität am Ball. Sie sind in vielen Bereichen sehr wichtig für die Mannschaft, offensiv wie defensiv“, zeigt sich Giannikis zufrieden. Und dennoch sieht der Löwencoach Verbesserungspotenzial: „Wir haben noch Luft nach oben, die beiden besser einzusetzen. Dann können auch sie ihre Mitspieler noch besser einsetzen.“

