VonUli Kellnerschließen
Die Siegesserie im Grünwalder Stadion des TSV 1860 München ist gerissen. Beim 1:3 gegen Essen ließ die Mannschaft von Löwencoach Glöckner vieles vermissen.
Was er wohl zu diesem Auftritt gesagt hätte? „Werner Lorant“ schallte es ein letztes Mal von den Rängen, als sich die Löwen-Profis nach dem Schlusspfiff vor der Westkurve versammelten. Mit 1:3 (0:0) hatte 1860 München das Traditions-Duell mit Rot-Weiss Essen verloren, und auch wenn die Würdigung des verstorbenen Kulttrainers im Mittelpunkt stand – Kondolenzbuch, Schweigeminute, Trauerflor, T-Shirts mit Lorant-Konterfei –, die Leistung, die die Heim㈠elf bot, passte nicht zu dieser 90-minütigen Hommage, bei der von den Fans auch einige der berühmten Lorant-Sprüche auf Bannern gezeigt wurden. Zum Beispiel: „Ich wechsele nur aus, wenn sich ein Spieler ein Bein bricht.“ Man ahnt, dass ein blutleerer Auftritt wie am Samstag zu Lorants Zeiten nicht folgenlos geblieben wäre.
TSV 1860 München: Torhüter Marco Hiller vor dem Absprung?
Der Gegner dagegen, auch ein Ex-Verein von „Werner Beinhart“: bissig, griffig und voller Leidenschaft. Gemäß einer alten Lorant-Maxime – über den Kampf ins Spiel – schnürten die Rot-Weissen die Weiß-Blauen mit Beginn der zweiten Halbzeit in der eigenen Hälfte ein. Müsel (65.), Mizuta (69.) und Safi (82.) erzielten drei schöne Treffer, die nur 1860-Kapitän Jesper Verlaat angemessen beantwortete – mit dem zwischenzeitlichen 1:2 (79.). Überhaupt war Verlaat wie schon in Rostock ein einsamer Lichtblick in einer 1860-Elf, die mit Erreichen des Klassenerhalts jede innere Spannung verloren hat.
Auch Torhüter Marco Hiller, um den sich Abschiedsgerüchte ranken, konnte sich noch ein paarmal auszeichnen, ehe sich später sogar die Berufsfeuerwehr aufstellte, um noch ein paar Selfies mit dem Fanliebling zu schießen. Hiller war der letzte Löwe, der den Rasen verließ. Außer den Spielern des Gegners, die eindrucksvoll die allerletzten Zweifel am Ligaverbleib beseitigt hatten. „Nie mehr Regionalliga“, stand auf einem Banner, den der stimmgewaltige Gästeblock aufgehängt hatte. Davor feierten die RWE-Profis, die sich mit dem Segen des Trainers auf eine feuchtfröhliche Klassenerhaltsparty einstimmten. Bezeichnend was Uwe Koschinat über den verletzten Torschützen Torben Müsel sagte. „Ach“, spielte er den wehen Fuß herunter, der zu Müsels Auswechslung geführt hatte: „Das ist nichts, was man sich nicht nachher wegsaufen kann.“
Aufseiten der Löwen dagegen waren hinterher sogar die Ausreden schwach. Etwa die von Trainer Patrick Glöckner, der den Spannungsabfall seiner Spieler menschlich vertretbar fand. „Man muss auch mal res㈠pektieren, wenn der Gegner ein Spiel gewinnt“, sagte er: „Wir hatten zuvor fünf Heimspiele in Folge gewonnen.“
TSV 1860 München blockt Nachfragen zu Marco Hiller ab
Ob Glöckner den Löwen als Trainer erhalten bleibt – dazu gab es keine erhellenden Auskünfte. Nicht mal zu Marco Hiller, der Gerüchten zufolge ein abgespecktes Angebot zur Vertragsverlängerung ausgeschlagen hat. Aus Sicht der Presse war es der falsche Hiller, der in die Mixed-Zone geschickt wurde: Felix Hiller, der Multimedia-Beauftragte des Vereins. Schon bei der ersten Frage zu seinem Bruder, gerichtet an Tim Danhof, grätschte der Pressebeauftragte dazwischen.
Wäre scheiße, wenn man es hintenraus fortlaufen lässt.
Kampflöwe Verlaat sprach das Schlusswort: „Wir wollen vernünftig in die Sommerpause gehen. Für die Gemütslage wäre es extrem scheiße, wenn man es hintenraus jetzt einfach so fortlaufen lässt.“ Ganz im Sinne von Werner Lorant, dessen Werte die Löwen unbedingt mit in die neue Saison nehmen sollten.

