Richter für Finanzkriminalität eröffnen Untersuchung gegen Pariser Olympia-OK-Chef Estanguet
VonNiklas Kirk
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Stefan Schmid
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In Frankreich hat die Finanzstaatsanwaltschaft eine Untersuchung gegen den Olympia-OK-Chef aufgenommen. Es geht um die Missachtung von Gehaltsobergrenzen.
Paris – Weniger als ein halbes Jahr vor der Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Paris, droht dem Verantwortlichen des Olympia-Organisationskomitees offenbar juristischer Ärger. Zunächst berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine mit dem Fall befasste Quelle, dass in der vergangenen Woche eine Untersuchung gegen den Chef des Komitees, Tony Estanguet eingeleitet wurde. Dieser hat mittlerweile selbst bestätigt, dass auf Finanzkriminalität spezialisierte Richter in der vergangenen Woche eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet haben.
Ermittlungen gegen Tony Estanguet? Olympia-Organisationskomitee zeigte sich erstaunt
Hintergrund der Ermittlung sei demnach eine Investigativ-Recherche aus dem vergangenen Oktober. In der Recherche wurde aufgezeigt, dass der 45-Jährige durch einen Trick die für ihn gültige Gehaltsobergrenze umging, weshalb die Untersuchung nun für Klarheit in dem Fall sorgen soll. Die Obergrenze ergebe sich dabei aus dem Status als Wohltätigkeitsorganisation, den auch das Organisationskomitee (Cojop) innehat.
Das Organisationskomitee selbst äußerte auf eine AFP-Anfrage am Dienstag (6. Februar) sein Erstaunen über die Vorgänge. Nachdem die Nationale Finanzstaatsanwaltschaft (PNF) die Ermittlungen eingeleitet hat, ist die Pariser Kriminalpolizei bereits mit den Ermittlungen betraut. Für die Cojop stellt sich die Frage nach etwaigen Verfehlungen nicht. Die Vergütung des Präsidenten des Organisationskomitees sei „streng geregelt“. Zugleich widerspricht es der Auffassung, dass Estanguet überhaupt einer Gehaltsdeckelung für Leitungskräfte von gemeinnützigen Organisationen unterliege.
Unterliegt der Olympia-OK-Chef einer Gehaltsobergrenze?
Nach weiteren Angaben des Komitees gegenüber der AFP hatte Estanguet bis 2020 ein Jahresgehalt von 270.000 Euro vor Steuern und Boni erhalten. Dies widerspräche nach gegenteiliger Auffassung jedoch den Regeln für eine nicht-kommerzielle Organisation, bei denen die Gehälter gedeckelt werden und bei monatlich maximal 10.300 Euro liegen dürfen.
Diese Sport-Stars haben im Jahr 2023 ihre Karriere beendet
Damit ergibt sich der Vorwurf, Estanguet habe diese Obergrenze möglicherweise bewusst umgangen. Dafür soll er laut der Zeitung Le Canard Chainé ein Unternehmen gegründet haben, das dem von ihm verwalteten Cojop „nicht-kommerzielle Dienstleistungen“ in Rechnung stellt. Dabei schien die Sache mit der Rechnungsstellung bereits seit Jahren bekannt und heikel. In einem Bericht aus dem Jahr 2021 soll die französische Korruptionsbehörde AFA bereits den Fall des Unternehmens von Estanguet aufgegriffen und dabei auf die „atypische Struktur“ im Rahmen einer Wohltätigkeitsorganisation hingewiesen haben.
Vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Paris – bereits 2023 unter Korruptionsverdacht
Die nun vorgenommene Untersuchung ist nicht die erste Schlagzeile der Olympia-Organisatoren abseits der Sportstätten. Bereits im Juni 2023 wurden die Räumlichkeiten des Gremiums und die der Baugesellschaft Solideo durchsucht. Hintergrund waren Korruptionsvorwürfe aufgrund der Vergabe der Spiele, sowie der Vergabe lukrativer Bauaufträge und Dienstleistungsverträge. (nki/sch/sid)