Abschied einer Bayern-Ikone: Thomas Müller sagt in der Allianz Arena emotional „Servus“
VonAndreas Reiners
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Thomas Müller absolviert sein letztes Spiel in der Allianz Arena. Dort, wo er viele Momente erlebte, werden noch einmal Tränen fließen.
München – Als Thomas Müller zum ersten Mal für den FC Bayern München in der Allianz Arena auflief, wurde Sebastian Vettel mit 21 Jahren zum damals jüngsten Grand-Prix-Sieger der Formel-1-Geschichte. Lewis Hamilton holte seinen ersten von bis dato sieben Titeln in der Königsklasse.
Und während die deutsche Nationalmannschaft das EM-Finale gegen Spanien in Wien 0:1 verlor, war „All Summer long“ von Kid Rock der Sommerhit schlechthin.
2008 war das. Lange ist es her.
Thomas Müller: Der Stern geht auf – für elf Minuten
Genauso lange ist es her, dass Müller in der Bundesliga debütierte. Am 15. August 2008 ging der Stern des Ur-Bayern mit seiner Einwechslung am ersten Spieltag in der Allianz Arena auf. Damals nur für elf Minuten, doch nach dem Startschuss verlor Müller nicht viel Zeit, um so richtig durchzustarten.
Es vergingen ein paar Monate, ehe er auch in der Champions League zu seinem ersten Einsatz kam. Auch das war nur der Beginn einer internationalen Karriere, die schnell Maßstäbe setzte.
Was in dem Zusammenhang ebenfalls folgte, waren viele emotionale Momente in der Allianz Arena. Also an dem Ort, wo er am Samstagabend in Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach seinen Abschied vom eigenen Publikum feierte. Standesgemäß mit seiner 13. Meisterschale, in seinem 750. Pflichtspiel für den FCB.
Thomas Müller: Allianz Arena die perfekte Bühne
Die perfekte Bühne, fast 17 Jahre nach seinem ersten Auftritt dort. Fast schon zu kitschig, um das Drehbuch für diesen Tag zu sein. Doch Legenden gehen selten leise, schon gar nicht „Radio Müller“, der den Rekordmeister nicht nur sportlich, sondern auch menschlich nachhaltig prägte.
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Nie um einen Spruch verlegen, könnte Müller am Samstagabend aber möglicherweise zwischendurch auch mal verstummen. Den Moment aufsaugen, genießen, überwältigt von seinen Emotionen, von der Zuneigung und Liebe der Fans, die ihm ohne Frage entgegenschwappen wird.
Denn die Allianz Arena ist sein zu Hause, auf dieser Bühne war Müller immer wieder der Hauptdarsteller. Wie bei seinem ersten Dreierpack am 1. Mai 2010, als er gegen den VfL Bochum mit dem Fuß, mit dem Kopf und mit der Brust traf.
Oder mit seinem Doppelpack 2013 im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona. Oder 2015, als er beim 8:0 gegen den Hamburger SV mit zwei Toren und drei Vorlagen seine meisten Torbeteiligungen schaffte.
Thomas Müller 2017 erstmals FCB-Kapitän
Oder als er 2017 erstmals als Bayern-Kapitän auflief. Oder als er 2024 beim 2:0 gegen Freiburg sein 710. Pflichtspiel für den FC Bayern absolvierte und damit Sepp Maier als Rekordspieler ablöste.
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Dass er 2024 bei der Heim-EM bei seinem letzten großen Turnier für den DFB beim Auftaktspiel in München eingewechselt wurde, dürfte vor allem für ihn ein Highlight sein.
Genauso gehören aber auch Momente dazu wie das dramatische „Finale dahoam“, als Müller in der 83. Minute das 1:0 gegen den FC Chelsea erzielte und das Stadion förmlich explodierte.
Thomas Müller und das dramatische „Finale dahoam“
„Das war keine Freude, das war eine Zündstufe drüber“, erinnert sich Müller. „Das war wahrscheinlich der intensivste Moment in meiner ganzen Karriere. Auch wenn man das, was danach noch passiert ist, besser wieder vergisst.“
Denn ohne den ausgewechselten Müller verloren die Bayern gegen die „Blues“ im Elfmeterschießen. Ein emotionaler Moment, der ebenfalls bleibt, wenn auch anders als erhofft.
All das werden die Zuschauer am Samstag möglicherweise Revue passieren lassen, vielleicht wird es Müller in seinem Wohnzimmer zum Abschied sogar noch einmal explizit in der Rede ansprechen, die er wohl halten wird, wie Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen verriet. Auch die Bayern haben sich nicht lumpen lassen, sie haben für den besonderen Tag einen Sonderflock mit Müller-Szenen auf dem Rücken herausgebracht. Schade nur: Müller kann dieses Trikot nicht tragen, da der DFB keinen abweichenden Flock erlaubt.
Das wird der FCB-Legende den Tag aber nicht vermiesen, denn es ist alles bereitet für das ganz große Müller-Kino, für das Finale furioso, den abschließenden, emotionalen Moment, der die Geschichte abrundet.
Thomas Müller: Zum Abschied ist auch die Schale dabei
„Thomas war es enorm wichtig, dass er sich zuhause verabschieden möchte und das ist das letzte Heimspiel vom Thomas und deswegen ist das genau der richtige Tag, der richtige Ort, die richtigen Fans und jetzt ist glücklicherweise auch die Schale noch dabei“, sagte Dreesen.
Es gebe wenige Spieler, von denen die Fans noch Jahrzehnte nach ihrer Karriere schwärmten, betonte Dreesen: „Thomas Müller wird einer von ihnen sein.“
Denn Ex-Trainer Louis van Gaal prägte Jahre bereits 2009 einen Satz, der lange zu Müllers Karriere beim FC Bayern gehörte: „Müller spielt immer.“
Ganz sicher auch am Samstag. Dann allerdings zum letzten Mal in der Allianz Arena. (anre)