Kahn und Salihamidzic weg

Reaktionen zu Rausschmiss-Drama am Meisterabend: „Bedenklich“, „respektlos“, „Freude erstickt“

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Kaum deutscher Meister, schon geht die Aufregung beim FC Bayern weiter. Kahn und Salihamidzic sind raus. Und die Sport-Welt reagiert mit drastischen Worten.

München – Was für ein Drama am letzten Spieltag! Der BVB verliert gegen Mainz, der FC Bayern schlägt den 1. FC Köln durch Musialas Tor wenige Minuten vor Schluss und krönt sich doch noch zum elften Mal in Folge zum deutschen Meister. Eine verkorkst wirkende Saison gerettet? Wohl kaum. Denn noch rund um die startenden Feierlichkeiten bahnte sich bereits das nächste Drama an.

Kurz nach Abpfiff sickerten erste Informationen durch, die der FC Bayern kurz darauf selber bestätigte: Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic sind raus! Die Entlassung an sich dürfte für einige München-Fans gar nicht so überraschend sein, der Zeitpunkt, mitten in den frischen Meisterfeierlichkeiten ist es dafür allemal. Wenig begeistert zeigte sich auch der frisch geschasste Kahn selbst. Er twitterte nach Abpfiff, dass es ihm „untersagt“ worden sei, bei der Mannschaft zu sein und mit ihr zu feiern. Bei Sky legte Kahn gleich nach, sprach vom schlimmsten Tag seines Lebens. Auch weitere Stars der Sportwelt reagierten durchaus schockiert auf die Nachrichten.

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Hamann zum Aus von Salihamidzic und Kahn: „An Respektlosigkeit nicht zu überbieten“

Sky-Experte Dietmar Hamann etwa übte harsche Kritik. Die Verkündung der Trennung von Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic kurz nach dem Gewinn der elften deutschen Meisterschaft nannte Hamann „bodenlos“ und ergänzte: „Was sie heute gemacht haben, das ist an Respektlosigkeit nicht zu überbieten“, polterte der 49-Jährige bei Sky.

Man könne von Kahn und Salihamidzic denken, was man will, „aber das sind zwei so verdiente Spieler und auch Funktionäre. Das nach dem Gewinn der Meisterschaft eine Minute oder fünf Minuten später durchzustecken, das ist unwürdig“, führte Hamann weiter aus. Die Bayern müssten nun „wirklich aufpassen, dass sich nicht auseinanderdividieren lassen oder auseinanderfallen, weil das, was sie heute gemacht haben mit dieser Mitteilung, ist eine Frechheit“, sagte Hamann.

„Niederlage für ganzen Verein“, „bedenklich“: Auch Ex-Spieler Wagner und Kroos äußern sich zum Bayern-Beben

Ex-Bayern-Profi Sandro Wagner sieht in dem Aus von Kahn und Brazzo eine „Niederlage für den ganzen Verein“. „Irre. Mir fehlen wirklich die Worte. Art und Weise, Zeitpunkt“, sagte der 35 Jahre alte frühere Bayern-Profi im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF über die Entscheidung.

„Das ist schade für die Spieler und vor allem für den neuen Trainer, die wollten heute ein bisschen feiern, aber dann geht es hauptsächlich wieder um den Wechsel“, sagte Ex-FCB-Profi Toni Kroos beim Portal Real total. Er zeigte sich auch verwundert über die Kommunikation der Münchner. „Das dann heute an so einem Tag zu bestätigen, offiziell vorher zu sagen, er ist krank. Dann: Nein, ist er nicht, er durfte nicht kommen. Mehr habe ich bisher auch nicht gehört, aber ich glaube dem Olli mal“, sagte der 33-Jährige. Das Bild, was sein Ex-Klub hier abgegeben habe, sei „bedenklich“, so der Profi von Real Madrid.

Auch Felix Magath äußerte sich, allerdings weniger mit Wut, sondern mehr mit Verständnis für seinen ehemaligen Verein. Es sei „immer leicht zu kritisieren, dass es jetzt gemacht wurde“, sagte der 69-Jährige im Deutschlandfunk-Interview. „Hätte es jetzt noch fünf Tage gedauert - ich weiß nicht, wer sich dann wieder beschwert hätte, dass man sie so lange im Unklaren lässt. Ich würde es nicht so dramatisieren. Mir leuchtet ein, dass Konsequenzen gezogen wurden.“

Markus Babbel: „Der FC Bayern hat in dieser Saison kein gutes Bild abgegeben“

Markus Babbel zeigte im Doppelpass von Sport1 wenig Verständnis für die Kommunikation nach dem Spiel: „Der FC Bayern hat in dieser Saison kein gutes Bild abgegeben, ganz klar. Was mir ein bisschen für die Jungs leidtut: Du schaffst es trotzdem noch, in einer grandiosen Art und Weise Deutscher Meister zu werden, obwohl du keine gute Rückrunde spielst und eine Minute nach Abpfiff geht es eigentlich nur noch um Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic. Das fand ich unangebracht für die Jungs, weil wenn du das nicht mehr geglaubte schaffst, hast du so viel Freude, so viele Emotionen und dann wird das gleich wieder erstickt mit diesen Personalentscheidungen. Das konnte ich nicht nachvollziehen.“

„Es war eine glückliche Meisterschaft, sie war nicht verdient“, sagte Ex-Bayern-Kapitän Stefan Effenberg im „Doppelpass“ und lobte Borussia Dortmund, die am letzten Spieltag nach einem 2:2 gegen Mainz 05 noch vom ersten Platz verdrängt wurden: „Die Verantwortlichen haben in einer großen Niederlage Größe gezeigt, das haben die Verantwortlichen bei den Bayern in den letzten Wochen nicht geschafft.“ Solch ein Verhalten im Umgang mit den Führungskräften wie zuletzt habe er beim FC Bayern „noch nicht erlebt“, ergänzte Effenberg. (han/dpa/SID)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ulrich Wagner

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