Viele Fehler im Pokal

Schiri-Größen schlagen Alarm: Können die Referees nur noch mit VAR pfeifen?

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In der 2. Runde des DFB-Pokals leisteten sich mehrere Schiedsrichter haarsträubende Fehler. Der VAR stand nicht zur Korrektur zur Verfügung.

München – Nach den Spielen der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals war der Ärger bei vielen Mannschaften groß. Die Leistungen der Schiedsrichter ließen vielerorts zu wünschen übrig. Das Fachmagazin kicker, das neben den Spielern auch die Unparteiischen mit einer Note von 1 bis 6 bewertet, verteilte unter anderem eine 4,5, eine glatte 5 und zweimal die Note 5,5.

Neben zahlreichen wenigstens strittigen Entscheidungen unterliefen den Referees auch mehrere folgenschwere Fehler, die im einen oder anderen Fall durchaus das Weiterkommen einer Mannschaft beeinflusst haben. Für viele Beobachter liegt auf der Hand: Ohne den Videobeweis, den es im DFB-Pokal in der 2. Runde noch nicht gibt, sind die Schiedsrichter inzwischen aufgeschmissen.

DFB-Pokal liefert Werbung für unbeliebten VAR

Dass der Videobeweis selbst vielen Fans mehr Dorn im Auge als alles andere ist, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie. Wenn man so will, bot die schwache Leistung vieler Schiedsrichter im Pokal die beste Werbung für den VAR, der sozusagen das geringere Übel im Vergleich zu kapitalen Fehlern darstellen mag. Selbstredend darf kritisch gefragt werden, warum es so weit kommen konnte, dass die Unparteiischen ohne Videobeweis nicht mehr zurechtkommen.

„Durch die Einführung des VAR hätten die Schiedsrichter eigentlich besser werden sollen. Leider ist das häufig nicht der Fall“, muss auch Hellmut Krug gegenüber der WAZ feststellen. Der frühere Top-Schiedsrichter war als DFB-Projektleiter entscheidend an der Entwicklung der Videobeweis-Prozesse in der Bundesliga beteiligt.

Im Pokal standen die Schiedsrichter oftmals im Blickpunkt.

Hellmut Krug: „Die Schiedsrichter wirken verunsichert und fremdbestimmt“

Er sagt: „Die Schiedsrichter wirken mitunter verunsichert und scheinen viel zu oft auf eine Reaktion des VAR zu warten, sie wirken bisweilen fremdbestimmt.“ Dass Krug vehement widerspricht, wenn es um die Frage geht, ob der Videobeweis nicht besser wieder eingestampft werden sollte, ist dennoch nachvollziehbar. „Es wäre falsch und undenkbar, den VAR wieder komplett abzuschaffen. Schon morgen gäbe es eine haarsträubende Fehlentscheidung und die ließe sich nicht mehr korrigieren.“

Dahingehend hat der DFB-Pokal schließlich das beste Anschauungsmaterial geliefert. Tatsächlich glaubt kein Entscheidungsträger in der Bundesliga ernsthaft daran, dass der Videobeweis wieder abgeschafft werden kann. Diese Büchse der Pandora ist und bleibt geöffnet. Also gilt es, das Beste aus der Situation zu machen.

Babak Rafati: „Der VAR ist eine hervorragende Idee. Die Umsetzung ist katastrophal“

Krug hält dabei auch für entscheidend, die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit zu korrigieren. „Anhand von Beispielen muss der Öffentlichkeit aufgezeigt werden: Wo erwarten wir Eingriffe und wo nicht“, so der Ex-Unparteiische.

Auch Babak Rafati sieht viel Verbesserungspotenzial beim Videobeweis. „Der VAR ist eine hervorragende Idee. Die Umsetzung ist aber katastrophal, sie ist detektivisch“, sagte Rafati beim TV-Sender Sky. „Die Schiedsrichter waren jahrelang der Chef auf dem Platz. Und nun gibt es einen Kollegen im Keller, der ihm auf dem Platz vorgibt, was er zu machen hat. Da geht es um die DNA des Schiedsrichters.“

Rafati glaubt, es brauche ein besseres Schulungssystem, um auch dem letzten Schiedsrichter die Vorzüge der Zusammenarbeit mit dem Videobeweis präsent zu machen. „In den vergangenen Jahren wurde es versäumt, die Schiedsrichter in der DNA zu verändern. In den Köpfen der Schiedsrichter ist noch nicht angekommen, dass der VAR hervorragend ist. Er dient als eine Art Airbag“, so Rafati.

Mehrere Schiedsrichter erlebten im DFB-Pokal Unfälle ohne diesen Airbag.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jerry Andre

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