DFB-Frauen

Alexandra Popp nimmt Abschied unter Tränen

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Eine Große geht vom Rasen: alexandra Popp.
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Alexandra Popps letztes Länderspiel geht mit 1:2 gegen Australien verloren. Ein erster kleiner Dämpfer für Christian Wück.

Die Tränen flossen fast mit Ansage. Es hatte sich bereits ein Spalier von Mitspielerinnen gebildet, als nach einer Viertelstunde die Nummerntafel mit der 11 aufleuchtete. Alexandra Popp hielt einen Moment inne, blickte auf die vollbesetzten Tribünen des Duisburger Stadions, als sich Deutschlands Vorzeigefußballerin mit erhobenen Händen an die Seitenlinien begab. Bei den vielen Umarmungen ließ die 33-Jährige ihren Gefühlen freien Lauf. Ihre Verabschiedung sollte beim Testspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Australien (1:2) den emotionalen Höhepunkt bilden.

„Ich bin extrem dankbar – und überwältigt, was hier stattgefunden hat“, sagte Popp nach einer langen Ehrenrunde und lobte ausdrücklich die Stimmung an ehemaliger Wirkungsstätte. „Schon bei der Hymne war es ganz extrem.“ Bundestrainer Christian Wück wiederholte das Kompliment vom Vortag: „Junge Mädchen haben wegen ihr das Fußballspielen angefangen, dann hat man viel erreicht.“ Dass sein Heimdebüt nach dem Traumeinstand gegen England (4:3) als Ernüchterung rüberkam, gab der 51-Jährige zu: „Wir hätten gerne den Schwung mitgenommen. Wir haben auf einzelnen Positionen keine Topleistung abgerufen.“ Die mit acht in England beschäftigten Spielerinnen angetretenen „Matildas“ traten auf die schwarz-rot-goldene Euphoriebremse, weil sie zweimal Torhüterin Stina Johannes in ihrem zweiten Länderspiel überrumpelten. Einmal setzte Kyra Cooney-Cross aus fast 40 Metern einen Heber an (39.), dann segelte die Keeperin von Eintracht Frankfurt unter einer Ecke hindurch, so dass Clare Hunt einköpfte (77.). In der besten deutschen Phase hatte Selina Cerci per Kopf getroffen (5.), dann aber patzte die Stürmerin der TSG Hoffenheim mit einer schlechten Ballannahme vor dem 1:1. Symptomatisch für Wück, der „von einer ärgerlichen Niederlage“ sprach.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn seine langjährige Kapitänin mehr als nur knapp 15 Minuten gespielt hätte. Aber so was es eben nicht - und das sei klar so abgesprochen gewesen, stellte Wück klar, während Popp zugab: „Es war relativ kurz, klar ist das schade. Ich kann nicht leugnen, dass es Spaß gemacht hat. Aber es war genau richtig: Es geht darum, dass die Mädels die nächsten Schritte machen.“ Gleichwohl: Vor allem ihretwegen waren 26 623 Zuschauer gekommen, auch wenn mit Torhüterin Merle Frohms und Verteidigerin Marina Hegering zwei weitere verdienstvolle Akteure vom VfL Wolfsburg mit angemessenem Applaus für ihr Karriereende im DFB-Dress erhielten.

„Jeder weiß in ganz Deutschland, dass es sehr schwer wird, eine solche Spielerin wie ‚Poppi‘ zu ersetzen“, sagte die wieder als Verteidigerin aufgebotene Janina Minge. „Ich habe das Glück, dass ich mit ihr im Verein noch weiterspiele.“ In ihrem 145. Länderspiel rackerte sich die Torjägerin vergeblich für einen 68. Treffer im DFB-Trikot ab. Einmal setzte sie einen Freistoß in die Mauer, dann einen Kopfball zu hoch an. Mit ihrer Herausnahme riss irgendwie auch das emotionale Band zwischen Rängen und Rasen.

Unter vielen Weggefährten an der Wedau befand sich auch Wück-Vorgänger Horst Hrubesch, der eine der weltbesten Kopfballspielerinnen enorm schätzt: „Sie ist für mich ein klar gestrickter Typ, geht immer voran, übernimmt Verantwortung und ist dabei immer glaubwürdig. Sie verstellt sich nie.“

Auch Wück weiß, dass große Fußstapfen bleiben: „Da müssen wir zusehen, dass wir diese Lücken schließen können.“ Insbesondere in der zweiten Hälfte sei man „nicht sauber“ gewesen, habe „leichte Fehler im Ballbesitz“ gemacht und „Pässe nicht in der besten Qualität“ gespielt. Da stand Debütantin Lisanne Gräwe (Eintracht Frankfurt) bereits nicht mehr auf dem Platz, die ein eher unauffälliges Debüt feierte. Popp hingegen wird sich die nächsten Länderspiele gegen die Schweiz (29. November) und Italien (2. Dezember) in aller Ruhe am Fernseher anschauen. „Ich finde das nicht einmal komisch. Das zeigt, dass ich extrem mit mir im Reinen mit.“

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