Vorbereitung

Eintracht Frankfurt als Großbaustelle

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Erklärungsbedarf: Trainer Dino Toppmöller Eintracht Frankfurt mit Anweisungen an Nathaniel Brown und Can Uzun.
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Bei Eintracht Frankfurt läuft es vor dem ersten Pflichtspiel noch nicht richtig rund. Die Ursachen sind vielschichtig. Betroffen sind gerade alle Mannschaftsteile.

Frankfurt ist eine Metropole mit vielen Baustellen. Aktuell weist die Homepage der Stadt fünf größere baulich begründete Behinderungen aus. Dazu kommen die Auffrischungen der U- und S-Bahn-Gleise, die Dauerbaustelle am Flughafen und die gesperrten Bahngleise von Frankfurt Richtung Mannheim. Auch bei der Frankfurter Eintracht, dem größten Fußballverein der Stadt, gibt es weniger als eine Woche vor dem Start in die neue Spielzeit mit dem Pokalspiel am Montag (20.45 Uhr/ARD, Sky) in Braunschweig noch eine Menge Baustellen. Und, ganz so wie im richtigen Leben, erschließt sich der Sinn einer Baustelle nicht immer auf den ersten Blick.

Bei der Eintracht betrifft es die Torwartposition. Kevin Trapp (34) war seit 2012 mit einer dreijährigen Unterbrechung bei Paris St. Germain unangefochtener Stammspieler. Nach einem halben Jahr, in dem er etwas schwächer als gewohnt gespielt hat, wird ihm nun ein Zweikampf mit dem 19 Jahre alten Kaua Santos angedichtet. Was nicht viel Sinn macht im aktuell sowieso unsteten Eintracht-Kosmos.

Dennoch könnte Trapp zu einem Problem werden, sollte der Spielaufbau so geplant sein wie es bei der Niederlage in Valencia zu besichtigen war. Dort war Trapp oft am Ball, öfter als es seinen fußballerischen Qualitäten entspricht. Die Mitspieler hatten es ihm schwer gemacht. Aber ist es nicht ein Organisationsfehler, wenn der Torwart als Hauptanspielstation gebraucht wird? Die Hauptaufgabe eines Torhüters sollte sein, Bälle abzuwehren.

Da ist Trapp unantastbar. Diese Baustelle könnte mit einem veränderten Spielaufbau also schnell beendet werden. Hilfreich wäre auch ein klares Bekenntnis zu der Führungsfigur Trapp, unter anderem mit der Kapitänsbinde. Neben Robin Koch ist Trapp der Einzige, der den Anspruch hat, diese Mannschaft anzuführen.

Offensichtlicher und erklärbarer ist bei der Eintracht die Baustelle Abwehr. Schließlich wurde gerade erst der beste Abwehrspieler mit Willian Pacho verkauft und ein adäquater Ersatz noch nicht verpflichtet. Wunschkandidat Konstantinos Kouleriakis spielt aktuell noch bei seinem Klub Paok Saloniki in der Champions-League, obwohl die Bedingungen für einen Wechsel, zehn Millionen Euro Ablöse, Vertrag bis 2029, längst ausgehandelt sein sollen. Wie schnell die Verpflichtung über die Bühne gehen wird, wenn überhaupt, ist offen.

Nach Medienberichten kümmert sich Sportvorstand Markus Krösche inzwischen verstärkt um Alternativlösungen. Da werden Namen wie Felix Uduokhai vom FC Augsburg und Bernardo vom VfL Bochum genannt. Zwei Spieler, die den Vorteil hätten, über Bundesligaerfahrung zu verfügen, in der jüngeren Vergangenheit aber nicht an das Niveau von Pacho herangereicht haben.

Mit dem abgewanderten Ecuadorianer fehlt nicht nur persönliche Qualität, es fehlt vor allem auch ein Linksfuß für die geplante Viererkette. Durchaus möglich, dass Trainer Dino Toppmöller gezwungen sein wird, zu einer Dreierabwehr zurückzukehren. Ganz einfach deshalb, weil ihm für diese Zusammensetzung mehr Spieler zur Verfügung stehen. Ein wirkliches Problem wäre das vermutlich nicht.

Manchmal zieht die eine Baustelle eine andere nach sich. Bei der Eintracht ist es die Besetzung des defensiven Mittelfeldes. Mit einer Viererkette und zwei klassischen Sechsern vor der Abwehr könnte das gesamte Spiel in eine zu defensive Schieflage kommen. Gerade in Valencia aber hat sich gezeigt, dass Ellyes Skhiri mit einem zweiten eher defensiven Spieler an seiner Seite besser zurechtkommt. Mit Hugo Larsson hat das vor einem Jahr ganz gut geklappt. Auch für diesen Mannschaftsteil ist Sportchef Krösche auf der Suche nach einer externen Lösung.

Als wäre es nicht genug mit den Baustellen, sind die Arbeiten am Angriff auch noch nicht beendet. Der Trainer hat im Ausschlussverfahren die Möglichkeiten eingeschränkt. Can Uzun, „ein unfassbar guter Fußballer“, so Toppmöller, habe noch viel zu lernen beim Treffen von richtigen Entscheidungen im eigenen Ballbesitz. Der Neuzugang aus Nürnberg wird sich zunächst hinten anstellen müssen.

Für Jean-Matteo Bahoya, jetzt auch schon ein halbes Jahr in Frankfurt, gilt das sowieso. Bleiben mit Hugo Ekitiké, Igor Matanovic und Omar Marmoush drei Angreifer mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten. Alle drei gemeinsam wird Toppmöller wohl nicht aufstellen. Zumal es weitere Offensivkräfte mit Ansprüchen gibt. Ansgar Knauff, Fares Chaibi und Junior Ebimbe sind zu nennen. Natürlich auch Mario Götze. Bei ihm ist aktuell noch nicht einmal klar, zu welcher Baustelle er eigentlich gezählt werden muss. Kann er Skhiri im defensiven Mittelfeld helfen? Oder ist der Weltmeister von 2014 besser als Mann mit den klugen Pässen hinter den Stürmern aufgehoben?

Und so wird bei der Eintracht weiter gebaut am Haus für die neue Spielzeit. Bis zum Montag beim Pokal in Braunschweig, dem aktuellen Tabellenletzten der Zweiten Bundesliga, können sicher nicht alle Baustellen geschlossen sein, das liegt in der Natur der Sache, solange das Transferfenster noch geöffnet ist. Schließlich braucht solide Arbeit manchmal auch ein bisschen mehr Zeit. Aber das eine oder andere Problem sollte alsbald doch abgearbeitet sein.

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