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An Eintracht-Star Lindström baggert jetzt auch SSC Neapel

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Umschwärmt wie lange nicht: Eintracht-Flügelmann Jesper Lindström. Foto: Imago Images
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Eintracht-Flügelspieler ist auf dem Markt heiß begehrt, er kann sich den Verein quasi aussuchen – doch Sportvorstand Krösche verlangt fast 40 Millionen Euro.

Erst kürzlich äußerte sich der Frankfurter Spargeltarzan Jesper Lindström zu den stetig aufploppenden Wechselgerüchten um seine Person. Natürlich ist der Eintracht-Offensivkraft nicht verborgen geblieben, dass er begehrt ist auf dem Markt, dass mal hier ein Klub anfragt und sich mal dort ein anderer erkundigt. „Wenn ich mit jedem sprechen müsste, der Interesse hat, könnte ich gar nichts anderes mehr machen“, sagte der 23-Jährige. „Also überlasse ich das meinem Agenten.“ Besser so, wahrscheinlich.

Der dänische Nationalspieler hat eine klare Vorstellung, was für ihn infrage kommt, wenn er sich dazu entschließen sollte, den „fantastischen Klub Eintracht und die echt coole Stadt Frankfurt“ zu verlassen: nur die Königsklasse nämlich. „Ich habe gesagt, dass ich dort spielen will, wo es Spaß macht, und ich denke, es macht Spaß, Champions League zu spielen.“ Alles andere mache für ihn keinen Sinn, und es ist für ihn auch keine Option, zu einem Klub zu wechseln, bei dem er nur als Backup eingeplant wäre. „Es wäre lächerlich, die Eintracht zu verlassen, um woanders auf der Bank zu sitzen.“ Um seinen Platz wird er kämpfen müssen, egal, wo, das weiß er. Auch in Frankfurt hat er keinen Freifahrtschein. Bei einem europäischen Topklub erst recht nicht.

Einige von ihnen legen sich zurzeit aber ganz schön ins Zeug, um den schnellen Skandinavier von einem Wechsel zu überzeugen. Es ist Bewegung in den Markt rund um Jesper Lindström gekommen. Vor einiger Zeit hatte schon der englische Vizemeister FC Arsenal sein Interesse hinterlegt, nun kommen, wie die „Bild“ richtigerweise schrieb, weitere Großkaliber hinzu: Newcastle United und AC Mailand. Zudem hat sich, wie die FR erfuhr, auch der italienische Meister SSC Neapel ins Rennen eingeschaltet. Die Gli Azzurri, die Blauen, machen ernst.

Und: Auch RB Leipzig mischt noch mit. Die Eintracht hatte ein erstes Angebot der Sachsen über 25 Millionen Euro abgeschmettert. Seitdem hat sich aber ein bisschen was verändert, RB hat Christopher Nkunku für 60 Millionen an den FC Chelsea verkauft und Dominik Szoboszlai für 70 Millionen an den FC Liverpool. Verteidiger Josko Gvardiol wird bald folgen, der Kroate ist Manchester City sage und schreibe 100 Millionen Euro wert. An finanziellen Mitteln fehlt es den Leipzigern also nicht. Und was macht Lindström? Der Däne kann sich ja den Klub förmlich aussuchen.

Ohne Ausstiegsklausel

Doch natürlich spricht da sein aktueller Arbeitgeber ein gewichtiges Wörtchen mit. Denn die Eintracht wird ihren Flügelspieler gewiss nicht unter Wert ziehen lassen. Sportvorstand Markus Krösche schwebt eine Entschädigungszahlung in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euro vor. Davon wird der Manager nicht abrücken, denn Lindström ist vertraglich noch bis 2026 gebunden, hat seinen Marktwert binnen zwei Jahren um mehr als 20 Millionen Euro gesteigert und ist sehr begehrt. Eine Ausstiegsklausel ist in seinem Arbeitspapier nicht verankert. Die Nachfrage regelt den Preis, deshalb ist die Eintracht in einer guten Verhandlungsposition, sie sitzt am längeren Hebel.

Lindström gilt zudem als unfertiger Spieler, der noch eine Menge Entwicklungspotenzial hat. Nicht wenige glauben, er könne, wenn er noch ernsthafter, zielstrebiger und entschlossener wird, eine ähnliche Karriere wie Leipzigs Nkunku hinlegen.

Dass Lindström bei derlei Aussichten und Offerten den Verein wechselt, liegt relativ nahe. Aber eben nur dann, wenn Markus Krösche den Preis erzielt, den er sich vorstellt. Ansonsten bleibt der Spieler eben in Frankfurt – genauso wie Randal Kolo Muani, den die Eintracht keinesfalls unter 100 Millionen Euro ziehen lassen würde. Im Gespräch mit der FR stellte Sportchef Krösche am Sonntag hinsichtlich der beiden umworbenen Akteure klar: „Wir müssen keinen Spieler verkaufen. Wir möchten, dass sie bei uns bleiben.“

Kein Kamada-Ersatz

Lindström ist vor zwei Jahren für rund sieben Millionen Euro von Bröndby IF gekommen, die Dänen würde von einem Weiterverkauf partizipieren, 15 Prozent der erzielten Summe einstreichen. Sollte der Nationalspieler gehen und viele Millionen in die Kasse spülen, würde das den Spielraum der Eintracht erheblich erhöhen. Sie ist, gerade durch den signifikant gestiegenen Kaderwert durchaus in der Lage, Transfers in Höhe von fünf, sechs, sieben Millionen aus den eigenen Bordmitteln zu stemmen, Deals in zweistelliger Millionenhöhe sind freilich nur bei entsprechenden Einnahmen drin.

Mit den getätigten Transferaktivitäten ist Sportvorstand Krösche „aktuell zufrieden“. Für ihn ist „entscheidend, dass wir möglichst früh die wichtigsten Positionen abgedeckt und den Kader aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit so früh wie möglich komplett haben“. Kein Geheimnis ist, dass die Hessen um Robin Koch (Leeds United), Ellyes Skhiri (1.FC Köln) und Jessic Ngankam (Hertha BSC) buhlen. Einen neuen Stand gibt es nicht, zumindest Skhiri will in absehbarer Zeit seine Zukunft klären.

Der 28-Jährige wäre ein guter Spieler fürs Mittelfeld, aus dem Daichi Kamada herausgebrochen ist. Doch ein 1-1-Ersatz für den Japaner ist eigentlich nicht geplant, wie Krösche verrät. „Wir sondieren den Markt, das machen wir immer. Aber es ist nicht so, dass ein Kamada-Ersatz die größte Priorität hat“, sagt er. „Wir haben genügend Spieler, die diese Rolle ausfüllen können: Rode, Götze, Aaronson, Larsson, Ebimbe, auch Lindström oder Sow.“

Bedarf sieht der Verein auf jeden Fall noch auf der linken Seite. Christopher Lenz könnte den Klub verlassen, wenn er wollte und sich ein Verein finden würde. Die Eintracht hat, wie die „Bild“ schreibt, ein Auge auf Ismail Jakobs, 23, von AS Monaco sowie Derrick Köhn, 24, von Hannover 96 geworfen. Beide würden ins Profil passen, sind enorm schnell, aber würden auch eine Ablöse kosten.

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