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Eintracht Frankfurt: Skhiri fix, Koch bald fix

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Laufstark und torgefährlich: Ellyes Skhiri (rechts).
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Die Eintracht holt den absoluten Wunschspieler aus Köln - der Leeds-Abwehrmann wird folgen. Sie sollen Schlüsselfiguren im Team von Dino Toppmöller werden.

Am Morgen noch richtete das Laufwunder Ellyes Skhiri pathetische Worte an die Fans und Kollegen des 1.FC Köln. „Nach vier emotionalen Jahren ist es nun Zeit, auf Wiedersehen zu sagen“, schrieb der 28 Jahre alte Tunesier auf Instagram. „Ich bin sehr stolz, Teil der FC-Familie gewesen sein zu dürfen und dieses Trikot getragen zu haben.“ Doch er schlage nun ein anderes Kapitel in seinem Leben auf. „Ein neues Abenteuer wartet auf mich. Ein neuer Abschnitt, der mir, so hoffe ich, erlaubt, meine Träume zu erreichen.“

Noch am selben Tag war klar, wo er seine Zukunft sieht, den Mittelfeldspieler verschlägt es nicht besonders weit weg, nicht ins Ausland, nicht zu AC Mailand in Italien, den FC Sevilla in Spanien oder Crystal Palace in England. Und auch nicht zu RB Leipzig in Deutschland. Ellyes Skhiri verlagert seinen Lebensmittelpunkt knapp 200 Kilometer weiter in den Süden, nicht mal zwei Stunden über die A3. Sein neuer Arbeitgeber heißt Eintracht Frankfurt. Im Hessenland unterschreibt er einen Vertrag bis 2027, er kommt ablösefrei. Was auch bedeutet, dass er neben einem guten Gehalt auch eine schöne Antrittsgage in Millionenhöhe herausgeschlagen hat. Usus heutzutage.

Für die Eintracht ist das eine starke Verpflichtung, der tunesische Nationalspieler gilt als furchtloser und unbeugsamer Mittelfeldantreiber, extrem laufstark, hart in den direkten Duellen, keiner, der zurückzieht. „Wir konnten einen absoluten Wunschspieler verpflichten. “, urteilte Sportvorstand Markus Krösche. „ Ellyes wird ein wichtiger Spieler und Stabilisator im defensiven Mittelfeld sein.“ Sportdirektor Timmo Hardung flankiert: „In unserer Kaderplanung war ein lauf- und spielstarker Sechser von zentraler Bedeutung.“

Erst kürzlich ist er vom Fachmagazin „Kicker“ als bester defensiver Mittelfeldspieler der gesamten Saison ausgezeichnet worden. Er verwies Spieler wie Konrad Laimer, Emre Can, Robert Andrich und Joshua Kimmich auf die Plätze. Skhiri war in Köln hoch angesehen, ein Leader und Leistungsträger, der konstant auf hohem Niveau performte. „Die Art und Weise, wie er sich beim 1. FC Köln als Typ präsentiert hat, hat uns imponiert. Ellyes passt mit seinem Charakter hervorragend zur Eintracht und unserer Mannschaft“, befand Timmo Hardung.

Auch die Statistik spricht für ihn: In der zurückliegenden Saison spulte er die meisten Kilometer aller Bundesligaprofis ab und konnte die zweitmeisten Balleroberungen der Liga verbuchen, ganz nebenbei avancierte er auch noch zum besten Torschützen der Rheinländer.

Weiche Faktoren punkten

Skhiri ist generell relativ torgefährlich, machte in der letzten Saison sieben Treffer, davon zwei beim 3:0-Erfolg gegen die Eintracht im Februar. Schon damals waren ersten Gerüchte aufgekommen, wonach sich der Fußballer des Jahres 2021 in Tunesien im Sommer der Eintracht anschließen könnte. Fast ein halbes Jahr später sind die Gedankenspiele Realität geworden. „Wir haben Ellyes lange beobachtet und frühzeitig unser Interesse hinterlegt. Es zeigt sich, dass diese Geduld belohnt wird“, betont Sportdirektor Hardung.

Auch abseits des Feldes kann der Tunesier punkten, Weggefährten beschreiben ihn als ehrlichen, reflektierten und zurückhaltenden Zeitgenossen, ein feiner Kerl und Musterprofi, ein Mentalitätsspieler sowieso. Er galt als Wunschoption der Sportlichen Leitung sowie des neuen Trainers Dino Toppmöller.

Sportvorstand Markus Krösche und Sportdirektor Timmo Hardung forcierten das Werben um den Mann mit der Pferdelunge in den zurückliegenden Wochen. Sie zeigten ihm Perspektiven auf, nahmen ihn mit auf die Reise und erklärten, welch tragende Rolle er einnehmen soll. „Er hat sich trotz lukrativer Angebote aus dem In- und Ausland für die Eintracht entschieden und damit unterstrichen, wie sehr er sich mit der Aufgabe hier in Frankfurt identifiziert“, sagt Sportchef Krösche.

Finanziell konnten die Frankfurter mit den ebenfalls interessierten Konkurrenten (siehe Einstieg) nicht mithalten, sie punkteten mit weichen Faktoren: der speziellen Kraft und der Wucht des Vereins, der Entwicklung des Klubs, dem zugedachten Standing des Spielers und natürlich auch mit den sportlichen Zielen. Mit der Conference League wird sich die Eintracht in den kommenden Jahren nicht zufrieden geben. Ellyes Skhiri wollte gerne ein Teil des Ganzen sein, entschied sich voller Überzeugung für den Verein. „Eintracht Frankfurt ist ein Klub, der in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung genommen hat. Mich hat beeindruckt, wie intensiv sich die Verantwortlichen um mich bemüht haben. Ich bin überzeugt, dass Frankfurt für mich der richtige nächste Schritt ist und wir gemeinsam unsere Ziele erreichen werden“, sagte der Spieler. „Besonders wichtig war mir nach meiner sehr schönen Zeit in Köln, zu einem Klub zu wechseln, der international spielt und bei dem Emotionalität eine große Rolle spielt.“ .

So ähnlich lief das Ganze auch bei Robin Koch von Leeds United. Der Abwehrspieler, der in Kürze 27 Jahre alt wird, hat sich auch schon länger zur Eintracht bekannt, das Interesse einiger englischen Premier-League-Klubs oder des Ligarivalen Bayer Leverkusen brachte den Innenverteidiger nicht zum Umdenken. Auch ihm war wichtig, in der Planung der Mannschaft eine zentrale Figur zu sein, eine prägende Rolle einzunehmen. Spielzeit ist bedeutend für den Kaiserslauterer, der achtfache Nationalspieler hat die EM im eigenen Land im kommenden Jahr nicht abgehakt, will sich in der Bundesliga in den Fokus spielen. Hier ist die Sichtbarkeit eine andere als auf der Insel.

Der schon länger avisierte Wechsel war zuletzt merklich ins Stocken geraten, weil sich die Vertragssituation durch den Leeds-Abstieg ziemlich vertrackt gestaltete; so vertrackt gar, dass zeitweise die Juristen nicht mehr so ganz durchblickten. Die Fronten zwischen Leeds und der Eintracht waren einigermaßen verhärtet. Mittlerweile scheint es aber so, dass sich ein Kompromiss anbahnt. Offenbar wird Koch erst einmal für ein Jahr ausgeliehen und dann im nächsten Schritt fest verpflichtet.

Anker fürs Team

Für die Eintracht sind beide Deals wichtige Transfers, die vor allem Verlässlichkeit und Stabilität garantieren sollen. Beide sollen im Spiel eine gewisse Ankerfunktion übernehmen und die Mannschaft als Typen führen. Denn die jetzt von Kultfigur Martin Hinteregger in einem Interview mit dem „Darmstädter Echo“ geäußerte Befürchtung, dass „dass die Eintracht unter Markus Krösche zu einem Durchlaufverein wird, bei dem Spieler kommen und nach zwei Jahren weiterziehen“, wird intern inhaltlich sogar geteilt. Den Verantwortlichen ist es durchaus wichtig, Typen und Charakterköpfe im Team zu haben. Solche wie Ellyes Skhiri oder Robin Koch.

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