- VonJosef Schmittschließen
Rasmus Kristensen und Arthur Theate machen für Eintracht Frankfurt nicht nur Druck nach vorn, sondern sichern auch zuverlässig ab.
Es waren die ganz jungen Spieler, die besonders gefeiert wurden nach den letzten Erfolgen der Frankfurter Eintracht. Torhüter Kaua Santos (21), Flügelstürmer Jean-Matteo Bahoya (19) und Angreifer Hugo Ekitiké (22) hatten gegen Ajax Amsterdam (4:1) und beim VfL Bochum (3:1) Akzente gesetzt. Der Trainer freilich wies zu Recht daraufhin, dass beide Erfolge nur mit mannschaftlicher Geschlossenheit erkämpft werden konnten. Und neben den Jungen hatte die Eintracht mit Mario Götze (32) und vor allem Rasmus Kristensen (27) neben anderen auch zwei Ältere im Team, die herausragende Leistungen gebracht haben.
Gerade der Däne Kristensen, wie im Übrigen auch der aktuell verletzte Belgier Arthur Theate, ist ein Spieler, wie ihn die Eintracht in den vergangenen Jahren, genau genommen seit dem freiwilligen Abschied von Martin Hinteregger 2022, nicht mehr in ihren Reihen hatte. Manchmal hilft bei der Einordnung ein kleiner Blick zurück.
Vor einem Jahr, die Frankfurter hatten nach 24 Spieltagen 37 Punkte aufs Konto geschaufelt, jetzt sind es 45, verteidigten im Frankfurter Team rechts Aurelio Buta und links abwechselnd Philipp Max und Niels Nkounkou. Ohne den nach Frankreich (Buta spielt für Stade Reims) und Griechenland (Max steht bei Panathinaikos Athen unter Vertrag) abgewanderten Profis zu nahe zu treten, ist der Unterschied zu ihren Nachfolgern frappierend. Sportvorstand Markus Krösche ist mit dem Austausch auf den Außenbahnen ein deutliches Upgrade gelungen.
Kristensen und Theate leben nach kurzer Zeit Eintracht Frankfurt. Sie haben, wie vom Sportvorstand bei ihren Verpflichtungen erhofft, auf Anhieb Führungsrollen übernommen. Beim Dänen Kristensen geht das so weit, dass seine Mitspieler den einen oder anderen Wutausbruch auf dem Platz regelrecht fürchten, ihn aber genau einordnen können. Kristensen geht es immer ums große Ganze. Wer da nicht richtig mitzieht, wie einmal in Bochum Jean-Matteo Bahoya, als er leichtfertig einen Ball verloren hatte, kann er schon mal aus der Haut fahren.
Der Schienenspieler
Böse wird ihm da keiner sein, denn Kristensen geht bei allem, was er auf dem Platz fordert, mit gutem Beispiel voran. Geholt wurde er im letzten Sommer eigentlich als rechter Verteidiger, der im Sinne des Wortes das eigene Tor verteidigen soll. Das tut er mit großer Hingabe. Gekommen ist er von der AS Rom, vertraglich von Leeds United, und hat zumindest die breite Öffentlichkeit überrascht. Denn bekommen hat die Eintracht einen flexiblen Spieler für die gesamte rechte Seite, nicht nur für die abwehrende, sondern auch für die angreifende Abteilung. Ein „Schienenspieler“, wie Trainer Dino Toppmöller Kristensen bezeichnet.
Eine Bezeichnung, die den Nagel auf den Kopf trifft. Kristensen kann eben nicht nur verteidigen, er kann, und vor allem will er es auch, angreifen. Sein Vorwärtsdrang ist erstaunlich und hilft der Eintracht gerade dann, wenn sich der eine oder andere aus der jungen Garde nicht so recht traut. Kristensen ist ein Kämpfer, klar, auch ein besonders guter Zweikämpfer. Aber er kann auch stürmen. Der Treffer zur 1:0 beim 3:1 in Bochum war sein drittes Tor für die Eintracht in dieser Saison, zweimal hat er in der Liga getroffen, einmal im Europapokal. Längst lieben ihn die Fans, so wie sie Hinteregger geliebt haben. Die langgezogene Anfeuerung „Hintiiii“ ist im Waldstadion unvergessen, für Kristensen muss noch ein „Liebesruf“ gefunden werden.
Kristensen gehört zu jenem Typ Fußballspieler, die auch mal mit dem „Messer zwischen den Zähnen“ auf den Platz geht. Dann spüren die Zuschauer bis hinein in die letzte Reihe hoch unterm Dach der Tribüne, dass da einer auf dem Rasen steht, der sich nichts gefallen lässt. Eher umgekehrt, je rustikaler es zugeht, desto mehr Spaß scheint er zu haben Bei aller Härte und Kompromisslosigkeit hat Kristensen aber erst zwei Gelbe Karten in den bislang absolvierten 23 Bundesligaspielen gesehen. Das spricht für Disziplin und vor allem für viel Erfahrung.
Sein Pendant auf der linken Seite, Theate, ist aus ähnlichem Holz geschnitzt. Immer auf Sendung, immer konzentriert, kämpferisch stark, als Upgrade zu Kristensen auch noch mit einem guten Kopfballspiel ausgestattet. Theate haben die Frankfurter ausgeliehen von Stade Rennes, inzwischen wurde die Kaufoption gezogen. Der belgische Nationalspieler hat einen neuen Vertrag bis Juni 2929 unterschrieben, die Eintracht zahlt vereinbarungsgemäß 13 Millionen Euro.
Auch Kristensen ist aktuell nur ausgeliehen von Leeds United, auch er wird ziemlich sicher bleiben. In den vergangenen Wochen hat Sportvorstand Krösche mit dem englischen Zweitligisten intensive Gespräche geführt, um die Kaufoption von angeblich zwölf Millionen Euro zu drücken. Dies soll gelungen sein. Die Eintracht wird wohl nur die Hälfte, also sechs Millionen Euro als Sockelablöse bezahlen. Die Einigung mit Leeds und die Vertragsverlängerung mit Kristensen sollen in Kürze bekanntgegeben werden.