Matanovic überzeugt

Die Eintracht und ihre Leih-Armada: Aus den Augen, nicht aus dem Sinn

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Die Eintracht und ihre Leihspieler: Was aus Matanovic, Aaronson, Alidou und einigen anderen wie Sorgenkind Hauge wird.

Frankfurt – Fast eine ganze Fußballmannschaft hatte Eintracht Frankfurt in der zurückliegenden Saison auf Leihbasis an anderen Standorten untergebracht. Nicht für alle waren die Kurzengagements von Erfolg gekrönt, eigentlich für die wenigsten, und die Frage lautet ohnehin: Wie geht es nun für die Spieler weiter, die qua Arbeitsvertrag am 8. Juli ihre Dienste in Frankfurt wieder anbieten werden.

Matanovic überzeugt beim Karlsruher SC

Einer davon ist Igor Matanovic, der Spieler, bei dem die temporäre Weitergabe an den Karlsruher SC genau den Effekt brachte, den er bringen sollte: Der 1,94 Meter große Stürmer hat beim Zweitligisten vollends überzeugt, 14 Tore gemacht und sieben Assists gegeben, er war Zielspieler im Angriff und absolute Stammkraft. Die Eintracht traut dem 21-Jährigen zu, in absehbarer Zeit Stürmer Nummer eins zu werden. Er wird zur neuen Saison fest eingeplant.

Natürlich wird Matanovic zeigen müssen, dass er auch eine Spielklasse höher funktionieren kann, aber er stellt sein Licht nicht unter den Scheffel. „Ich komme diesmal mit ganz anderem Selbstbewusstsein an, mit einer viel breiteren Brust“, sagte er kürzlich dem Kicker. „Ich habe jetzt die Überzeugung, wirklich weiterhelfen und ein Teil der Mannschaft werden zu können. Das war vor einem Jahr schwieriger.“ Und er ist der festen Überzeugung, der Mannschaft eine Komponente geben zu können, die ihr fehlt. „Mit meiner Statur kann ich im Sturm eine Facette einbringen, wie sie Frankfurt zuletzt nicht mehr hatte“, findet der Hüne Matanovic. „Die Eintracht hat immer auch von solchen Typen profitiert, wenn ich an Namen denke wie Sebastien Haller, Alex Meier oder Bas Dost. Das empfinde ich als großen Ansporn.“ Vielleicht auch ein bisschen Bürde?

Hat gute Chancen:Igor Matanovic (re.). Foto: Imago

Aaronson nimmt mit der USA an Olympia teil

Paxten Aaronson, der US-Amerikaner, wird es ungleich schwerer haben in Frankfurt. Zumindest ist er für die kommende Spielzeit keine ernsthafte Option. Der Mittelfeldmann ist vor eineinhalb Jahre mit einigen Vorschusslorbeeren gekommen, unter Oliver Glasner auch mit ordentlicher Spielzeit ausgestattet, unter Dino Toppmöller aber alsbald als zu leicht befunden. Der 20-Jährige stieg zuletzt mit dem niederländischen Klub Vitesse Arnheim aus der ersten Liga ab, auch aufgrund eines 18-Punkte-Abzugs. Er hat dennoch eine ordentliche Halbserie gespielt, war Leistungsträger, erzielte vier Tore.

Und die Eintracht hat den Techniker, der sich gerade mit dem US-amerikanischen Olympia-Team auf Paris vorbereitet und das als „riesengroße Ehre“ empfindet, nicht abgeschrieben. Sie traut ihm perspektivisch zu, den Sprung in die erste Elf zu schaffen, sieht ihn im Idealfall als Nachfolger von Mario Götze. Ob der schmale Pax das packen kann? Die Hessen planen, ihn noch einmal auszuleihen, um ihn reifen zu lassen. Denn nicht nur die Verantwortlichen wissen, dass Spielpraxis – siehe Matanovic – durch nichts zu bezahlen ist. Der FC Utrecht, ebenfalls aus den Niederlanden, ist im Gespräch. Die Eintracht würde im Gegenzug den bis 2027 laufenden Vertrag verlängern – durchaus ein Vertrauensbeweis.

Ngankam und Onguene mit unglücklichen Leihen

Um eine höhere Wettkampffrequenz geht es auch bei Stürmer Jessic Ngankam, der in Mainz eine grausige Rückserie erlebte. Sieben Einsätze, zwei in der Startelf, null Tore, null Vorlagen. Dazu eine Rotsperre und ein schwerer Muskelfaserriss. Sehr viel unglücklicher können so ein paar Monate kaum verlaufen. Der 23-Jährige hat aktuell keine Chance bei der Eintracht, die für ihn einen Verein sucht, bei dem er auf regelmäßige Spielzeit kommt. In der ersten Liga dürfte das schwer werden. „Er braucht mal 30 Spiele am Stück“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. Nur wo?

Diese Frage gilt es auch bei Faride Alidou zu beantworten, der mit dem 1.FC Köln abgestiegen ist und der nicht am Geißbockheim bleiben wird, obwohl er in 26 Partien vier Tore machte. Die Rheinländer verzichteten dennoch darauf, die Kaufoption in Höhe von drei Millionen Euro zu ziehen, denn die taktischen und technischen Defizite kann Alidou auch durch Power und Schnelligkeit nicht wettmachen. Deshalb kommt der Flügelspieler erst einmal zurück, aber nicht dauerhaft. Die Eintracht traut ihm die Bundesliga nicht zu. „Es kann sein, dass es zu einer Veränderung kommt“, sagt Sportchef Krösche. Er würde Alidou auch komplett abgeben.

Genauso wie Jerome Onguene, der an Servette Genf entliehen war, dort in diesem Jahr aber nicht einmal im Kader stand. Der 26 Jahre alte Verteidiger spielt schon seit Jahren keine Rolle mehr bei seinen Klubs. Wie die Sportführung damals, 2022, auf die Idee kam, Onguene überhaupt zu holen, ist schleierhaft. Eine absolute Schnapsidee. Die Abwehrkante soll den Verein unter allen Umständen verlassen.

Die größten Transfer-Flops von Eintracht Frankfurt

Anderson Bamba Ordonez Eintracht Frankfurt sieht sich die Commerzbank Arena an 05 02 2017 Eintr
Platz 10: Anderson Ordonez wechselte im Januar 2017 für 1 Mio. Euro von Barcelona an den Main. Jedoch nicht vom katalanischen Weltklub, sondern vom ecuadorianischen Pendant aus Guayaquil. Nach einem Jahr mit Verletzungsproblemen und nur vier Einsätzen ging es wieder zurück nach Ecuador, wo er bis heute spielt. © imago
Training Eintracht Frankfurt Ali Akman (Eintracht Frankfurt, 30) auf dem Rad. Training von Eintracht Frankfurt am 28. Ju
Platz 9: Ali Akman kam 2019 mit vielen Vorschusslorbeeren und reichliche Drama von Buraspor zur Eintracht. Weil er einen Vorvertrag in Deutschland unterschrieb, ließ Buraspor sein Toptalent für die restliche Vertragslaufzeit nicht mehr auflaufen. Die SGE zahlte ein wenig drauf, Akman kam noch früher. Der Stürmer kann sich aber bis heute nicht durchsetzten. Bis Sommer 2023 ist er an Göztepe ausgeliehen. Bislang ist er noch ohne Torerfolg in der Türkei. Der Durchbruch in Frankfurt wird ihm wohl nicht mehr gelingen. © Kessler/imago
31.10.2020, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Werder Bremen emspor, v.l. Bas Dost (Eintracht Frankfurt
Platz 8: Bas Dost schloss sich für stolze 7 Mio. Euro der SGE von Sporting aus Lissabon an. Nach einem vielversprechenden Start mit drei Treffern in fünf Spielen folgten in seiner Premierensaison nur noch fünf weitere Tore. Nach anderthalb Jahren ging er für 4 Mio. Euro - ein satter Verlust von 3 Millionen. © Huebner/imago
Lucas Alario fotografiert beim Fußball Freundschaft Spiel Eintracht Frankfurt gegen den SV Sandhausen am 2.12..22. in Fr
Platz 7: Für einen ähnlich hohen Betrag (6 Mio. Euro) kam Lucas Alario im Sommer 2022 von Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Mit nur 200 Spielminuten und nur einem mageren Törchen ist der Argentinier ein großer Flop - eigentlich. Denn noch hat Alario die Chance, das Ruder herumzureißen und sich mit Toren am Fließband aus dieser Liste zu katapultieren. © Schmidt/imago
Nelson VALDEZ F verletzt mit Krücken Fussball 1 Bundesliga 3 Spieltag Eintracht Frankfurt F
Platz 6: Bundesliga-Veteran Nelson Valdez kam 2014 immerhin ablösefrei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an den Main. Doch der Paraguayer riss sich bereits in seiner dritten Partie das Kreuzband. Zum Ende der Spielzeit kam er für acht Einsätze nochmal zurück, eher er die SGE wieder verließ. Immerhin: Bei seinem Comeback gegen Paderborn traf der Angreifer und sorgte für große Emotionen. © imago
Tommy Berntsen 2001 im Trikot von Eintracht Frankfurt
Platz 5: Nur die wenigsten Eintracht-Fans werden sich noch an Tommy Berntsen erinnern. 2001 für die damals schwindelerregende Ablösesumme von rund 1,9 Mio. Euro aus dem norwegischen Lillestrom nach Frankfurt gewechselt, reichte es nur zu drei Kurzeinsätzen in zwei Monaten. Neun Monate lang wurde der Norweger nicht mehr eingesetzt, ehe es wieder in die Heimat ging. © imago
Ümit Korkmaz von Eintracht Frankfurt mit Trainer Armin Veh
Platz 4: Als Toptalent von Rapid Wien für 2,3 Mio. Euro unter Vertrag genommen, konnte Ümit Korkmaz die Erwartung bei der Eintracht nie erfüllen. Zahlreiche Verletzungen verhinderten, dass der Österreicher mal viele Spiele in Folge absolvieren konnte. Dennoch ist der mittlerweile 37-Jährige immer ein gern gesehener Gast in Frankfurt. © imago
11.12.2019, xmhx, Fussball UEFA Europa League, Eintracht Frankfurt - Training und PK emspor, v.l. Dejan Joveljic (Eintr
Platz 3: Mit ähnlich großen Erwartungen schloss sich Dejan Joveljic den Adlerträgern an. Satte 4 Mio. Euro zahlte der Klub 2019 für das hoffnungsvolle Talent an Roter Stern Belgrad. Doch der Serbe setzte sich nie durch. Nach zwei Leihgeschäfte folgte im Sommer 2021 der Schritt nach Los Angeles - ohne je einen Bundesliga-Treffer erzielt zu haben. Mit einer Ablösesumme von 3,5 Mio. Euro konnte zumindest der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden. © Huebner/imago
15.05.2021, Fussball, Saison 2020/2021, 1. Bundesliga, 33.Spieltag, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt, Steven Zuber (E
Platz 2: 3 Milo. Euro ließ sich die Eintracht Steven Zuber Kosten. In 23 Einsätzen konnte er sich nicht in die Herzen der SGE-Fans spielen und enttäuschte größtenteils. Sein Leihgeschäft und anschließender Transfer-Deal nach Athen spülten immerhin 2 Mio. Euro wieder zurück in die Kassen der Hessen. © Rehbein/imago
Sam Lammers 9 (Eintracht Frankfurt), Bayer Leverkusen vs. Eintracht Frankfurt, Fussball, 1. Bundesliga, 32. Spieltag, 0
Platz 1: Schon die Rahmenbedingungen des größten Eintracht-Flops aller Zeiten machten stutzig. 3,6 Mio. Euro zahlten die Frankfurter für das einjährige Leihgeschäft von Sam Lammers an Atalanta Bergamo. Der Niederländer wirkt in jeder seiner größtenteils kurzen Einsätze wie ein Fremdkörper im Spiel der SGE. Der völlig überteuerte Leih-Deal wurde zur großen Enttäuschung. Ein anschließender Kauf stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, sodass der Angreifer nach einem Jahr wieder zurück nach Italien gehen musste. © Niemeyer/imago

Jens Petter Hauge überzeugt in Norwegen – Rückkehr trotzdem keine Option

Ähnliches gilt auch für Antonio Foti, zuletzt an Hannover 96 ausgeliehen. Und auch Marcel Wenig hat keine Perspektive mehr in Frankfurt, wird sich aber erst einmal von den Folgen eines Kreuzbandrisses erholen; die schwere Verletzung zog er sich unmittelbar nach seinem Wechsel zum 1.FC Nürnberg zu. Dorthin könnte es übrigens auch Marko Mladenovic verschlagen, das Mittelfeldtalent, das in dieser Saison einen Profieinsatz zu verzeichnen hat (beim 0:3 in Stuttgart). Der 19-Jährige wird die Eintracht definitiv verlassen, die Aussicht, regelmäßig bei den Profis dabei zu sein, schien für ihn begrenzt. Deshalb nun: Abgang.

Und dann ist noch die Frage, was aus dem Dauersorgenkind Jens Petter Hauge wird, momentan bei seinem Stammverein Bodo/Glimt am Ball. In Norwegen wird bis Ende des Jahres gespielt, so lange ist auch seine Leihe fixiert. Bei seinem alten Verein zeigt der Flügelspieler durchaus ansprechende Leistungen, drei Tore und zwei Vorlagen in elf Partien stehen zu Buche. Eine Zukunft bei den Hessen ist aber nicht mehr vorstellbar – egal, ob die Norweger von der Kaufoption Gebrauch machen oder nicht.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jan Huebner

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