Testspiel

Eintracht: Grenzgänger aus El Paso

+
Getroffen hat er nicht, aber sich wacker geschlagen: Eintracht-Stürmer Igor Matanovic. IMAGO / Agencia-MexSport
  • schließen

Die Eintracht besiegt nach einer beschwerlichen Anreise den mexikanischen Erstligisten FC Juarez mit 2:1 und überzeugt Trainer Toppmöller vor allem durch ihre Bereitschaft.

Irgendwann kann dann auch ein Sonderstatus mal aufgebraucht sein. Selbst für die Herren Berufsfußballer, die ja allerlei Privilegien genießen und denen oft genug vieles oder alles abgenommen wird. Doch an der mexikanischen Grenze ist halt Feierabend. Mal bei Eintracht Frankfurt und Dino Toppmöller nachfragen.

Die Entourage aus dem Hessischen gestaltete die Einreise nach Mittelamerika zwecks Testpartie gegen den FC Juarez nämlich per pedes. „Wir mussten zu Fuß über die Grenze gehen, über die Brücke, dann kurz ein Formular ausfüllen, zurück in den Bus – und dann ging es ins Stadion“, erzählt Dino Toppmöller in einer Medienrunde schmunzelnd. Der Fußballlehrer findet das Ganze aber cool. „Es ist spannend, ein kleines Abenteuer.“

Das Trainingslager in Übersee ist für die Eintracht ganz sicher kein Zuckerschlecken, nicht mal easy peasy. Da sind schon ordentliche Strapazen dabei, es gilt, Hindernisse zu überwinden.

Mehr zu Eintracht Frankfurt

Ansgar Knauff: Die Suche nach dem letzten Punch

„Es ist anstrengend“, räumt Coach Toppmöller ein, der Schweiß steht ihm auf der Stirn. Drückende Schwüle und Temperaturen jenseits der 30 Grad sind eine Belastung für jeden Organismus. Allein die Anreise aus dem Trainingscamp in Louisville nach Mexiko über El Paso ist ja schon ein ganz schönes Brett, ein längerer Trip als zu den meisten Europapokalspielen. Erfahrungen im Grenzbereich.

Doch die Spieler murren nicht, sie stecken alles klaglos weg. „Wir haben eine super Energie in der Gruppe, jeder zieht top mit“, sagt Toppmöller. „Deshalb macht es Spaß.“ Auch nach der langen Anreise von Frankfurt nach Kentucky habe die Mannschaft gleich zwei „überragende Einheiten“ absolviert. „Die Jungs geben Gas ohne Ende.“

Das war auch im zweiten Freundschaftsspiel dieser Vorbereitung zu sehen. Gegen den mexikanischen Erstligisten FC Juarez siegte die Eintracht bei tropischen Temperaturen am Donnerstagabend (Ortszeit) mit 2:1 (1:0) durch Tore von Fares Chaibi per Strafstoß (45.) und Ansgar Knauff (78.), Oscar Lopez (52.) traf für die Platzherren – unter die 6800 Fans im Estadio Olimpico Benito hatten sich – getreu dem Motto „Fröhliche Hessen überall“ – auch einige weitgereiste Unverwüstliche aus der Heimat gemischt. Sie sahen sehr zufrieden aus, die Eintracht-Fans.

Eintracht-Coach Toppmöller: „Die wollten unbedingt gewinnen“

Die Frankfurter Fußballer zeigten auf dem Feld eine sehr ordentliche, runde Vorstellung – gerade im ersten Abschnitt, in der der in Mexiko verehrte und nach allen Regeln der Kunst abgefeierte Mario Götze die Kapitänsbinde trug. Und sie ließen sich auch durch den Ausgleichstreffer nicht aus der Ruhe bringen, sondern zeigten den absoluten Willen, dieses Spiel auf ihre Seite zu ziehen. Genau dieser Aspekt imponierte dem Chefcoach: „Was mir gefallen hat: Die Jungs wollten das Spiel unbedingt gewinnen.“

Und das gegen einen Gegner, der, wie Toppmöller anmerkte, bereits im Meisterschaftsbetrieb steht: Vier Spiele sind in Mexiko bereits absolviert, Juarez hat daraus nur einen Punkt geholt. Hat aber nicht viel zu sagen. Zumal die Eintracht-Profis „intensive und harte“ (Toppmöller) Einheiten in den Knochen haben.

Der Cheftrainer war mit der Darbietung absolut einverstanden, auch er empfand die erste Hälfte etwas flüssiger. „Da hatten wir mehr Kontrolle, viele Abschlüsse“, sagt er. „Mit vielen offensive Abläufen bin ich zufrieden, auch wenn der letzte Pass ab und an gefehlt hat.“

Stellvertretend hob Toppmöller gleich zwei Ungenauigkeiten im Abspiel bei Igor Matanovic im ersten und Hugo Larsson im zweiten Abschnitt hervor. „Das sind so Kleinigkeiten, sonst gewinnen wir hier noch deutlicher.“

Aber gerade Mittelstürmer Matanovic hat ganz schön Alarm gemacht vorne im Sturmzentrum, war anspielbar, rieb sich auf. „Das war sehr ordentlich, in manchen Situationen muss er noch ballsicherer werden“, urteilt der Fußballlehrer. Allein im Abschluss, den Torwart Kevin Trapp erst kürzlich über die Maßen lobte, blieb Matanovic glücklos, eine riesige Chance vergab er kurz vor dem Halbzeitpfiff.

Der brachte schließlich eine Rotation im großen Stil in Gang, Toppmöller wechselte zehn Spieler, lediglich der Brasilianer Tuta blieb noch ein paar Minuten auf dem Feld. Im zweiten Abschnitt lief der Ball nicht mehr so flüssig, die Mexikaner kamen stärker auf und auch zum Ausgleich durch einen Lopez-Kopfball, bei dem Keeper Trapp chancenlos war. Der 34-Jährige trug im zweiten Durchgang die Kapitänsbinde.

Der fand schließlich für die Eintracht ein gutes Ende, weil Niels Nkounkou den Ball sehr resolut erkämpfte, Omar Marmoush einen guten Pass auf Hugo Ekitiké spielte, der sich erst gegen zwei Mexikaner durchsetzte, sich dann aber verhaspelte, weshalb Ansgar Knauff an den Ball kam und ihn per Bogenlampe im Juarez-Kasten versenkte.

Der Siegtreffer für den Gast aus Deutschland, bei dem in Abwesenheit der Stamm-Innenverteidigung Philipp Max und Neuzugang Rasmus Kristensen die zentrale Deckung bildeten. Toppmöller fand lobende Worte für den Dänen auf ungewohnter Position. „Er hat einen guten Punch und eine gute Power, ein sauberes Passspiel.“

Und wenn jetzt noch Robin Koch, Willian Pacho sowie Aurele Amenda zum Team stoßen, „haben wir hinten eine absolute Topqualität“, findet der Trainer. An den defensiven Abläufen wird er noch feilen, „da müssen wir uns das eine oder andere erarbeiten“. Im Spiel nach vorne sehe es hingegen schon „sehr gut“ aus. „Ich bin zufrieden, aber jetzt gilt es, weiterzumachen.“

Kommentare