VonIngo Durstewitzschließen
Frankfurter Bundesligist soll mit Offensivspieler Chaibi aus Toulouse bereits einig sein. Zudem Interesse an Amdouni vom FC Basel.
Die Geschichte mit diesem eher unsteten Burschen Houssem Aouar ist aus Sicht von Eintracht Frankfurt nicht ganz so gelaufen wie geplant. Ganz und gar nicht sogar. Eigentlich war Sportvorstand Markus Krösche mit dem 24 Jahre alten Mittelfeldspieler von Olympique Lyon bereits einig, die medizinische Untersuchung bestand der französisch-algerische Akteur auch schon und sogar ein Willkommensvideo soll bereits im Zeichen des Adlers abgedreht worden sein. Schöne Sache das.
Doch wie das heutzutage nun mal so ist in diesem Business, darf man sich nie zu sicher sein. Denn manchmal fällt den Herren Fußballern ja noch etwas ganz anderes ein, dann nehmen sie ein schriftlich fixiertes Angebot eines Klubs und ziehen weiter zum nächsten und schauen, ob da vielleicht noch was obendrauf gesattelt werden könnte. Also was Gehalt, Prämien, Bonuszahlungen und Handgeld angeht, versteht sich. Haben oder nicht haben.
So oder so ähnlich ist das jetzt wohl auch bei Talent Aouar gelaufen, der der absolute Wunschspieler der Eintracht-Sportführung war und der gut beleumundet ist, zumindest was seine fußballerischen Fähigkeiten angeht. „Er ist ein super Spieler. Ich schätze ihn sehr“, sagt sein Kumpel Karim Benzema über ihn. „Er kann es weit bringen.“ Die Eintracht war ihm aber offenbar dann doch nicht mehr weit genug, vielleicht hängt das mit dem sportlichen Absacken des Frankfurter Teams zusammen und der ungewissen europäischen Perspektive. Vielleicht geht es aber auch tatsächlich nur um den schnöden Mammon.
Der Franzose wird trotz aller Vorgespräche und einer bereits erzielten Einigung jedenfalls nicht für die Eintracht spielen – sollte nicht noch etwas Außergewöhnliches passieren.
Es verhielt sich nämlich so, dass die Berater des Technikers, darunter sein Bruder, den Spieler weiter auf dem Markt anboten, bei AS Rom etwa, schließlich ist er im Sommer ablösefrei zu haben, weshalb Spieler und Agenten eine fette Antrittsgage winkt. Ob das nun die feine französische Art ist, sein Wort zu brechen, sei mal dahingestellt, aber so sind die Usancen der verdorbenen Branche. Die Eintracht war ob des Gebarens nicht erfreut, was nur allzu verständlich ist. Doch im Nachgang ist es vielleicht besser so, das Vorgehen lässt nicht eben auf charakterliche Größe schließen. Aouar gilt, mal defensiv formuliert, als nicht unbedingt pflegeleicht.
Da Manager Markus Krösche aber stets mehrere Eisen im Feuer hat, wie sich das für einen fähigen Manager gehört, was Markus Krösche zweifellos ist, verfolgt der 42-Jährige längst andere Fährten. Eine führt nach FR-Informationen nach Toulouse, ebenfalls Frankreich. Dort zieht der erst 20 Jahre alte Farés Chaibi im Mittelfeld die Fäden. Der technisch beschlagene Akteur, in Frankreich geboren und mit algerischen Wurzeln, hat in der Ligue 1 in 29 Partien fünf Tore erzielt und vier weitere vorbereitet. Er ist im offensiven Mittelfeld zu Hause, wird aber, obwohl Rechtsfuß, nicht selten auch am linken Flügel oder halblinks eingesetzt. Er könnte Daichi Kamada ersetzen, der die Eintracht ja ablösefrei verlassen wird.
Mit dem Profi, zweifacher Nationalspieler Algeriens, soll sich der Frankfurter Bundesligist bereits einig sein, was gut ist, aber nichts heißt – Houssem Aouar lässt grüßen. Und der FC Toulouse will sich einen möglichen Abgang des Talents natürlich versüßen lassen, die Franzosen rufen für den bis 2025 gebundenen und auf einen Marktwert von zehn Millionen Euro taxierten Chaibi rund 15 Millionen Euro auf. Sportchef Krösche ist das zu viel, er pokert, will den Preis drücken, bei gut einem Drittel der von Toulouse geforderten Summe wäre wohl auch der Eintracht-Manager einverstanden. Ob es so weit kommt, ist offen.
Und ob ein 20-Jähriger, der gerade sein erstes Profijahr in Frankreich hinter sich bringt, gleich so einschlagen würde, um einen Daichi Kamada auf Anhieb zu ersetzen, steht auf einem anderen Blatt. Das gilt auch für den anderen Aspiranten, Zeki Amdouni, 22 Jahre jung, Spielmacher des FC Basel. Allein in diesem Kalenderjahr hat der Techniker bereits 13 Treffer für den Schweizer Topklub erzielt. Die Eintracht hat den Eidgenossen mit türkischen Wurzeln in der vergangenen Woche beim Conference-League-Spiel gegen OGC Nizza beobachtet, beim 2:2 erzielte er beide Treffer.
Amdouni ist vom FC Lausanne ausgeliehen, die Baseler besitzen aber eine Kaufoption, die sie auch ziehen werden. Genau deshalb ist der gute Mann nicht eben günstig zu haben, mehr als zehn Millionen Euro werden die Schweizer aufrufen. Nicht unbedingt ein Schnäppchen.
