Der FC Bayern und Finanzvorstand Michael Diederich gehen getrennte Wege – wer übernimmt seinen Posten? Die tz macht den Bosse-Check.
München – Immerhin war Max Eberl nach dem Bosse-Beben schon wieder zum Scherzen aufgelegt: Als der Sportvorstand nach dem Testspiel gegen Tottenham auf den Abgang von Finanzchef Michael Diederich und die anstehende Aufgabenverteilung angesprochen wurde, meinte er: „Ja, ich hab die Finanzen auch, ich habe jetzt einen Freifahrtschein.“ Danach blickte Eberl schelmisch in die Reporterschar: „Das weiß der Aufsichtsrat aber noch nicht, sagt es ihm bitte nicht.“
Der Sportvorstand weiß sehr wohl, dass die Direktion „Finanzen & Controlling“ wieder vollumfänglich in den Händen von CEO Jan-Christian Dreesen landen – und dort auch bleiben – wird. Denn: Die Kompetenzen des neuen Vorstandsmitglieds sollen im Bereich Marketing und Sponsoring liegen und eben nicht im Reich der Zahlen.
Bedient sich der FC Bayern erneut beim VfB Stuttgart?
Rouven Kasper: Wie die tz erfuhr, ist der Vorstand für Marketing und Vertrieb des VfB Stuttgart aktuell der heißeste Kandidat auf den Vorstandsposten an der Säbener Straße. Verständlich: Einerseits passt das Aufgabengebiet des 43-Jährigen ideal ins Anforderungsprofil, andererseits bringt Kasper Stallgeruch mit. Mehr als fünf Jahre lang baute er als „President Asia“ zwischen den Jahren 2016 und 2021 erfolgreich das China-Büro des deutschen Rekordmeisters Shanghai auf und etablierte die Marke im weiteren asiatischen Raum. Schon damals konnte er eine Vielzahl von strategischen Partnerschaften in der Asien-Pazifik-Region initiieren.
Benjamin Hoeneß: Erst Anfang des Jahres wurde der „Direktor Global Partnerships“ auch zum Geschäftsführer der FC Bayern International GmbH befördert. Der Neffe von Uli Hoeneß gilt als enorm fleißig und ist ein echtes Eigengewächs auf Management-Ebene: Er hatte im Jahr 2007 bei der FC Bayern München AG begonnen, wurde drei Jahre später Head of Sponsoring und Events und bekleidete ab 2014 das Amt Director Corporate Partnerships. Von den Sponsoren wird Hoeneß für seine unaufgeregte Art geschätzt, an vielen neuen Partnerschaften wie beispielsweise mit der Fluggesellschaft Emirates war der 45-Jährige maßgeblich beteiligt.
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Jörg Wacker: Wann immer ein Vorstandsposten an der Säbener Straße vakant ist, wird über eine Rückkehr von Wacker spekuliert. Verständlich, immerhin war er acht Jahre als Bayern-Vorstand für die Bereiche Internationalisierung und Strategie verantwortlich, ehe er 2021 aus dem Vorstand ausschied. Aktuell ist Wacker als externer Berater für die Unternehmensberatung Bain and Company tätig. Den Kontakt zu den Münchner Verantwortlichen um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hat der 57-Jährige nie abreißen lassen und ist nach wie vor ein gern gesehener Gast bei Spielen in der Allianz Arena. Allerdings käme eine Rückholaktion von Wacker einem Schuld-Eingeständnis von Aufsichtsratschef Hainer gleich, der Wacker damals als Vorstand abberief.
Christian Seifert: Der langjährige DFL-Chef weilte diese Woche in München. Das hatte allerdings nichts mit dem FC Bayern zu tun, stattdessen rührte Seifert die Werbetrommel für seinen Sport-Streamingdienst DYN. Das Projekt ist langfristig angedacht, das wird Seifert nicht für einen x-beliebigen Vorstandsposten vorzeitig verlassen – auch wenn sein Name regelmäßig bei Bayern fällt. (Manuel Bonke, Vinzent Tschirpke)