VonAntonio José Rietherschließen
Die Ära Julian Nagelsmann beim FC Bayern ist beendet. Die Freistellung des Trainers kostet die Münchner nun extrem viel Geld – aufgrund einer Vertragsklausel.
München – Die Entscheidung ist gefallen, Julian Nagelsmann muss den FC Bayern verlassen. Mit der Beurlaubung des 35-Jährigen löst der Rekordmeister nicht nur ein sportliches Beben aus, sondern auch ein finanzielles. Denn der Coach, für dessen Verpflichtung bereits eine hohe Ablösesumme überweisen worden war, hat noch einen Anspruch auf eine nicht unerhebliche Abfindung. Hätten die Münchner mit der Freistellung noch gute drei Monate gewartet, hätten sie sich wohl viel Geld gespart.
| Julian Nagelsmann |
| Geboren: 23. Juli 1987 in Landsberg am Lech |
| Lizenz: UEFA-Pro-Lizenz |
| Profi-Stationen: TSG Hoffenheim, RB Leipzig, FC Bayern |
| Größter Erfolg: Deutscher Meister 2021/22 |
Nach Pleite gegen Leverkusen: Julian Nagelsmann beim FC Bayern freigestellt
Absehbar war das Aus von Julian Nagelsmann eigentlich nicht. Gerade erst hatte der Landsberger den FC Bayern München in zwei starken Partien ohne Gegentor gegen Paris Saint-Germain ins Viertelfinale der Champions League gecoacht. In der Bundesliga gab es danach einen 5:3-Sieg gegen den FC Augsburg, bei dem die Defensive teilweise wackelte.
Bei Bayer Leverkusen verloren die Münchner jedoch am vergangenen Wochenende trotz Führung mit 1:2 – allerdings aufgrund zweier Elfmetertore. Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte die Mannschaft daraufhin zwar stark kritisiert, dennoch kam die Beurlaubung während der Länderspielpause überraschend. Auch die Spieler wurden wohl von der Nachricht überrumpelt, Neuzugang João Cancelo etwa erfuhr in einem Live-Interview vom Rausschmiss seines Trainers.
Julian Nagelsmann: Vertragsklausel garantiert dem Trainer eine „exorbitant hohe“ Abfindung
Für die Bayern wird die Nagelsmann-Freistellung nun offenbar richtig teuer. Dabei geht es nicht nur um die Ablösesumme von kolportierten 25 Millionen Euro, die der Serienmeister im Sommer 2021 für den Trainer an Nagelsmanns vorherigen Klub RB Leipzig überwies. Vor allem der langfristige Vertrag Nagelsmanns und eine spezielle Klausel könnten den Bayern jetzt richtig wehtun.
Der Bundesliga-Primus stattete Nagelsmann im Sommer 2021 mit einem Kontrakt bis 2026 aus, doch nicht nur die ungewöhnlich lange Laufzeit ist ein Problem. Wie der Kicker berichtete, besagt eine Klausel in dem Arbeitspapier, dass dem Trainer im Falle einer Freistellung in den ersten beiden Jahren eine „exorbitant hohe Abfindung“ zusteht. Diese hätte sich erst ab Juli 2023 verringert, ein paar Monate hätten die Bayern also theoretisch noch warten können, um die hohen Zusatzkosten zu verhindern.
Nagelsmann soll etwa acht bis neun Millionen Euro jährlich beim Rekordmeister verdient haben. Aufgerechnet auf etwas mehr als drei Jahre, die der Trainer noch in München unter Vertrag gestanden hätte, hätte er also noch mehr als 24 Millionen Euro eingestrichen. Eine exakte Summe der Abfindung ist zwar nicht bekannt, andere Trainer, etwa José Mourinho oder Antonio Conte, sollen in den letzten Jahren aber Abfindungen in Höhe von 13 bis zu 30 Millionen Euro kassiert haben.
Nagelsmann-Aus beim FC Bayern: Thomas Tuchel steht schon in den Startlöchern
Da die Bayern-Bosse aber augenscheinlich das Triple in Gefahr sahen, zogen sie nun die Reißleine. Das Nagelsmann-Aus wurde folglich nur eine Woche vor dem wohl wichtigsten Ligaspiel gegen den Tabellenführer Borussia Dortmund beschlossen. In den Wochen danach folgt das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Freiburg und das Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City.
Im Laufe des Freitags soll Nagelsmann an der Säbener Straße über seine Beurlaubung unterrichtet werden. Künftig soll Thomas Tuchel das Kommando bei den Bayern übernehmen, seit Wochen soll bereits Kontakt zwischen dem ehemaligen Chelsea-Übungsleiter und dem FCB bestehen. Nun kommt es ausgerechnet in der heißesten Phase der Saison zum Trainerwechsel. (ajr)
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