VonDaniel Michelschließen
Das „Finale dahoam“ 2012 ist unvergessen. Florian Göttl, seinerzeit Physiotherapeut beim FC Bayern, berichtet von den skurrilen Ereignissen an jenem Tag.
München – Florian Göttl begann 2008 seine Karriere als Physiotherapeut beim FC Bayern München. Der geborene Münchner startete im Jugendbereich, wechselte zur zweiten Mannschaft und stieg ab der Saison 2011/12 zu den Profis auf.
Göttl lernte David Alaba schon in der Jugend des FC Bayern kennen
Bereits in der Jugendabteilung des FC Bayern behandelte Göttl zukünftige Stars wie David Alaba. Er baute ein enges Vertrauensverhältnis zu den Spielern auf, was er als essenziell für seinen Beruf erachtet.
„Als Physio brauche ich ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Leistungssportlern, denn sie müssen dir ehrlich sagen können, wo es zwickt, wo sie Schmerzen haben, wo ihr Körper Hilfe braucht – trotz Leistungsdruck“, erklärt Göttl gegenüber fussball.news, dem Fußballportal von IPPEN.MEDIA.
Großes Lob für Jupp Heynckes
In seiner Zeit beim FC Bayern sammelte Göttl viele Erfahrungen mit verschiedenen Trainern. Besonders beeindruckte ihn Jupp Heynckes. „Er war wie ein Vater zu den Spielern“, erinnert sich Göttl, der heute eine eigene Praxis für Spitzensportler und Privatpatienten im Westen Münchens betreibt und Leiter der Physiotherapeuten-Einheit am Olympiastützpunkt Bayern in der Landeshauptstadt ist.
Der Weg zum Triple-Gewinn 2013 unter Trainer Jupp Heynckes war für den FC Bayern ein steiniger, schwerer Weg. Denn im Jahr 2012 erreichte der Verein in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League jeweils nur den zweiten Platz.
FC Bayern gibt Führung aus der Hand
Das „Finale dahoam“ 2012 gegen den FC Chelsea, das nach einer 1:0-Führung trotzdem noch im Elfmeterschießen verloren ging, bleibt Göttl für immer in Erinnerung. Da nicht alle Staff-Mitglieder des FC Bayern auf der Ersatzbank Platz nehmen konnten, verfolgte er das Spiel mit einem Kollegen von der Tribüne aus.
Thomas Müllers Tor in der 83. Minute ließ die Allianz-Arena erbeben, und der FC Bayern dominierte das Spiel. Kurz vor Schluss begab sich Göttl also mit seinen Kollegen zum Stadionaufzug, um rechtzeitig zum Abpfiff auf dem Spielfeld zu sein.
Bayern-Physio erinnert sich: „Haben bereits Humba getanzt“
„Die Freude war so groß, dass wir bereits im Aufzug Humba getanzt haben“, erinnert sich Göttl – und muss lachen.
Damals jedoch verflog die Freude schnell. Als die Aufzugtür sich öffnete, wollte Göttl zum Feiern auf den Platz. Im Vorbeilaufen blickte er auf TV-Bildschirme und blieb ungläubig stehen. 1:1? Wie konnte das sein?
„Im Stadioninneren hört man die Fans in der Allianz-Arena nicht. Wir haben das Gegentor verpasst und mussten mehrfach auf den Fernsehbildschirm blicken, um den Ausgleich zu realisieren“, berichtet er.
Dann galt es, sich schnell wieder zu fokussieren. Der Zeugwart eilte bereits entgegen und bat um Verpflegung für die Spieler. Für eine mögliche Verlängerung war alles bereits vorbereitet: isotonische Getränke, Kohlenhydratriegel und Bananen.
Niederlage gegen Chelsea im Elfmeterschießen
Die Stärkung half dennoch nichts. Der FC Bayern verlor im Elfmeterschießen mit 4:5. Die Enttäuschung bei Spielern und Fans war groß.
„Als wir am Ende mit dem Mannschaftsbus Richtung Innenstadt fuhren, sahen wir unfassbar viele Menschen auf den Straßen. Aber sie waren so traurig, das war unglaublich – und wird keiner von uns so schnell vergessen“, berichtet Göttl.
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Nächstes „Finale dahoam“ steht womöglich an
Schon bald könnte der FC Bayern nun erneut ein „Finale dahoam“ bestreiten. Ob Göttl dann als treuer Fan in der Allianz-Arena dabei sein wird, ist noch nicht absehbar.
Seit diesem Jahr ist der 43-Jährige, der selbst Tennis spielt, als Physiotherapeut auf der WTA Tour tätig. Am 31. Mai, dem Tag des Champions-League-Finales, finden die French Open in Paris statt.
Ob es im Stade Roland Garros ebenfalls Stadionaufzüge gibt, will Göttl noch herausfinden.
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