Bayern München meistert das Verteidigen: Kampfsieg in Paris
VonVinzent Tschirpke
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Bayern München präsentiert in Paris eine neue Stärke: das Verteidigen. Dies macht sie zum ernsthaften Titelkandidaten.
Paris – Joshua Kimmich antwortete kurz und deutlich. „Ja“, sagte der Münchner Sechser auf die Frage, ob die erste Halbzeit beim 2:1 (2:0)-Sieg gegen Paris Saint-Germain die beste Halbzeit in seiner Zeit beim FC Bayern gewesen sei. „Gegen einen Gegner auf so einem hohen Level mit so einer Art und Weise Fußball zu spielen und denen so wehzutun, hat sich sehr gut angefühlt.“
Tatsächlich zeigte der deutsche Rekordmeister in der französischen Hauptstadt in den ersten 45 Minuten eine offensive Topleistung und hätte zur Halbzeit sogar höher führen können – dann grätschte Luis Diaz jedoch Achraf Hakimi um und sah die Rote Karte. Die Statik des Spiels war mit einem Schlag verändert, statt anzugreifen mussten die Münchner die gesamte zweite Halbzeit in Unterzahl verteidigen.
Bayern hätte höher führen können
„Wir haben bis 25 Minuten nach der Halbzeit relativ wenig zugelassen. Wir haben selber zwar auch keine Chancen mehr gehabt, aber gegen eine der besten Fußballmannschaften Europas gespielt mit Fußballern, die schon mit Elf gegen Elf sehr stark sind“, zeigte sich daher auch Sportvorstand Max Eberl glücklich mit dem Auftritt seiner Mannschaft.
„Und was für uns jetzt wieder ein weiterer Schritt ist: Wir wissen, wenn wir mal nur verteidigen müssen, dass wir das auch können. Deswegen bedeutet der Sieg heute nicht nur schöne drei Punkte, sondern ist auch richtig viel wert.“ Josip Stanisic ergänzte: „Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur Fußball spielen können, sondern auch kämpfen können in solchen Spielen.“
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In der Tat sendet der Rekordmeister mit diesem Erfolg ein deutliches Signal an die europäische Konkurrenz. Schließlich wird die Münchner Abwehr in der Bundesliga kaum gefordert. Und so bestand trotz der historischen 15 Startsiege immer noch ein leiser Restzweifel, ob die Abwehr des Rekordmeisters auch gegen internationale Spitzenteams bestehen kann.
Die Antwort nach der Partie in Paris muss lauten: Das kann sie – und macht die Münchner damit automatisch zu einem Titelkandidaten. Joshua Kimmich trat dennoch auf die Euphoriebremse: „Es ist jetzt viel zu früh, darüber zu sprechen. Es waren schon viele Mannschaften im November sehr gut in Form“, so der 30-Jährige.
Mit Arsenal wartet der nächste Top-Gegner
„Am Ende entscheidet dann, wie man im März, April, Mai in Form ist. Heute konnten wir eine andere Facette zeigen – die wir über die Saison gesehen aber auch noch oft brauchen werden.“ Bis dahin wartet auf den FCB in der Champions League gleich der nächste Brocken.
Am 26. November tritt der Rekordmeister im nächsten Gipfeltreffen bei Arsenal London an, die die Premier-League- und Champions-League-Tabelle (punktgleich mit Bayern) anführen und am Dienstag mit 3:0 gegen Slavia Prag gewannen. Kimmich freut sich schon auf den nächsten Härtetest: „Da können wir dann ein weiteres Mal sehen, wo wir stehen.“ Nach dem 16. Sieg im 16. Saisonspiel lautet die Antwort: Ganz weit oben – und jetzt wissen die Münchner auch noch, wie man gegen Topteams verteidigen muss.