Selbst Kompany zeigt sich überrascht

Bayern-Party gegen Tottenham bringt großen Verlierer mit sich

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Der FC Bayern zeigt einen starken Auftritt gegen die Spurs – und überrascht damit sogar Vincent Kompany. Aber es gibt auch einen großen Verlierer.

München – Diese Bayern-Party macht definitiv Lust auf mehr! Der Rekordmeister befindet sich in auffällig guter Frühform – mit der Leistung beim Telekom Cup am Donnerstagabend gegen die Tottenham Hotspur (4:0) nach nicht einmal anderthalb Wochen Sommer-Vorbereitung war so nicht zu rechnen. „Ich muss sagen, es war überraschend gut“, war selbst Trainer Vincent Kompany etwas verdutzt.

Der FC Bayern lieferte gegen Tottenham Hotspur eine starke Vorstellung ab.

„Wir haben fünf richtige Einheiten an der Säbener Straße gehabt“, so der Coach nach der Partie bei Magenta TV: „Dass die Jungs so Fußball spielen wie heute, mit dieser Intensität, in der 1. und 2. Halbzeit. Das hat Spaß gemacht zuzuschauen.“ Zur ganzen Wahrheit gehört aber natürlich auch, dass die Spurs nach ihrer Asienreise sichtbar ausgelaugt wirkten.

Bayern-Party gegen Spurs bringt einen großen Verlierer mit sich

Dennoch, eine solche Leistung des FC Bayern macht nicht nur Kompany Hoffnung. Auch die Bosse um Max Eberl zeigten sich sehr zufrieden mit dem Auftritt der Mannschaft, die vor allem in der Offensive phasenweise zu begeistern wusste. So dürfte sich Kompany gleich mehrere Erkenntnisse in sein Heftchen geschrieben haben.

Michael Olise kann nämlich auch Zehner! Glänzt der ‚englische Franzose‘ sonst meist auf dem rechten Flügel, übernahm er gegen die Spurs die Musiala-Position als Art hängende Spitze und füllte auch diese überragend gut aus. Sein Traumpass auf Harry Kane vor dem 1:0 war Beweis genug und unterstrich, warum Olise für den Ballon d‘Or nominiert ist.

Einmal gibt‘s die 1 bei Kane-Novum: Bayern-Noten gegen Spurs

FC Bayern Muenchen FCB vs Tottenham Hotspur Spurs
Manuel Neuer: Im neuen dritten Torwarttrikot agierte Neuer gewohnt aufmerksam und ohne Fehler. Note: 3 © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
Konrad Laimer
Konrad Laimer: Konni, die Lokomototive! Marschierte wie gewohnt die rechte Seite auf und ab. War dadurch auch hin und wieder im Strafraum zu finden, verpasste in der zweiten Hälfte einen Treffer nach toller Diaz-Vorabeit. Note: 3 (ab 67. Sacha Boey, o.B.) © IMAGO/David Inderlied
Dayot Upamecano
Dayot Upamecano: Ihm tut es offensichtlich gut, wenn er einen stabilen Innenverteidiger-Partner hat. Im Verbund mit Tah hatte er Richarlison meist fest im Griff. Note: 3 (ab 67. Cassiano Kiala, o.B.) © IMAGO/Lennart Preiss/Shutterstock
Jonathan Tah
Jonathan Tah: Kann er Abwehr-Boss? Gegen die Spurs stabil, aber auch kaum gefordert. Das Zusammenspiel mit Upamecano funktionierte schon mal ohne große Probleme. Note: 3 (ab 67. Minjae Kim, o.B.) © IMAGO/David Inderlied
Josip Stanisic
Josip Stanisic: Offenbar taugt ihm die linke Abwehrseite immer mehr. Stanisic zeigte im Verbund mit Diaz eine ordentliche Leistung. Defensiv stabil, holte er gegen Ex-Teamkollege Palhinha sogar einen Strafstoß raus. Note: 2 (ab 67. Raphael Guerrerio, o.B.) © IMAGO/Lennart Preiss/Shutterstock
Joshua Kimmich
Joshua Kimmich: Teileweise überraschend unkonzentriert in der Anfangsphase. War aber dann da, wenn er gefordert war. Zu Not auch in der Defensive im Laufduell gegen Sarr. Note: 3 (ab 67. David Daiba, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Leon Goretzka
Leon Goretzka: Hatte gleich zu Beginn die erste dicke Chance nach Kimmichs Freistoßchip. Starke Aktion in der 25. Minute, als er in alter Manier in den Strafraum stürmte. Allgemein sehr offensivfreudig im direkten Duell gegen seinen alten Konkurrenten Joao Palhinha. Vergab in der 35. und 37. Minute aus guter Position am Strafraum. Note: 2 (ab 67. Tom Bischof, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Kingsley Coman
Kingsley Coman: Etwas überraschend kam Coman über rechts, weil Gnabry angeschlagen auf der Tribüne saß. Aber zum Ausprobieren ist die Vorbereitung bekanntlich ja da. Was heißt Ausprobieren? Coman machte seinen Job richtig stark und sorgte auf dem rechten Flügel immer wieder für Gefahr. Traumtor mit nach einer Stunde zum 2:0. Note: 1 (ab 67. Lennart Karl, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Michael Olise
Michael Olise: Wurde gegen die Spurs auf der Zehn ran – und zeigte nach zwei Minuten sofort, dass er auch im Zentrum brutal zocken kann. Olise ließ beim ersten Dribbling drei Spieler stehen, wurde gefoult und setzte den Freistoß aus 18 Metern dann selbst knapp neben den Kasten. Überragender Ball auf Kane vor dessen Treffer zum 1:0. War auch ansonsten der gefährlichste Offensivspieler der Bayern. Note: 2 (ab 67. Paul Wanner, o.B.) © IMAGO/osnapix / Michael Titgemeyer
Luis Diaz
Luis Diaz: Bayerns neuer Superstar durfte gegen Tottenham von Beginn an auf dem linken Flügel ran. Umtriebig, trickreich und immer wieder mit viel Finesse im letzten Drittel, fehlte Diaz aber vor dem Tor – wie schon gegen Lyon – das entscheidende Quäntchen Glück. Note: 2 (ab 76. Wisdom Mike, o.B.) © IMAGO/osnapix / Michael Titgemeyer
Harry Kane
Harry Kane: Im Spiel gegen die Alte Liebe erst bockstark mit der frühen Führung nach eiskalten Abschluss in der 12. Minute. Kurz darauf unglücklich, als ihm ein Novum unterlief: Kane scheiterte nämlich erstmals im Bayern-Trikot vom Elfmeterpunkt! Zu seiner Entschuldigung muss gesagt werden, dass er beim Schuss ausrutschte – der neue Arena-Rase scheint noch nicht festgewachsen. Kurz vor seiner Auswechslung scheiterte er nach toller Coman-Vorarbeit noch frei an Spurs-Keeper Vicario. Note: 3 (ab 67. Jonah Kusi Asare, o.B.) © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert

Auf dem rechten Flügel tauchte dieses Mal etwas ungewohnt Kingsley Coman auf, der sonst eher die linke Seite des Rekordmeisters beackert. Vielleicht ist diese Position gar etwas für die Zukunft? Da er mit seinem rechten Fuß als klassischer Winger seine Schnelligkeit deutlich besser einsetzen und so Kane, Olise und Co. mit Hereingaben versorgen kann.

Dass Coman auf rechts sogar torgefährlich ist, zeigt sein Sahntreffer mit dem schwachen linken Fuß zum 2:0 in der zweiten Hälfte. Auf dem linken Flügel ist sowieso Luis Diaz gesetzt. Hatte man nach dessen Wechsel vom FC Liverpool an die Säbener Straße zunächst Bedenken bezüglich Fitness und Akklimatisierung, so präsentiert sich der Top-Transfer fit und perfekt austrainiert.

„Das ist sehr paradox, weil er körperlich und physisch eigentlich am weitesten ist“, wunderte sich Kompany bereits vor dem Spiel gegen Tottenham über den Zustand von Diaz. Dass die Abläufe beim Kolumbianer noch nicht hundertprozentig drin sind, war am Donnerstagabend allerdings auch sichtbar. Der 28-Jährige versuchte in der Arena zwar viel, am Ende aber gelang nicht alles.

Da auch Harry Kane von der offensiven Bayern-Wucht mit Diaz, Olise und Coman extrem profitiert, lässt sich in der noch jungen Phase der Sommer-Vorbereitung auf die Leistung aufbauen. Vor allem, wenn man sieht, wie die Youngster performten, die nach gut einer Stunde für die etablierten Stars auf den Rasen kamen.

Lennart Karl unterstrich einmal mehr, dass man mit ihm mindestens als Backup auf dem rechten Flügel planen sollte. Dem 17-Jährigen gelang sehenswert sein erster Treffer in der fast ausverkauften Allianz Arena – inklusive astreinem TikTok-Jubel. Die Kirsche auf die Torte platzierte mit Jonah Kusi-Asare der nächste Youngster, der den traumhaften 4:0-Schlusspunkt setzte.

Serge Gnabry saß am Donnerstagabend beim 4:0-Sieg der Bayern beim Telekom Cup gegen Tottenham nur auf der Tribüne.

Serge Gnabry muss beim FC Bayern jetzt um seinen Platz bangen

Bei aller Partystimmung um Bayerns Offensive gibt es allerdings auch einen Verlierer, der – mal wieder – gar nicht auf dem Platz stand: Serge Gnabry. Der 30-Jährige fehlte aufgrund leichter muskulärer Probleme und sah die Offensivshow des FC Bayern lediglich von der Tribüne aus.

Bitter: Bereits beim Training zu Wochenbeginn war bereits auffällig, dass Gnabry beim Torabschluss nicht zwingend vor Selbstvertrauen strotzte. Dass er nun beim ersten richtigen Test, wieder mal nur die Rolle des Zuschauers hatte, dürfte ihn schmerzen. Daher darf bezweifelt werden, dass Kompany im internen Offensiv-Ranking Gnabry auf dem Zettel weit oben notiert hat … (smk)

Aus der Allianz Arena berichtet Florian Schimak

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bahho Kara

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