Sammer klagt nach Tod von Beckenbauer an: „Schäme mich dafür, was wir Franz angetan haben“
VonLina Krull
schließen
Nach Franz Beckenbauers Tod kritisiert Ex-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer den Umgang mit dem Kaiser nach der Sommermärchen-Affäre.
München – Für viele Fans ist der Name Franz Beckenbauer positiv konnotiert: der Kaiser, die Fußballlegende und der beste deutsche Fußballspieler aller Zeiten. Nach dem Ableben des 78-jährigen Beckenbauers am vergangenen Sonntag geraten allerdings immer wieder auch Schatten seines Seins in den Fokus. Vor allem die Affäre um das Sommermärchen 2006 ist seit Jahren durch die laufenden Gerichtsprozesse in den Schlagzeilen. Ex-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer bedauert nun den Umgang mit Beckenbauer bezüglich des Skandals.
Sammer schämt sich für Umgang mit Beckenbauer nach WM-Affäre
In einem Interview mit t-online spricht Matthias Sammer über sein Verhältnis zum Kaiser – und auch über die Affäre um das Sommermärchen. In dem 2015 erstmals aufgedeckten Skandal um bis heute ungeklärte Zahlungen nach der WM-Vergabe im Jahr 2000 hatte Beckenbauer als damaliger Chef des WM-Organisationskomitees eine zentrale Rolle inne. Die Ermittlungen sind immer noch nicht abgeschlossen – am 4. März 2024 werden vor dem Landgericht Frankfurt am Main die Verhandlungen fortgesetzt.
Der ehemalige DFB-Direktor Sammer moniert: „Wir alle haben Franz Beckenbauer vorgeschickt und alle wussten, mit welchem korrupten System, welchen Anforderungen, die dieses Fifa-Konzil in sich trägt, er es am Ende zu tun haben würde. Ich weiß nicht, wie er es am Ende geschafft hat, die WM 2006 nach Deutschland zu bringen“, so der 56-Jährige und holt weiter aus: „Ihn dann aber so zu attackieren, weil er dafür dieses System irgendwo bearbeiten musste, das ist Heuchelei. Das tut mir sehr, sehr weh. Ich finde es unwürdig und schäme mich ein Stück weit dafür, was wir, dieses ganze Land und unsere Medien ihm angetan haben.“
„Trotzdem hat Deutschland ihm gegenüber versagt“: Ex-Bayern-Sportvorstand teilt aus
Der Kaiser holte die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als Chef des Organisationskomitees nach Deutschland. Nach Aufdeckungen des Magazins Der Spiegel sollen nach der Vergabe im Jahr 2000, die Deutschland mit 12:11 Stimmen gegen Südafrika gewinnen konnte, 6,7 Millionen Euro an die Fifa geflossen sein. Der Vorwurf an Franz Beckenbauer: Korruption.
Matthias Sammer stand trotz des negativen Lichts, das seit Jahren auf Beckenbauer fällt, immer hinter der FCB-Legende, weil „niemand ist perfekt auf dieser Welt“, so der Fußballfunktionär und stellt klar: „Und trotzdem hat Deutschland ihm gegenüber versagt.“ Für ihn sei der Weltmeister von 1974 und 1990 „einer der wichtigsten Ratgeber und Wegbegleiter“ in seinem Leben gewesen. Auf den Vorschlag von Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld, die Allianz Arena nach Beckenbauer zu benennen, reagiert Sammer zudem.
Franz Beckenbauer: Karriere und Leben des Kaisers in Bildern
Gegenüber t-online erzählt Sammer, „Franz hätte grundsätzlich alles verdient. Egal, ob es ein Stadion oder ein Wettbewerb ist. Es ist eigentlich gar nicht aufzuwiegen, was alles nach ihm benannt werden müsste“, findet der gebürtige Dresdner. Aktuell sollte das allerdings seiner Meinung nach nicht zur Diskussion stehen. Sammer meint nämlich, es sei noch nicht der richtige Zeitpunkt, „wir befinden uns alle noch in einer Phase des Innehaltens, der Trauer um ihn.“