Bayern-Tore wie am Fließband: Auch ein legendärer Real-Rekord mit CR7 im Visier
VonPeter Grad
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Der FC Bayern erzielte bereits vor der Winterpause zahlreiche (Tor-)Rekorde. Nach dem 8:1-Kantersieg über Wolfsburg wackelt nicht nur der BL-Bestwert wie nie zuvor.
München – In der Saison 2020/21 konnte Robert Lewandowski den Torrekord von Gerd Müller aus der Spielzeit 1971/72 um einen Treffer auf 41 verbessern. Ausschlaggebend war dabei die Trefferquote bei den Elfmetern: Während der Pole bei acht von neun Versuchen erfolgreich war, traf der eigentlich auch als guter Schütze geltende „Bomber“ kein einziges Mal vom Punkt und verschoss dreimal. Ein weiterer BL-Rekord aus jener großartigen Ära von Müller, Franz Beckenbauer & Co. gerät aktuell mehr denn je in Gefahr.
1971/72 erzielte nicht nur Müller einen lange Zeit als unbrechbar geltenden Rekord, seine 40 Treffer trugen auch dazu bei, dass der FC Bayern insgesamt 101 Tore (bei 38 Gegentoren) schoss – noch heute bedeutet diese Marke einen überragenden Bundesligarekord. Nur Hansi Flicks Triple-Team übertraf mit exakt 100 Toren in der Spielzeit 2019/20 ein zweites Mal die Schallmauer.
Die aktuelle Torquote der Bayern ist eine neue Dimension
Bereits 90 Saisontore stellen im deutschen Fußball-Oberhaus einen überragenden Wert dar – außer dem Rekordmeister (insgesamt elfmal) gelang dieses Kunststück nur noch dem Hamburger SV (1981/82) und Borussia Mönchengladbach (1973/74). 2020/21 und in der letzten Spielzeit kratzten die Bayern mit jeweils 99 Toren noch zweimal an einem dreistelligen Torergebnis.
Bei derzeit 63 Toren nach lediglich 16 Spieltagen scheinen Vincent Kompanys Bayern jedoch in dieser Saison nicht mehr daran gehindert werden zu können, den 54-jährigen BL-Rekord der Lattek-Mannschaft zu brechen. Eine Hoffnung, die sich in den letzten vier Spielzeiten wiederholt nicht erfüllte, obwohl man zum Ende der Hinserie immer auf Rekordkurs lag: 2021/22, in der ersten Nagelsmann-Saison, lag man mit 56 Treffern nach 17 Spielen klar über dem Wert von 1971/72 („nur“ 47 Tore), aber auch im ersten Kompany-Jahr schien dieses Ziel nach 53 Toren in der ersten Halbserie möglich zu sein.
FC Bayern jagt historischen Rekord: Die torgefährlichsten Top-Teams aller Zeiten
Die bislang erzielten 63 Treffer, man kann das Hinrunden-Konto in Köln sogar noch auffüllen, sind aber noch einmal eine andere Hausnummer. Sie bedeuten einen sagenhaften Schnitt von 3,94 Toren pro Partie, was wiederum hochgerechnet auf 34 Spiele überragende 134 Tore zum Saisonende bedeuten würde.
Anders gerechnet: In den restlichen 18 BL-Partien fehlen „nur“ noch 39 Tore, um die 101 aus 1971/72 zu überbieten, ein Schnitt von vergleichsweise bescheidenen 2,17 Treffern pro Spiel. Dabei hat der FC Bayern in den letzten 24 BL-Spielen immer zwei oder mehr Tore erzielt. Zuletzt gelang dies nicht beim 1:1 im Auswärtsspiel bei Union Berlin am 15. März 2025.
Das „Trio Infernale“ des FC Bayern
Vor 54 Jahren war übrigens das Sturm-Duo aus Gerd Müller und Uli Hoeneß mit zusammen 53 Toren (40/13) maßgeblich am Rekord beteiligt. Dieser Wert wurde in der BL-Historie nur ein einziges Mal übertroffen: Um genau einen Treffer vom kongenialen Wolfsburger Duo aus Grafite und Edin Džeko (28/26) in der Meister-Saison 2008/09.
Die aktuellen Bayern laufen dagegen regelmäßig mit dem „Trio Infernale“ Harry Kane, Michael Olise und Luis „Lucho“ Díaz auf. In den bisherigen 16 Partien hat dieses Trio zusammen 38 Tore (20/9/9) erzielt und kommt insgesamt auf unglaubliche 64 Scorer-Punkte. Daneben treffen auch Serge Gnabry, Lennart Karl und Nicolas Jackson auf einem guten Niveau. Dazu wird Jamal Musiala bald sein Comeback feiern.
Greifen die Bayern Real Madrids „Europarekord“ an?
Dass Kompanys torhungrige Truppe den alten Rekord von 1971/72 übertreffen wird, erscheint angesichts der aktuell gezeigten Leistungen und der Daten fast schon logisch. Aber kann sie in den nächsten vier Monaten sogar auch noch den Europarekord (Top-5-Ligen) von Real Madrid aus der Saison 2011/12 angreifen? Die Königlichen erzielten damals in 38 Spielen überragende 121 Tore, ein Torschnitt von 3,18 pro Partie, in der Bundesliga wären das hochgerechnet 108 Treffer.
Übrigens ist so ein Torrekord keine Garantie dafür, auch international erfolgreich zu sein: Cristiano Ronaldo, Kaká & Co. schieden damals im Halbfinale der Champions League gegen den FC Bayern im Elfmeterschießen aus.