VonIngo Durstewitzschließen
Solider Einstand der beiden Neuzugänge: Sasa Kalajdzic und Donny van de Beek passen sich bei ihrem Auftritt im Eintracht-Dress gleich ins Gefüge ein.
Eigentlich hat sich Sasa Kalajdzic ganz gut gefühlt. In der Halbzeitpause noch. Da haben ihn die Eintracht-Verantwortlichen gefragt, wie lange er denn noch spielen könne in der umkämpften Partie bei RB Leipzig. „Schaut gut aus“, hat der baumlange Frankfurter Zugang geantwortet. Doch zuweilen überholen sich die eigenen Annahmen schneller als gedacht. Kaum stand der 26 Jahre alte Angreifer wieder auf dem Feld, „haben plötzlich meine Hamstrings gepfiffen“. Hamstrings? Sind Muskeln in der Rückseite des Oberschenkels, und damit ist nicht zu spaßen. So ein Faserriss an dieser Stelle kann eine mehrwöchige Zwangspause nach sich ziehen. Also verließ Kalajdzic nach einer guten Stunde das Feld – genauso wie der andere Neue im Eintracht-Dress, Donny van de Beek. Beide haben ihre Sache ordentlich gemacht, solide, so gut es eben ging. Mehr war beim Debüt wohl nicht zu erwarten.
Beide kommen schließlich, wenn man so will, aus einer spielfreien Zeit, in ihren Klubs in England haben sie keine Rolle gespielt. Kalajdzic durfte bei den Wolverhampton Wanderers Anfang Dezember das letzte Mal mittun, zweimal für eine Minute. Das war es schon. Donny van de Beek erging es bei Manchester United noch schlimmer, er kommt in dieser Saison in der Premier League auf eine Spielzeit von genau zwei Minuten. Nicht die Welt.
Da ist es kaum verwunderlich, dass beide noch etwas Zeit brauchen werden, um sich körperlich auf ein Toplevel zu hieven, sie werden weiter hart an ihrer Fitness arbeiten müssen. Andererseits ist es ja nicht so, dass sie aus einer Verletzung kommen und ihren Körper quasi von null auftrainieren müssen. Sie standen im Trainingsbetrieb ihrer Klubs; was ihnen fehlt, ist die Matchpraxis und Wettkampfhärte und dadurch auch die letzten Prozentpunkte Fitness.
Trainer Dino Toppmöller ist sich darüber im Klaren, dass beide noch Nachholbedarf haben, entsprechend habe er nicht genau gewusst, was sie schon leisten können und was noch nicht. Der Coach wollte zwar nicht von „einer Wundertüte“ sprechen, „aber wir wussten nicht, wo stehen die beiden richtig.“ Gerade für Mittelfeldmann van de Beek sei seine Premiere nicht leicht gewesen, weil „wir zu viel verteidigen mussten und zu wenig Entlastung hatten“. Der Niederländer sei ein Spieler, „der es liebt, wenn wir selbst den Ball haben, weil er ein sehr guter Fußballer und ein sehr schlauer Spieler ist“. Am Samstag habe er zu viel Defensivarbeit verrichten müssen.
Bruch nach Auswechslung
Die aber nahm der 26-Jährige durchaus an, war sich für keinen Zweikampf zu schade und ging jeden Meter mit. Die spielerischen Akzente konnte er nicht setzen. Das soll noch kommen, bei beiden. „Sie werden uns in den nächsten Wochen helfen, gerade in den Spielen, in denen wir mehr den Ball haben“, so Toppmöller.
Dann soll auch Sturmriese Kalajdzic ein Faktor sein. Anders als in Leipzig, dort hatte er ein paar Ablagen, hat mal hier einen Ball festgemacht oder ihn dorthin weitergeleitet, wie vor Mario Götzes Großchance (57.) – das war es auch schon. Und doch: Schon in Leipzig riss der Faden, als der Österreicher rausging und Jessic Ngankam reinkam.
Toppmöller war zufrieden mit dem Einstand. „Es sind zwei Topspieler, die nicht diesen Rhythmus, aber alles reingeschmissen haben. Sie haben sich nahtlos in eine funktionierende Mannschaft eingefügt“, sagte er und wies völlig zu Recht auf etwas hin, was vor dem Spiel ein großes Thema war und dann fast keine Erwähnung mehr fand: „Man darf nicht vergessen, dass drei für uns extrem wichtige Spieler gerade nicht da sind.“ Omar Marmoush, Fares Chaibi und Ellyes Skhiri sind beim Afrika-Cup im Einsatz. Zumindest in Leipzig war das zu verschmerzen. Ein kleines bisschen lag es auch am neuen Duo aus England. dur
