VonPhilipp Kesslerschließen
Alphonso Davies zog sich bei einem Länderspiel der kanadischen Nationalmannschaft einen Kreuzbandriss zu und fehlt dem FC Bayern monatelang. Nun beklagt sein Berater schwere Fehler.
München - Als sich Bayern-Star Alphonso Davies beim Nations-League-Spiel um Platz drei zwischen Kanada und den USA das Kreuzband riss, war Berater Nick Huoseh im Sofie-Stadium in Los Angeles vor Ort. Im tz-Interview erklärt er, warum er Nationaltrainer Jesse Marsch eine Mitschuld an der Verletzung gibt.
Herr Huoseh, das Wichtigste zuerst: Wie geht es Alphonso Davies mental? Ein Kreuzbandriss ist eine der schlimmsten Verletzungen, die ein Fußballspieler erleiden kann.
Ich habe mit ihm gesprochen, natürlich ist er mit der Situation alles andere als zufrieden. Er wollte für den FC Bayern in den kommenden wichtigen Wochen zur Verfügung stehen.
Sie waren beim Spiel der kanadischen Nationalmannschaft gegen die USA im Stadion. Wie besorgt waren Sie unmittelbar nach dem Foul an Alphonso?
Schon in dem Moment, als er zu Boden ging, hatte ich ein ungutes Gefühl. Ich war besorgt.
Kanadas Co-Trainer Mauro Biello meinte nach Spielende, dass die Verletzung nicht so schlimm sei und verriet, dass Alphonso bereits nach dem Spiel gegen Mexiko angeschlagen war. Er hätte am besten also gar nicht spielen sollen – oder?
Er hätte im Freundschaftsspiel um Platz 3 gegen die USA nicht spielen dürfen. Ich war überrascht, dass er anfing, denn er hatte mitgeteilt, dass er nicht in der Lage sei, zu beginnen. Eine Quelle innerhalb des kanadischen Verbands sagte mir am Freitagabend, dass Alphonso nicht in der Startelf stehen würde, aber vielleicht ein paar Minuten bekommen würde. Ich habe ihnen gesagt, dass er überhaupt nicht spielen sollte
Nick Huoseh (rechts) berät Alphonso Davies schon seit Jahren und steht ihm auch jetzt zur Seite.
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Machen Sie Nationaltrainer Jesse Marsch Vorwürfe?
Meiner Meinung nach hätte er die Situation besser abwägen sollen, diese schlimme Verletzung hätte zu 100 Prozent vermieden werden können. Jesse Marsch war vor seiner Zeit in Kanada als Profitrainer auf höchstem Niveau in Europa tätig. Daher sollte er wissen, dass man gegenüber einem Spieler kein Risiko eingehen darf, wenn er sich nicht einsatzbereit fühlt und signalisiert, dass er nicht spielen kann. Bei der Nationalmannschaft sollten keine emotionalen Entscheidungen getroffen werden, nur um individuelle Erfolge zu feiern. Mir ist schon bewusst, dass die Motivation zu gewinnen bei einem Länderspiel gegen die USA entsprechend groß ist – aber die Gesundheit der Spieler sollte immer an erster Stelle stehen. Die Nationalmannschaften müssen ihre Spieler besser schützen.
Wie sehen die nächsten Schritte von Alphonso aus und wann ist sein Comeback realistisch?
Ich weiß, dass er beim medizinischen Team des FC Bayern in guten Händen ist und sich von diesem Rückschlag erholen wird. Interview: Philipp Kessler
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