Ausrutscher verboten

Schicksalsspiel für den FC Bayern – letzte Meister-Hoffnung Union?

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Sieben Punkte Rückstand hat der FC Bayern auf Tabellenführer Leverkusen. Im Nachholspiel gegen Union Berlin können die Münchner etwas Boden gutmachen.

München – Den letzten drei Betriebsunfällen des FC Bayern München folgten jeweils – Gott sei Dank! – andere Wettbewerbe. Das 0:3 im Supercup gegen Leipzig wurde mit einem Sieg zum Bundesliga-Start gegen Bremen relativiert, das Pokal-Aus in Saarbrücken mit der richtigen Antwort beim 4:0 im Liga-Topspiel gegen den BVB und das 1:5 in Frankfurt im November mit einem Sieg bei Manchester United in der Champions League. Eine neue Aufgabe, ein anderer Fokus, das hilft ja gerne, um sich abzulenken, den Blick nach vorne zu richten. Diesen Luxus allerdings haben die Bayern nach dem schmerzhaften 0:1 gegen Bremen am Sonntag nicht. 75 Stunden vergehen zwischen Abpfiff der Blamage und Anpfiff der nächsten Bundesliga-Partie. Und jedem ist bewusst, was passiert, wenn dieses Nachholspiel am Mittwoch gegen Union Berlin nicht gewonnen wird.

Bayern-Boss Dreesen fordert eine Reaktion der Mannschaft

Jan-Christian Dreesen formulierte es trotz aktuell sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen in seinem Wort zum Sonntag etwas wohlwollender. „Gegen Union kann die Mannschaft zeigen, dass sie aus der Niederlage etwas gezogen hat und sich entsprechend wehrt“, sagte der CEO nach der ersten Pleite des Jahres 2024. Er verpasste es aber nicht, auf das bis dahin bestehende „Gesprächspotenzial“ hinzuweisen, von dem es „eine Menge“ gebe.

Die akuten Fragen, die dieser über 70 Minuten blutleere Auftritt gegen den Abstiegskandidaten von der Weser aufwarf, liegen auf der Hand. Warum war Bremen „griffiger und giftiger“ (Joshua Kimmich)? Warum macht man schwache Gegner „selber stark“ (Dreesen)? Warum hat man „im Training so viel mehr Freude und Energie auf dem Platz“ (Thomas Müller)? Warum kam „das Aufwachen zu spät“ (Manuel Neuer)? Warum hat man nicht das Gefühl, „dass wir wissen, um was es geht“ (nochmal Kimmich)? Müller fasste den Arbeitstag passend als „Schlag ins Gesicht“ zusammen, von dem es sich nun im Schnelldurchlauf zu erholen gilt. Dreesen gab als Parole gleich die Worte „neu anfangen“ aus. Alles auf null, abputzen, weitermachen. Nur: Wie?

Harry Kane (r) und die Bayern mussten sich Werder Bremen geschlagen geben.

FC Bayern: Das Nachholspiel wird zur Schicksalpartie

Am Montag war erst mal Auslaufen angesagt, die erste echte Einheit „danach“ ist auch gleichzeitig die einzige „davor“ – und Union kommt nach der Spielabsage vom Freitag ausgeruht nach München. Normalerweise ist die Partie gegen den Tabellen-15. ein Pflichtsieg. Weil man aber das Gefühl hat, dass die Bayern aktuell nicht mal aus sich selbst schlau werden, wird das Nachholspiel aus dem Dezember zu einer kleinen Schicksalspartie.

Kapitän Manuel Neuer forderte: „Wir müssen von Anfang an da sein und ein anderes Gesicht zeigen.“ Das, das man aus dem Training kennt, wie alle Beteiligten vehement beteuerten. Nur Tuchel sagte konsterniert: „Ich habe keine Lust mehr, dass ich sage, dass wir gut trainieren. Das glaubt ja langsam keiner mehr.“

Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars

Manuel Neuer hat seinen Vertrag beim FC Bayern nun noch einmal verlängert und wird daher bis mindestens 2025 den Kasten des Rekordmeisters hüten.
Manuel Neuer hat seinen Vertrag beim FC Bayern nun noch einmal verlängert und wird daher bis mindestens 2026 den Kasten des Rekordmeisters hüten. © IMAGO/Maik Hölter/TEAM2sportphoto
Jonas Urbig kam im Januar 2025 vom 1. FC Köln in die bayerische Landeshauptstadt, sein Vertrag läuft bis Sommer 2029.
Jonas Urbig kam im Januar 2025 vom 1. FC Köln in die bayerische Landeshauptstadt, sein Vertrag läuft bis Sommer 2029. © Ulrich Wagner / Imago Images
Sven Ulreich hat ein Arbeitspapier beim FC Bayern bis 2025.
Auch Sven Ulreich hat inzwischen ein Arbeitspapier beim FC Bayern bis 2025.  © IMAGO/Wolfgang SCHNEBLE / SVEN SIMON
Daniel Peretz bei seiner Bayern-Vorstellung
Daniel Peretz (li.) kam im Sommer 2023 von Maccabi Tel Aviv nach München und unterschrieb bis 2028. © IMAGO/FC BAYERN MUENCHEN
Als erster externer Neuzugang wurde im Sommer 2024 Hiroki Ito präsentiert. Der Abwehrspieler kam vom VfB Stuttgart, soll rund 30 Millionen Euro gekostet haben und unterschrieb bis 2028.
Als erster externer Neuzugang wurde im Sommer 2024 Hiroki Ito präsentiert. Der Abwehrspieler kam vom VfB Stuttgart, soll rund 30 Millionen Euro gekostet haben und unterschrieb bis 2028. © Langer / Imago Images
Die einjährige Leihe zu Bayer Leverkusen erwies sich für Josip Stanisic als Erfolg. Zur Saison 24/25 verteidigt er wieder für den FC Bayern, der zudem eine Ausdehnung des Kontrakts bis 2029 verkündete.
Die einjährige Leihe zu Bayer Leverkusen erwies sich für Josip Stanisic als Erfolg. Zur Saison 24/25 verteidigt er wieder für den FC Bayern, der zudem eine Ausdehnung des Kontrakts bis 2029 verkündete. © Ulrich Wagner / Imago Images
Sacha Boey kam im Winter-Transferfenster 23/24 von Galatasaray, verbuchte aber in seinen ersten sechs Monaten in Deutschland kaum Einsatzzeit. Sein Kontrakt endet nach der Saison 27/28.
Sacha Boey kam im Winter-Transferfenster 23/24 von Galatasaray, verbuchte aber in seinen ersten sechs Monaten in Deutschland kaum Einsatzzeit. Sein Kontrakt endet nach der Saison 27/28. © Revierfoto / Imago Images
Für kolportierte 50 Millionen Euro lockte der FCB 2023 Kim Min-jae an die Isar, der Innenverteidiger unterzeichnete bis 2028.
Für kolportierte 50 Millionen Euro lockte der FCB Kim Min-jae an die Isar, der Innenverteidiger unterzeichnete bis 2028. © IMAGO/Ulmer
Eric Dier schloss sich im Januar 2024 zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis dem FCB an, Anfang März griff eine Klausel, die den Engländer bis 2025 an den deutschen Rekordmeister bindet.
Eric Dier schloss sich im Januar 2024 zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis dem FCB an, Anfang März griff eine Klausel, die den Engländer bis 2025 an den deutschen Rekordmeister bindet. © ANP / Imago Images
Tarek Buchmann bei der Teamvorstellung des FC Bayern München
Der FC Bayern und Innenverteidiger-Talent Tarek Buchmann einigten sich beim ersten Profivertrag auf eine Laufzeit bis 2026. © IMAGO/Mladen Lackovic
Vom Bundesliga-Konkurrenten Borussia Dortmund kam Raphael Guerreiro 2023 ablösefrei zum FCB und bindet sich bis 2026 an den Rekordmeister.
Vom Bundesliga-Konkurrenten Borussia Dortmund kam Raphael Guerreiro ablösefrei zum FCB und bindet sich bis 2026 an den Rekordmeister. © IMAGO/Revierfoto
Alphonso Davies hat seinen Vertrag beim FC Bayern München bis 2030 verlängert.
Alphonso Davies hat seinen Vertrag beim FC Bayern München bis 2030 verlängert. © Boris Schumacher/imago
Das aktuelle Arbeitsverhältnis von Dayot Upamecano mit dem FC Bayern würde 2026 enden.
Die Vertragslaufzeit von Dayot Upamecano beträgt noch über drei Jahre. Das aktuelle Arbeitsverhältnis mit dem FC Bayern würde 2026 enden.  © Markus Fischer/imago
Nach der Vertragsverlängerung im Juni 2024 ist Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlovic bis 2029 gebunden.
Nur einen Monat nach Krätzig erhielt Aleksandar Pavlovic seinen ersten Profivertrag in München, auch er soll bis mindestens 2027 bleiben. © UWE KRAFT / Imago
Nach langem Hin und Her ist klar: Joshua Kimmich bleibt bis 2029 beim Rekordmeister.
Joshua Kimmich darf immer häufiger mit der Kapitänsbinde auflaufen. Das Arbeitspapier des Nationalspielers ist bis 2029 datiert.  © Imago
Für den Portugiesen Joao Palhinha griffen die Münchner tief in die Tasche, rund 50 Millionen Euro sollen auf das Konto des FC Fulham geflossen sein. Der defensive Mittelfeldspieler unterschrieb beim FCB bis 2028.
Für den Portugiesen Joao Palhinha griffen die Münchner tief in die Tasche, rund 50 Millionen Euro sollen auf das Konto des FC Fulham geflossen sein. Der defensive Mittelfeldspieler unterschrieb beim FCB bis 2028. © Lackovic / Imago Images
Der Vertrag von Konrad Laimer, ebenfalls 2023 ablösefrei von RB Leipzig nach München gekommen, hat bis 2027 Gültigkeit.
Der Vertrag von Konrad Laimer, ablösefrei von RB Leipzig nach München gekommen, hat bis 2027 Gültigkeit. © IMAGO/Markus Fischer
Nationalspieler Leon Goretzka beackert das Bayern-Mittelfeld schon seit 2018. Der aktuelle Kontrakt läuft bis 2026.
Nationalspieler Leon Goretzka beackert das Bayern-Mittelfeld schon seit 2018. Der aktuelle Kontrakt läuft bis 2026.  © Danilo Di Giovanni/imago
Das Offensiv-Talent Gabriel Vidovic war bis Februar an Mainz 05 verliehen. Aufgrund der Personalbreite wurde der 21-Jährige zurückbeordert. Sein Vertrag gilt noch bis 2026.
Das Offensiv-Talent Gabriel Vidovic war bis Februar an Mainz 05 verliehen. Aufgrund der Personalbreite wurde der 21-Jährige zurückbeordert. Sein Vertrag gilt noch bis 2026. © IMAGO/Silas Schueller/DeFodi Images
Lange wurde es herbeigesehnt, Anfang Februar machte es der FC Bayern offiziell: Jamal Musiala hat seinen Vertrag bis 2030 verlängert.
Lange wurde es herbeigesehnt, Anfang Februar machte es der FC Bayern offiziell: Jamal Musiala hat seinen Vertrag bis 2030 verlängert. © Mladen Lackovic/imago
Leroy Sane steht noch bis 2025 beim FC Bayern München unter Vertrag.
Leroy Sane steht noch bis 2025 beim FC Bayern München unter Vertrag.  © Frank Hoermann/Sven Simon
Der „King“ Kingsley Coman ist sogar noch zwei Jahre länger gebunden – bis 2027.
Der „King“ Kingsley Coman ist sogar noch ein Jahr länger gebunden – bis 2027. © Memmler/imago
Mit Michael Olise verstärkt einer der Shootingstars der vergangenen Premier-League-Saison die Stürmer-Abteilung beim deutschen Rekordmeister. Über 50 Millionen Euro sollen an Crystal Palace geflossen sein, in München unterschrieb der Angreifer bis 2029.
Mit Michael Olise verstärkt einer der Shootingstars der vergangenen Premier-League-Saison die Stürmer-Abteilung beim deutschen Rekordmeister. Über 50 Millionen Euro sollen an Crystal Palace geflossen sein, in München unterschrieb der Angreifer bis 2029. © Sebastian Frej / Imago Images
Harry Kane bei einem Spiel des FC Bayern München
Mit einer angeblichen Ablöse von rund 100 Millionen Euro plus möglichen Boni ist Harry Kane der teuerste FCB-Einkauf der Geschichte. Sein Kontrakt läuft bis 2027. © IMAGO/Ulmer
Thomas Müller bleibt Münchner. Im Dezember 2023 verlängerte das Urgestein und unterschrieb einen neuen Vertrag bis zum Ende der Saison 2024/25.
Bis 2025 ist ebenfalls der Ur-Bayer Thomas Müller an die Münchner gebunden.  © ULMER/imago
Stürmer Serge Gnabry ist vertraglich bis 2026 an die Bayern gebunden.
Um Serge Gnabry gab es zuletzt immer wieder Wechsel-Gerüchte. Er ist vertraglich bis 2026 an die Bayern gebunden.  © Martin Hangen/imago

Bayern stehen unter Zugzwang

Nicht sonderlich gut gelaunt war der Coach nach Abpfiff – verständlich! Denn auch wenn er selbst beteuerte, dass Gedankenspiele in Richtung Meisterschaft „viel zu früh“ seien, weiß er um die Alarmglocken im Hintergrund. Die Hoffnung des 50-Jährigen: „dass wir ins Handeln kommen!“ Auch Konrad Laimer stellte klar: „Es bringt nichts, wenn wir nur rumreden.“ Neuer sagte treffend: „Wir sind jetzt der Jäger – das muss in die Köpfe rein.“ Kimmich ergänzte: „Wir dürfen uns keinen Patzer mehr erlauben.“ Leverkusen schaut am Mittwoch ganz entspannt zu. Kann ja nichts passieren. Hanna Raif, Philipp Kessler

Rubriklistenbild: © Lukas Barth/dpa

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