Champions League

Eintracht Frankfurt: Königsklasse als Beschleuniger

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Die Eintracht strebt nach den Sternen.
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Eintracht Frankfurt hat beste Aussichten, sich für die Champions League zu qualifizieren – das wäre ein Meilenstein.

Platz drei, sieben Spieltage vor Schluss, den Vorsprung auf die Verfolger ausgebaut, zuletzt vier von fünf Pflichtspielen gewonnen, also: Quo vadis, Eintracht? Ab in den Himmel, rauf ins Reich der Könige?

Hier noch ein paar Fakten: Mit 48 Zählern auf dem gut gefüllten Konto hat der Fußball-Bundesligist nach 27 Spieltagen bereits jetzt die Abschlussmarke der Vorsaison gebrochen – vor einem Jahr hatten die Hessen am Saisonende 47 Punkte eingesammelt. Das reichte nach einer ruckeligen, uncoolen Rückrunde immerhin zu Platz sechs. Mehr war nicht drin, es war das höchste der Gefühle, und ja auch nicht schlecht.

Diese Platzierung wäre in dieser Spielzeit aber eine tiefe Enttäuschung. Gar keine Frage. Alldieweil: Seit mehr als fünf Monaten liegen die Hessen auf Kurs Champions League, purzelten nicht ein einziges Mal aus den bedeutenden Rängen hinaus. Die Eintracht ist in dieser Saison sowieso einfach besser, fußballerisch und tabellarisch – obwohl sie ihren Ausnahmestürmer Omar Marmoush im Januar für unmoralisch viel Geld auf die Insel verkaufte, für 80 Millionen Euro.

Aktuell rangiert die Eintracht fünf Punkte vor dem ersten Platz, der nicht für die Königsklasse berechtigen würde. Das ist nichts Sicheres und Komfortables, aber eben doch ein weiches Polster. Ob es reichen wird zum Schluss?

Schwächelnde Schwergewichte

Interessant: In den vergangenen fünf Jahren verspielten nur zwei Klubs noch den Champions-League-Einzug, die nach 27 Spieltagen auf Rang drei oder vier lagen: Bayer Leverkusen – und eben Eintracht Frankfurt. Vor ziemlich genau vier Jahren hatten die Hessen zum vergleichbaren Zeitpunkt mehr Punkte auf dem Konto (50) und eine ähnlich gute Ausgangssituation wie dieses Mal. Damals knickten die Frankfurter aber auf den letzten Metern noch ein und verzockten einen veritablen Vorsprung (sieben Zähler) auf Borussia Dortmund.

Seinerzeit setzte aber auch ein unschönes Theater um Cheftrainer Adi Hütter ein, dessen Wechsel nach der Saison nach Mönchengladbach nach draußen sickerte. Das ist heute undenkbar, Dino Toppmöller lebt den Verein mit jeder Faser seines Körpers. Wird dieses Mal also alles glatt laufen?

Der 1:0-Sieg am Samstag gegen den VfB Stuttgart war ganz sicher von „eminent großer Bedeutung“, wie nicht nur Cheftrainer Toppmöller findet. Der Erfolg, und auch die Art und Weise, wie er errungen wurde, war ein Ausrufezeichen, ein Statement. Die Eintracht hat den Platz hinter dem Top-Duo Bayern und Bayer manifestiert, sie geht durchaus als Favoritin in den Endspurt um die Plätze drei und vier.

Die Verfolger patzen in schöner Regelmäßigkeit, und auch die Großkaliber kommen nicht auf Touren: RB Leipzig liegt sechs und Borussia Dortmund zehn Punkte zurück, Vizemeister VfB Stuttgart gar elf Punkte. Es war schon immer klar, dass ein Klub wie die Eintracht, die qua finanzieller Ausstattung nicht automatisch zu den Top-Vier gehört, immer auf Ausrutscher der Schwergewichte hoffen muss, um weit oben reinzurutschen. In diesem Jahr sind derzeit – tabellarisch gesehen – Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach die ärgsten Kontrahenten.

Die Eintracht hat ein moderates Restprogramm, kein einfaches, aber ein stemmbares. Sie muss noch gegen Leipzig zu Hause ran, aber auch in Mainz und Freiburg, zudem auswärts am Samstag in Bremen und auch noch bei unangenehmen Augsburgern. Aber Bundesliga ist ja kein Wunschkonzert.

Es wird vielmehr darum gehen, den Fokus zu bewahren, immer das ganze Herz auf dem Platz zu lassen und den Spagat zu schaffen zwischen der Europa League und der Bundesliga. Das wird schwer genug, weil die Frankfurter es sich klar zum Ziel gesetzt haben, in beiden Wettbewerben das Maximum rauszuholen. Undenkbar in diesem Jahr, die Bundesliga quasi abzuschenken. Oder andersherum. Das wäre bei den Aussichten nahezu absurd.

Und: Die Champions League wäre ein Meilenstein, würde den Frankfurtern noch mehr Möglichkeiten eröffnen, in der Europa League stehen aktuell Einnahmen in Höhe von rund 45 Millionen Euro zu Buche, wovon etwa die Hälfte hängenbleibt. In der Königsklasse aber wären die Umsätze deutlich höher. Der VfB Stuttgart etwa fuhr insgesamt rund 65 Millionen Euro ein, war aber sportlich nicht mal sonderlich erfolgreich, schied als 26. mit drei Siegen in der Ligaphase aus.

Vielleicht bleiben dann Ekitiké und Larsson

Und die Champions League würde für die Spieler auch einen anderen Anreiz bieten, solche, die kommen sollen nach Frankfurt. Aber auch jene, die bleiben sollen. Mit dem royalen Wettbewerb im Rücken wäre die Aussicht, begehrte Akteure wie Hugo Larsson und vor allem Hugo Ekitiké noch ein Jahr zu halten, deutlich größer. Eine viel bessere und weithin ausgeleuchtete Plattform als die im Herzen von Europa gibt es kaum – von der noch immer eher überschaubaren monetären Ausstattung für die Spieler mal abgesehen.

Die wird in den kommenden Jahren auch wachsen, was ganz logisch ist, aber nicht in Maßen, die dem Verein schaden könnten. Nichts ist schlimmer als großer Erfolg, der mit großen Gehältern einhergeht, die aber kaum mehr bedient werden können, wenn der Erfolg ausbleibt. Das ist nicht der Frankfurter Weg, das soll und wird es nicht geben.

Aber, klar, die Königsklasse wäre ein weiterer Treiber, ein Entwicklungs-Beschleuniger. „Wir haben das nicht im Plan drin“, sagte Vorstandssprecher Axel Hellmann unlängst. „Aber dass wir die Grenzen weiter verschieben wollen, ist klar. Wir können nicht sagen, Platz neun ist ein duftes Ergebnis.“ Davon ist die Eintracht tatsächlich weit entfernt.

Trapp zurück

Eintracht-Torwart Kevin Trapp ist am Dienstag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Der Kapitän, zuletzt wegen einer Schienbeinblessur unpässlich, absolvierte die Einheit ohne Probleme, zeigte einige schöne Paraden und könnte am Samstag in Bremen in den Kasten zurückkehren – wenn Dino Toppmöller ihm das Vertrauen schenkt. FR

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