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Das DFB-Team war in Düsseldorf gegen Ungarn gefordert und die Jungs von Bundestrainer Julian Nagelsmann überzeugten. Die Einzelkritik und Noten.
Düsseldorf – Die vom neuen Kapitän Joshua Kimmich angeführte deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist erfolgreich in die Nations-League-Saison gestartet. Im ersten Spiel nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM gewann das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann in Düsseldorf gegen Ungarn klar mit 5:0. Die Tore vor 49.235 Zuschauern erzielten Niclas Füllkrug (27. Minute), Jamal Musiala (58.), Florian Wirtz (66.), Aleksandar Pavlovic (77.) und Kai Havertz (81., Foulelfmeter).
Deutschland schlägt Ungarn klar mit 5:0
Torschütze Füllkrug hatte in der Offensive den Startelf-Platz des bisherigen Kapitäns İlkay Gündoğan eingenommen. Marc-André ter Stegen, der für den ebenfalls nach dem Heimturnier zurückgetretenen DFB-Rekordkeeper Manuel Neuer im Tor stand, bekam nur selten Möglichkeiten, sich auszuzeichnen.
Marc-André ter Stegen
Leitete mit seinen flachen Pässen bis in die gegnerische Hälfte schnell eigene Angriffe ein und überspielte so gekonnt das gelegentliche ungarische Pressing. Blieb ansonsten bis in die Schlussphase beschäftigungslos und war dann bei der einzigen Prüfung zur Stelle, als er einen gegnerischen Lupfer stark parierte (78. Minute). Feierte so ein souveränes Debüt als neue, alte und ab jetzt tatsächlich unangefochtene Nummer Eins. Note: 2
Joshua Kimmich
Musste als Kapitän zunächst die ungewohnte Aufgabe übernehmen, stellvertretend für jeden gefoulten Spieler mit dem Schiedsrichter zu diskutieren. Zog von der rechten Abwehrseite häufig ins Zentrum, um sich ins Offensivspiel einzuschalten. Defensiv tadellos. Note: 2
Jonathan Tah
Koordinierte seine Kollegen im Stile eines Abwehrchefs und lief mit seinem Tempo zahlreiche Bälle ab. Hatte nach vorne eine gute Kopfballchance (8.), blieb ansonsten unauffällig – was für Innenverteidiger mehr Lob als Kritik ist. Note: 2
Nico Schlotterbeck
Leitete mit einem starken langen Ball die erste Möglichkeit der Partie ein und überzeugte im Spielaufbau. Entweder erkannte er freie Räume auf seiner Seite oder verlagerte das Spiel mit seinen Diagonalbällen. Empfahl sich für mehr Minuten im DFB-Trikot. Note: 1
David Raum
Sorgte auf der linken Abwehrseite für die nötige Breite auf dem Feld, wenn Musiala immer wieder weit ins Zentrum zog. Belebte so das Offensivspiel, hatte aber auch weite Wege nach hinten zurückzulegen. War allerdings am Führungstor beteiligt. Note: 3
Robert Andrich
Bildete wie bei der EM den defensiven Gegenpart auf der Doppelsechs und war vor allem fürs Pressing und energische Tacklings verantwortlich. Schaltete nach vorne manchmal etwas zu langsam, indem er zu wenig Risiko einging und sich lieber für einen Querpass entschied. Rettete mit einer starken Grätsche aber die Null (56.). Note: 2
Pascal Groß:
Eröffnete den Führungstreffer mit einem präzisen Chip in die Tiefe, der – auch wenn er die Vergleiche nicht hören will – durchaus von seinem Vorgänger Toni Kroos hätte stammen können. Zeigte außerdem schnell, wie er seine Rolle auf der Doppelsechs interpretieren will: Kümmerte sich um große Teile des Spielaufbaus, trieb den Ball dabei immer wieder tief in die ungarische Hälfte und lockte sie so aus der Deckung. Note: 2 (ab 60. Aleksandar Pavlovic: Bereitete in seinem zweiten Länderspiel nach knapp 30 Sekunden die erste Torchance vor, Andrich verzog aber. Danach zeigte der Münchner Shootingstar seine Ballverteiler-Qualitäten und durfte schließlich nach seinem Treffer zum 4:0 erstmals im DFB-Dress jubeln. Note: 2)
Florian Wirtz
Zeigte sich enorm spielfreudig und bildete zusammen mit Havertz und Musiala kleine Dreiecke, aus denen heraus sie sich durchs Mittelfeld kombinierten. Auf diese Weise erzielte der Leverkusener auch den dritten Treffer des Spiels, bei dem er nach traumhafter Kombination ansatzlos ins kurze Eck abschloss. Eine absolute Augenweide. Note: 1
Kai Havertz
Wurde nach dem Rücktritt von Ilkay Gündogan eine Position nach hinten versetzt und begann als Zehner. Von dort zog es den Angreifer in die verschiedensten Räume: Mal holte er sich die Bälle auf Höhe der eigenen Sechser ab, dann stoß er hinter die gegnerische Abwehrkette. Kurzum: Havertz nutzte seine Laufstärke, um das deutsche Offensivspieler noch flexibler zu machen. Das große Manko bleibt aber die Chancenverwertung. Schließlich scheiterte der Stürmer mit seinem Kopfball zunächst an der Latte (33.), kurz vor der Halbzeit ließ er dann die zweite Großchance liegen und schlenzte freistehend am Tor vorbei. In der 72. Minute hämmerte er dann den nächsten Ball an den Querbalken – immerhin durfte er sich kurz vor Schluss mit einem verwandelten Elfer belohnen. Es bleibt damit beim Fazit der EM: Bis zum Abschluss spielt Havertz auf Weltklasse-Niveau – am Rest muss er aber noch arbeiten und endlich Tore aus dem Spiel erzielen. Note: 2
Jamal Musiala
Bereitete das 1:0 vor, indem er gedankenschnell querlegte und den besser postierten Füllkrug bediente. Verdiente sich außerdem besondere Fleißpunkte, weil er auch defensiv stark mitarbeitete und immer wieder wichtige Zweikämpfe gewann. Sorgte mit seinem Treffer nach einem knappen 80-Meter-Sprint für die frühe Entscheidung und begeisterte mit seinen Körpertäuschungen einmalmehr die Fans auf den Rängen. Mann des Abends. Note: 1
Niclas Füllkrug
Profitierte von Nagelsmanns Systemumstellung und genoss als Stoßstürmer vor Havertz mehr Freiräume als gewohnt, weil sein Hintermann mit seinen Läufen die Verteidiger auf sich zog. Vergab in der 20. Minuten die erste Großchance des Spiels, nachdem ihn Florian Wirtz und Jamal Musiala mustergültig bedienten. In der 27. Minute hatte er es deutlich leichter und verwandelte ins leere Tor. Note: 3 (ab 60. Maximilian Beier: Blieb nach seiner Einwechslung unauffällig und kam zu einer Abschlusschance, die er jedoch links am Tor vorbeizog. Note: 3)
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