Undankbarer Platz sechs

Białystok statt Barcelona: BVB kann auf Platz sechs verzichten

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Der BVB hat sich in der Bundesliga auf Platz sechs gearbeitet. Dies würde die Qualifikation für die Playoffs zur Conference League bedeuten.

Dortmund – Durch die beste Serie der laufenden Saison hat sich Borussia Dortmund auf Platz sechs gekämpft. 13 Punkte aus den letzten fünf Spielen, bei der Bilanz kann nur der designierte Meister FC Bayern mithalten.

Die Hoffnung ist beim BVB zurück: Bei drei Punkten Rückstand auf den SC Freiburg und Platz vier ist die Teilnahme an der Champions League plötzlich durchaus realistisch. Wäre die Saison jetzt schon vorbei, hätte Dortmund immerhin das peinliche Szenario abgewendet, in der kommenden Spielzeit überhaupt nicht europäisch vertreten zu sein.

Ob jedoch die Conference League, für deren Playoffs es beim BVB aktuell reichen würde, so viel besser wäre, als eine Saison, in der mal nur auf zwei Hochzeiten getanzt wird, sei dahingestellt.

BVB würde in der Conference League wenig Geld verdienen

Die UEFA hatte den drittklassigen Klubwettbewerb zur Saison 2021/22 eingeführt. Er hat gewiss seine Daseinsberechtigung, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben. Gerade die teilnehmenden Vereine aus kleineren Fußballländern sind froh, dass es einen weiteren Wettbewerb gibt, der der eigenen sportlichen Kragenweite eher entspricht und den Zugang zur UEFA-Vermarktung ermöglicht.

Da ist aber schon ein springender Punkt angesiedelt, wenn der Blick mit der aufgesetzten BVB-Brille zur Conference League geht: Die Gelder, die durch den Kontinentalverband ausgeschüttet werden, sind naturgemäß deutlich geringer als in der Champions League.

In der Königsklasse gibt es alleine eine sechsmal so hohe Startprämie, jeder Sieg in der Champions League ist fünfmal so viel wert wie ein Erfolgserlebnis in der Conference League. Dass in der vorgeschalteten Ligaphase des drittklassigen Wettbewerbs zwei Spiele weniger, also auch ein Heimspiel weniger, steigen, wird indes durch die Playoff-Runde ein Stück weit ausgeglichen.

BVB müsste öfter sonntags spielen

Apropos Heimspiele: Die würden (wie natürlich auch die Auswärtspartien) in der Bundesliga deutlich öfter sonntags steigen, wenn der BVB in der Conference League oder auch Europa League zuvor am Donnerstagabend im Einsatz wäre. Auch das würde sich negativ bemerkbar machen.

Beispielsweise müssten bei Heimspielen am Sonntag Zuschläge bei Dienstleistern etwa aus den Bereichen Sicherheitsdienste, Sanitätsdienste oder Catering bedacht werden. Zudem zeigen Studien, dass Fans sonntags weniger Geld im Stadion lassen als samstags oder freitags – wenn es am nächsten Tag auf die Arbeit geht, lassen viele das letzte Bier weg.

Dem Vernehmen nach ist man sich auf der Dortmunder Chefetage nicht sicher, ob die Conference League nicht sogar ein Verlustgeschäft bedeuten würde. Dabei stellt sich unter anderem auch die Frage, ob der BVB sein Stadion in der Conference League überhaupt voll kriegen würde. Schließlich warten da nicht ausnahmslos Highlightspiele.

Der BVB schied gegen den FC Barcelona aus der laufenden Champions-League-Saison aus.

BVB-Gegner in der Conference League: Białystok statt Barcelona?

Der 1. FC Heidenheim ist in der laufenden Saison in der Conference League als Vertreter der Bundesliga daheim auf NK Olimpija Ljubljana, den FC St. Gallen und den FC Kopenhagen getroffen – immerhin auch auf den FC Chelsea, der aber diesen Wettbewerb mit einer B-Mannschaft bestreitet.

In der K.o.-Phase standen Teams wie NK Celje (Slowenien), FK Borac Banja Luka (Bosnien), Paphos FC (Zypern) oder Víkingur Reykjavík (Island). Im Viertelfinale der Conference League hätte ein BVB-Gegner auch Jagiellonia Białystok (Polen) heißen können. Zur Erinnerung: In der Champions League schied der BVB gegen den FC Barcelona aus!

Nun gibt es sicher Fans, die eine Saison mit einigen eher unbekannten Gegnern abfeiern würden, die sich noch in Jahrzehnten von den Auswärtsfahrten zum Beispiel nach Irland (Shamrock Rovers) oder Schweden (Djurgårdens IF, immerhin Halbfinalist!) erzählen würden. Aus Vereinssicht überwiegen jedoch eher die Nachteile.

Der BVB hätte kaum etwas zu gewinnen, aber viel zu verlieren

Nicht nur lässt sich in der Conference League vergleichsweise wenig Geld verdienen, die Auswirkungen betreffen auch den Bundesliga-Alltag. Neben den vielen Sonntagsspielen ginge es da auch um das leidige Thema Belastungssteuerung, insbesondere nach strapaziösen Reisen in Randgebiete der UEFA.

Mit Prestige hätte ein Auftritt in der 3. Liga Europas sicherlich nur wenig zu tun. Der BVB hätte kaum etwas zu gewinnen, aber viel zu verlieren: Das Halbfinale wäre vermutlich Pflicht, noch bevor das erste Los in der Playoff-Runde gezogen wird.

Wenn es so kommen sollte, wird der BVB die Conference League annehmen, alles andere wäre arrogant und unseriös. Eine realistische Chance auf einen internationalen Titel kann Dortmund nicht einfach so von der Hand weisen, zumal das Endspiel in Deutschland steigt. Wobei: Dass ausgerechnet die Heimat von RB Leipzig zum Sehnsuchtsorts für BVB-Fans wird, darf sicher bezweifelt werden.

Noch besteht ja ohnehin die Chance, sich in der Bundesliga noch um mindestens einen Rang zu verbessern. Dass die Europa League viel Spaß machen kann, hat Eintracht Frankfurt dem BVB in den vergangenen Jahren immer wieder vorgemacht. Und von der Champions League weiß das sowieso niemand besser als Dortmund.

Rubriklistenbild: © IMAGO/UWE KRAFT

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