Volles Vertrauen in Kompany

Musiala-Comeback soll den FC Bayern schwächen – wie bitte?

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Der FC Bayern ist überragend in die Saison gestartet. Nun soll ausgerechnet die anstehende Rückkehr eines Superstars den Erfolg gefährden. Dazu ein Kommentar.

München - Als die Schwere der Verletzung von Jamal Musiala nach der rüden Attacke von PSG-Keeper Gianluigi Donnarumma im Klub-WM-Viertelfinale Anfang Juli festgestanden hatte und die Ausfallsdauer auf bis zu einem halben Jahr einschätzt worden war, war sich die Fußballwelt einig, dass dies eine erhebliche Schwächung des FC Bayern nach sich ziehen würde. Doch erstaunlicherweise ist gerade das Gegenteil eingetreten.

Musialas Horrorverletzung im Klub-WM-Viertelfinale: Blankes Entsetzen bei seinen Mitspielern.

Ähnlich wie Jupp Heynckes´ „Triple-Vize-Bayern“ 2012 scheint die aktuelle Truppe von Vincent Kompany aus den vielen bitteren Ereignissen zum Ende der vergangenen Saison eine besondere Motivation gewonnen zu haben. Zwar konnte man eine souveräne Deutsche Meisterschaft feiern, aber ein fatales Verletzungspech hatte zuvor und auch danach sämtliche internationale Ambitionen nahezu vernichtet.

Philipp Lahms Musiala-Aussagen verursachen Aufregung

16 Siege in den ersten 16 Pflichtspielen bedeuten einen neuen überragenden europäischen Saisonstartrekord, nicht zuletzt auch deswegen, weil das Team das Kompany-System noch wesentlich besser verinnerlicht hat und auch noch mehr zusammengewachsen ist. Eine verschworene Truppe. Die sicherlich durch die nun in Kürze erwarteten Rückkehren von Hiroki Ito, Alphonso Davies und Jamal Musiala (wohl in dieser Reihenfolge) noch einmal qualitativ wie quantitativ aufgerüstet wird.

Aber nun sorgt ausgerechnet die FCB-Legende Philipp Lahm in seiner Kolumne für Die Zeit für Zweifel an dieser positiven Entwicklung. Nach Meinung des 41-Jährigen könnte Musiala sogar zum Problem für die aktuellen „Super-Bayern“ werden: „Interessant wird es, wenn Jamal Musiala genesen zurückkehrt. Die Mannschaft steht, ohne dass er daran beteiligt gewesen wäre, und sie spielt exzellent. Im Augenblick ist alles auf Kane ausgerichtet, er dankt es mit Toren.“

Jamal Musialas Weg zur 10: Die entscheidenden Momente seiner Karriere

 Der entscheidende Transfer
Mit nur 16 Jahren wagte Musiala den mutigen Schritt von Chelsea zum FC Bayern München für 200.000 Euro Ablöse. Eine strategische Familienentscheidung, die den Grundstein für seinen kometenhaften Aufstieg legte. © imago images/Eibner
Profidebüt & erste Rekorde
Am 20. Juni 2020 wurde Musiala mit 17 Jahren und 115 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Bayern-Geschichte. Sein Debüt gegen Freiburg war der offizielle Eintritt in die Geschichtsbücher des Vereins. © imago images/kolbert-press
Das erste Tor, der erste Rekord
Beim 8:0-Kantersieg gegen Schalke erzielte Musiala sein erstes Bundesligator und pulverisierte mit 17 Jahren und 205 Tagen den 20 Jahre alten Rekord von Roque Santa Cruz. Der Beweis, dass aus dem Talent eine sofortige Bedrohung für jeden Gegner geworden war. © imago images/MIS
Der erste Start in der Champions League
Am 1. Dezember 2020 vertraute Hansi Flick dem 17-jährigen Musiala einen Startelfeinsatz gegen Atlético Madrid an. Ein gewaltiger Vertrauensbeweis in einem der schwierigsten Auswärtsspiele Europas. © imago images/Agencia EFE
Die Weggabelung einer Karriere
Am 24. Februar 2021 entschied sich Musiala nach intensivem Werben für die deutsche Nationalmannschaft statt England. Eine Bauchgefühl-Entscheidung, die sein internationales Vermächtnis definierte, bevor es richtig begonnen hatte. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie
Ein europäischer Meilenstein
Mit seinem Tor gegen Lazio Rom wurde Musiala mit 17 Jahren und 363 Tagen zum jüngsten Champions-League-Torschützen der Bayern-Geschichte. Seine Ankunft auf der Weltbühne vor globalem Publikum. © imago images/LaPresse
Debüt bei einem großen Turnier
Bei der EURO 2020 wurde Musiala mit 18 Jahren und 117 Tagen zum jüngsten deutschen Spieler bei einem großen Turnier. Sein entscheidendes Dribbling gegen Ungarn rettete Deutschland ins Achtelfinale. © imago images/Eibner
Das erste Länderspieltor
Am 11. Oktober 2021 erzielte Musiala sein erstes Tor für Deutschland gegen Nordmazedonien. Mit 18 Jahren und 227 Tagen wurde er zum zweitjüngsten Torschützen der DFB-Geschichte. © imago images/Matthias Koch
Das entscheidende Tor im Klassiker
Musialas Treffer zum 3:1 gegen Borussia Dortmund am 23. April 2022 war mehr als nur ein Tor - es war der Moment, der die historische zehnte Meisterschaft in Folge sicherte. In dem Spiel traf ausgerechnet das Gesicht der nächsten Generation. © IMAGO/RHR-Foto
Die Krönung zur 10. Meisterschaft
Nach dem entscheidenden Sieg gegen Dortmund feierte Musiala mit seinen Teamkollegen die historische zehnte deutsche Meisterschaft in Folge. Ein symbolischer Akt der Staffelübergabe, der zeigte, dass die Zukunft des Vereins in ebenso fähigen Händen lag. © IMAGO/Sven Simon
Eine herausragende WM-Leistung
Bei der WM 2022 in Katar war Musiala der überragende deutsche Akteur trotz des Gruppenphasen-Aus. Seine 12 erfolgreichen Dribblings gegen Costa Rica stellten einen Teenager-Rekord bei Weltmeisterschaften auf. © IMAGO/BSR Agency
Deutschlands Nationalspieler des Jahres 2022
2022 wurde Musiala erstmals zu Deutschlands Nationalspieler des Jahres gewählt. Eine frühe Anerkennung seines außergewöhnlichen Talents und seiner wachsenden Bedeutung für die Nationalmannschaft trotz seines jungen Alters. © IMAGO/ActionPictures
Das Meistertor von Köln
In der 89. Minute des letzten Spieltags der Saison 2022/2023 zirkelte Musiala den Ball gegen Köln ins lange Eck und entriss Dortmund die schon sicher geglaubte Meisterschaft. Sein „Aguero-Moment“ - ein Treffer, der in die Ewigkeit eingehen wird. © IMAGO/RHR-Foto
Die dramatischste Meisterfeier
Nach seinem Last-Minute-Siegtor brachen alle Dämme - Musiala feierte mit seinen Teamkollegen die wohl dramatischste Meisterschaft der Bayern-Geschichte. Ein Titel, der in der allerletzten Minute einer chaotischen Saison gerettet wurde und ihn bei den Fans unsterblich machte. © IMAGO/Eibner
Anerkennung unter Gleichaltrigen
2023 wurde Musiala sowohl bei der Kopa Trophy als auch beim Golden Boy Award Zweiter hinter Jude Bellingham. Die formelle Anerkennung als einer der beiden besten jungen Fußballer der Welt. © IMAGO/Xinhua
Der erste Hattrick bei den Profis
Beim 4:0-Pokalsieg gegen Mainz erzielte Musiala am 30. Oktober 2024 seinen ersten Profi-Hattrick. Der Beweis seiner Entwicklung zu einer rücksichtslosen und dominanten Tormaschine. © IMAGO/HJS
Der Star der EURO 2024 - Auf dem Platz
Bei der Heim-EM 2024 dominierte Musiala mit drei entscheidenden Toren gegen Schottland, Ungarn und Dänemark die deutsche Offensive. Er trug die Hoffnungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern und lieferte spektakulär ab. © IMAGO/Moritz Müller
Der Goldene Schuh - Die Krönung
Als einer der Torschützenkönige der EURO 2024 erhielt Musiala den Goldenen Schuh und wurde damit offiziell als bester Torjäger des Turniers ausgezeichnet. Die persönliche Wiedergutmachung nach der WM-Enttäuschung von 2022 war perfekt. © IMAGO/Sven Simon
Der Distanz-Donnerschlag
Im Spiel gegen St. Pauli 2024 offenbarte Musiala eine neue Waffe mit einem brutalen 25-Meter-Schuss an die Unterkante der Latte. Der greifbare Beweis seiner kontinuierlichen Entwicklung zu einem noch kompletteren Torjäger. © IMAGO/Lobeca
Deutschlands Nationalspieler des Jahres 2024
2024 erhielt Musiala erneut die Auszeichnung als Deutschlands Nationalspieler des Jahres nach seiner herausragenden EURO-Leistung im eigenen Land. Die Bestätigung seiner Rolle als unumstrittener Fahnenträger und bester deutscher Fußballer seiner Generation. © IMAGO/Laci Perenyi
Der neue Vertrag
Am 14. Februar 2025 unterschrieb Musiala einen Vertrag bis 2030 mit 25 Millionen Euro Jahresgehalt und 175 Millionen Euro Ausstiegsklausel. Die Krönung zum unantastbaren Eckpfeiler des FC Bayern für das nächste Jahrzehnt. © IMAGO/Sven Simon
Hattrick auf der Weltbühne
Bei der FIFA Klub-WM 2025 erzielte Musiala einen Hattrick gegen Auckland City und erreichte seine persönliche Bestmarke von 20 Saisontoren. Ein weiterer Baustein seiner internationalen Marke auf globaler FIFA-Bühne. © IMAGO/Agencia EFE
Triumph bei der Klub-WM
Nach dem dominanten 10:0-Sieg gegen Auckland City feierten Musiala und seine Bayern-Teamkollegen den perfekten Start in die neu formatierte FIFA Klub-Weltmeisterschaft. Ein Moment des kollektiven Triumphs auf der größten Klubbühne der Welt. © IMAGO/Beautiful Sports
Das Erbe einer Ikone
Im Juli 2025 übernahm Musiala die legendäre Rückennummer 10 beim FC Bayern München, die zuvor von Ikonen wie Arjen Robben und Lothar Matthäus getragen wurde. Die ultimative Bestätigung seines Status als kreativer Herzschlag und unumstrittener Talisman der Mannschaft - ein Mantel der Verantwortung, den nur die größten Bayern-Legenden trugen. © FC Bayern
Die Reifung zum Anführer
Um 2025 herum ist Musialas Transformation vom Wunderkind zum unumstrittenen Anführer abgeschlossen. Er spricht offen davon, „eine Ära beim FC Bayern prägen“ zu wollen - die Sprache eines wahren Führungsspielers. © IMAGO/Sven Simon

Der Weltmeister von 2014 weiter: „Neben ihm zählt Musiala zu den Spitzenverdienern, sein Vertrag wurde bis 2030 verlängert. Er ist ein großes Talent, ein Spieler mit eigenem Profil. Wird es gelingen, ihn mit Gewinn einzufügen, oder wird dies die Klarheit der Bayern schwächen? Eine Mannschaft ist bekanntlich nur erfolgreich, wenn sie mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile.“

Lahms Bedenken haben eine öffentliche Diskussion darüber ausgelöst, welche FCB-Spieler von dem Comeback negativ beeinflusst werden könnten. Selbst Harry Kane wäre demnach möglicherweise davon betroffen. Der 32-jährige Engländer ist in dieser Spielzeit bislang überall auf dem Spielfeld anzutreffen. Statt als klassischer Mittelstürmer agierte er auch schon einige Male auf Musialas Zehnerposition, speziell, wenn Nicolas Jackson auf dem Platz stand und in der Spitze spielte.

Der vor der Saison von vielen Experten schon abgeschriebene Serge Gnabry macht seine Sache – ebenfalls auf der klassischen Musiala-Position hinter der Spitze – seit Wochen überragend. Bei 14 der 16 Pflichtspielsiege wurde Gnabry von Kompany eingesetzt und glänzte dabei nicht nur wegen der vier Tore und fünf Assists. Auch der bereits überragend integrierte Neuzugang Luis Díaz (10 Tore, 6 Vorlagen) könnte ein „Verlierer“ des Musiala-Comebacks sein.

Positive Aspekte der Musiala-Rückkehr überwiegen

Man kann natürlich alles schwarz malen, aber beim so heiß ersehnten Comeback von Musiala sollten die positiven Aspekte doch eigentlich klar dominieren. Der 22-Jährige ist in Bestform ein absoluter Weltklassespieler, der in jeder Partie den Unterschied ausmachen kann. Dabei ist er – trotz seiner zahlreichen atemberaubenden Dribblings – gewiss kein Egomane oder Einzelkämpfer, sondern ein in der Mannschaft sehr geschätzter Teamplayer.

Chefcoach Vincent Kompany hat es speziell in dieser Saison nahezu perfekt hinbekommen, taktisch flexibel viele schmerzende Spielerausfälle zu kompensieren, hat auch bei der Anpassung seines Systems an spezielle Spielsituationen extrem dazu gelernt – Paradebeispiel: Die zweite Halbzeit in Paris. Warum soll er nun die Rückkehr von Leistungsträgern nicht hinbekommen?

Bekanntlich trägt ein Konkurrenzkampf in allen Wettkampfmannschaften zu Leistungssteigerungen bei, das beginnt schon bei der höheren Qualität in den Trainingseinheiten. Es ist außerdem kaum zu erwarten, dass Musiala sehr bald in der Münchner Startelf stehen wird, stattdessen wird er nach seiner monatelangen Pause schrittweise ins Spielgeschehen zurückgeführt werden.

Musiala soll langsam herangeführt werden

Kompany wird nichts überstürzen. Erfreulicherweise ist der FC Bayern in dieser Saison bislang von längeren Ausfällen in der Offensive verschont geblieben. Gleichzeitig wurde eine beginnende Überlastung von Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz diskutiert. Letzterer hat zumindest im nächsten Champions-League-Spiel Pause wegen seiner Rotsperre.

Könnte Musiala bereits Ende November beim FC Arsenal auflaufen, wäre das sicherlich kein nennenswerter Nachteil für den Rekordmeister. Aber die Partie dürfte für den Supertechniker dann doch noch ein paar Wochen zu früh kommen. Danach sollten sich die Bayernfans ausschließlich auf sein Comeback freuen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Latin Sport Images

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